Hüft-Endoprothesen

Probleme mit Hüft-Endoprothesen gab es in den vergangenen Jahren vor allem mit Produkten der Firmen DePuy Orthopeadics Ltd., Finsbury Orthopeadics Ltd., MatOrtho Ltd. und Zimmer GmbH. Sollten Sie betroffen sein, lassen Sie sich am besten von der TK beraten.

 

DePuy, MatOrtho und Finsbury Orthopeadics

In den Jahren 2010 und 2011 rief die Firma DePuy Orthopeadics Ltd, ein Tochterunternehmen des US-Konzerns Johnson & Johnson, weltweit drei Varianten ihrer Hüft-Endoprothesen zurück. Die Endoprothesen trugen die Produktbezeichnungen ASR-XL, ASR und ADEPT 12/14 Modular Head Komponents. ASR steht für Articular Surface Replacement ("Gelenkoberflächen-Ersatz").

 

Das DePuy-Produkt ASR-XL ist eine sogenannte Total-Endoprothese (TEP), mit der sowohl Gelenkkopf als auch Gelenkpfanne ersetzt werden. Die Endoprothese ASR ist eine Hüftkappenprothese, die lediglich die Oberfläche des Hüftgelenkkopfes durch eine Kappe ersetzt. Beim ADEPT® 12/14 Head handelt es sich um den sogenannten Konus der Großkopf-Metallprothese. Bei diesem Produkt sind auch die britischen Hersteller Finsbury und MatOrtho Ltd. betroffen. Finsbury hatte die ADEPT-Prothese zwischen 2004 und 2011 ebenfalls vertrieben, MatOrtho hatte die Produktion ab September 2011 unverändert übernommen.

 

Dem Rückruf ging die Publikation mehrerer klinischer Studien aus dem Jahr 2008 und später voraus. Die Studien belegten unter anderem, dass mehrere Patienten, die eine ASR-Hüftprothese hatten, erhöhte Kobalt- und Chromwerte im Blut aufwiesen. Bei einigen Patienten waren diese hundertfach höher als normale Werte. Generell empfehlen deshalb Orthopäden allen Patienten, die eine Prothese mit einer Metalllegierung haben, jährliche Bluttests, in denen die Kobalt- und Chromkonzentration im Blut festgestellt wird. Mittels Röntgenaufnahmen können außerdem krankhafte Veränderungen an den Prothesen festgestellt werden.

 

Für betroffene Patienten kann dies bedeuten, dass sie sich möglicherweise einer erneuten Hüftoperation unterziehen müssen, in deren Verlauf die schadhafte Hüftprothese ausgetauscht wird. In der Regel kann das künstliche Hüftgelenk maximal dreimal ausgetauscht werden. Insbesondere jüngere Patienten, die bereits zwei Operationen zum Einsatz und Austausch des künstlichen Hüftgelenks hinter sich haben, droht so möglicherweise später eine schwerwiegende Gehbehinderung. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, wie Sie am sinnvollsten mit diesen Risiken umgehen können. Auch das TK-Ärztezentrum oder das TK-ZweitmeinungsTelefon helfen Ihnen, wenn Sie eine solche Entscheidung treffen müssen.

 

Angebot von DePuy für Betroffene

Die Firma DePuy hat sich in Verbindung mit dem ASR-Rückruf bereit erklärt, alle mit einer notwendigen Austauschoperation verbundenen Kosten zu erstatten. Dafür hat der Konzern Rückstellungen von 922 Millionen US-Dollar bereitgestellt.

 

Patienten aus Deutschland, denen ASR-Hüft-Endoprothesen implantiert wurden, können sich über eine kostenlose Hotline an DePuy wenden. Sie finden auch ausführliche Informationen zu den ASR-Hüft-Endoprothesen auf der Website von DePuy.

Anders sieht es zur Zeit noch bei der Großkopf-Metallprothese ADEPT® 12/14 Modular Head aus, die neben DePuy auch von den Firmen Finsbury oder MatOrtho geliefert wurden. Hier gibt es aktuell nur einen Aufruf des Herstellers an alle belieferten Kliniken, die Systeme nicht mehr zu implantieren und sämtliche Lagerbestände an den Hersteller zurückzugeben.


Der Hersteller hat die implantierenden Kliniken aufgefordert, Patienten, die mit den betroffenen Implantaten versorgt worden sind, nach den lokalen Richtlinien für Patienten mit Metall-auf-Metall-Gleitpaarungen zu behandeln.


Wir empfehlen Ihnen, sich vor einer stationären Maßnahme mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen. Lassen Sie sich über eventuelle Risiken und notwendige Maßnahmen aufklären.

 

Durom Metasul LHD Großkopf- und Oberflächenersatzsystem der Zimmer GmbH

2003 führte der Schweizer Hersteller Zimmer