Was ist eine Hypothyreose beziehungsweise Schilddrüsenunterfunktion?

Ist die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut normal, spricht man von einer normalen Stoffwechsellage (Euthyreose). Produziert die Schilddrüse mehr Hormone, als der Körper braucht, so liegt eine Überfunktion der Schilddrüse vor (Hyperthyreose). Im Gegensatz dazu findet sich bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) zu wenig Schilddrüsenhormon im Blut.

Die Schilddrüse ist ein walnussgroßes Organ, das sich kurz unterhalb des Kehlkopfes an die Luftröhre schmiegt. Normalerweise ist sie durch die Halsmuskeln verdeckt und lässt sich allenfalls beim Schlucken tasten, weil sie sich dann nach oben schiebt.

 

Eine gesunde Schilddrüse besteht aus zwei Lappen, die schmetterlingsförmig aneinandergeschmiegt sind. Ihr Gewebe ist sehr weich und sie wiegt durchschnittlich etwa fünfzehn bis 20 Gramm.

 

Aus Eiweiß und Jod produziert die Schilddrüse die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Die Hormone beeinflussen den Stoffwechsel, den Kreislauf und das Wachstum, aber auch das psychische Wohlbefinden. Zwei Zentren im Gehirn und die von ihnen freigesetzten Hormone steuern die Produktion der Schilddrüsenhormone: der im Zwischenhirn liegende Hypothalamus mit seinem Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) sowie die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) mit ihrem Thyroidea-stimulierenden-Hormon (TSH).

 

Was sind Symptome und Ursachen einer Hypothyreose?

Eine Hypothyreose kann angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens auftreten. Sie kann verschiedene Ursachen haben:

  • Primäre Form: Hier liegt die Ursache der Unterfunktion in der Schilddrüse selbst. Diese Form ist die häufigste.
  • Sekundäre Form: Die sekundäre Hypothyreose kommt seltener vor. Sie kann verschiedene Ursachen haben. Entweder produziert die Hirnanhangsdrüse zu wenig TSH, sodass die Schilddrüse nicht genügend stimuliert wird und zu wenig Schilddrüsenhormon freisetzt. Oder es liegt eine Störung des Hypothalamus vor, einer Hirnregion, die der Hirnanhangsdrüse übergeordnet ist. Dieses Zentrum produziert den Botenstoff TRH, der wiederum die Bildung und Abgabe des TSH fördert.

Angeborene Form der Hypothyreose

Eines von 3.500 Neugeborenen leidet an einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion. Durch das gesetzlich vorgeschriebene Neugeborenen-Screening 48 bis 72 Stunden nach der Geburt werden die meisten dieser Kinder rechtzeitig entdeckt und können sofort einer Therapie zugeführt werden. Deshalb sieht man das Vollbild der Erkrankung glücklicherweise nur noch sehr selten.

 

Typische Zeichen einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion sind eine verminderte Aktivität und Bewegungsarmut der Neugeborenen, eine Trinkschwäche und eine verlängerte Neugeborenen-Gelbsucht. Erfolgt keine oder eine zu späte Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion, kommt es zu einer eingeschränkten körperlichen und geistigen Entwicklung mit Missbildungen des Skelettsystems, Minderwuchs, Sprachstörungen, Schwerhörigkeit, Fettleibigkeit (Kretinismus). Bei einer verzögerten medikamentösen Therapie kann sich das Längenwachstum des Kindes noch normalisieren, jedoch sind die bereits eingetretenen Hirnschäden nicht zu beeinflussen.

 

Ursachen für die angeborene Form sind:

  • Fehlen der Schilddrüse
  • Veränderung des Schilddrüsengewebes mit Funktionsverlust
  • Störungen der Bildung der Schilddrüsenhormone
  • Schädigung der kindlichen Schilddrüse während der Schwangerschaft im Mutterleib (zum Beispiel durch einen Jodmangel, eine Schilddrüsenunterfunktion der Mutter oder eine Radiojodtherapie)

Erworbene Form der Hypothyreose

Die im Laufe des Lebens erworbene Schilddrüsenunterfunktion kann mehrere Ursachen haben. So entsteht eine Hypothyreose häufig als Folge einer Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis).

 

Eine häufige Form der Thyreoiditis ist die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis: Bei dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse sieht der Körper die eigene Schilddrüse fälschlicherweise als "Fremdkörper" an, produziert Antikörper gegen das Gewebe und zerstört es langsam durch eine chronische Entzündung. Diese Form der Schilddrüsenerkrankung ist die häufigste Ursache der Hypothyreose. Betroffen sind vor allem Frauen nach dem 40. Lebensjahr. Die Erkrankung verläuft in der Regel harmlos, dennoch ist eine ärztliche Behandlung notwendig.

 

Eine weitere Entzündung, die vier Prozent aller Frauen nach einer Entbindung betrifft, ist die sogenannte postpartale Thyreoiditis: Bei dieser Sonderform der Schilddrüsenentzündung kommt es im Anschluss an die Geburt (post partum) bei der Mutter zu einer temporären Schilddrüsenunterfunktion. Sie heilt im Allgemeinen ohne Folgen aus.

 

Schilddrüsenunterfunktionen können nach medizinischen Eingriffen an der Schilddrüse auftreten, die meist aufgrund einer Überfunktion der Schilddrüse oder eines Kropfes durchgeführt werden mussten, zum Beispiel

  • nach einer Schilddrüsenoperation,
  • nach einer Radiojodtherapie,
  • durch zu hoch dosierte Medikamente, die die Schilddrüse hemmen (Thyreostatika).

Wie äußert sich eine Hypothyreose? 

Schilddrüsenhormone sind für fast alle Stoffwechselfunktionen des Körpers wichtig. Ein Mangel an Schilddrüsenhormon lässt viele Stoffwechselprozesse langsamer ablaufen als normal und wirkt sich damit auf den gesamten Organismus aus. Welche Beschwerden sich wie stark zeigen, hängt von der Ausprägung des hormonellen Defizits ab.

 

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann sich mit folgenden typischen Merkmalen zeigen:

  • Kälteempfindlichkeit
  • Müdigkeit mit verstärktem Schlafbedürfnis
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Verstopfung
  • Trockene, schuppende gelbliche und kühle Haut
  • Brüchiges Haar
  • Heisere und tiefe Stimme, langsame oft verwaschene Sprache
  • Gedächtnisstörung
  • Flüssigkeitseinlagerung an den Augenlidern (Lidödeme)
  • Störungen der Monatsblutung bei Frauen
  • Verminderung des sexuellen Lustempfindens
  • Depressive Stimmungslage
  • Frühzeitige Arteriosklerose aufgrund gesteigerter Blutfette
  • Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)

Bei älteren Menschen sind eine verminderte Leistungsfähigkeit und eine Kälteempfindlichkeit oft die einzigen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion, was zu einer Verwechslung der Schilddrüsenunterfunktion mit allgemeinen altersbedingten Veränderungen führen kann.

 

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?

Meist erhält der Arzt schon durch die Schilderung der Beschwerden erste Hinweise auf die Erkrankung. Verschiedene Untersuchungen sollen die Diagnose sichern und die Ursache der Unterfunktion feststellen:

 

Blutuntersuchungen

Die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone im Blut und der TSH-Wert sind entscheidend für die Diagnose. Bei Schilddrüsenentzündungen lassen sich häufig bestimmte Schilddrüsen-Antikörper im Blut nachweisen.

 

Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse

Mithilfe des Ultraschalls lassen sich die Größe und die Struktur der Schilddrüse beurteilen. Außerdem kann der Arzt kleine Gewebeproben der Schilddrüse zur Untersuchung unter dem Mikroskop entnehmen (Feinnadelbiopsie).

 

Schilddrüsenszintigrafie

Eine Szintigrafie dient der Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. Dabei misst man die Jodanreicherung in der Schilddrüse. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse nimmt diese typischerweise die markierte Substanz weniger oder gar nicht auf.

 

Wie wird eine Hypothyreose behandelt?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist es notwendig, das fehlende Schilddrüsenhormon dauerhaft, meist lebenslang, einzunehmen. Die Patienten erhalten künstliches Schilddrüsenhormon (Levothyroxin, L-T4) in Tablettenform.

 

Man beginnt die Therapie mit einer niedrigen Dosis und erhöht sie unter regelmäßigen Blutuntersuchungen stufenweise bis zur gewünschten Dosis. Der Grund für diese "einschleichende" Therapie: Bei einer zu hohen und zu schnellen Verabreichung des Schilddrüsenhormons können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und Angina-pectoris-Anfälle auftreten.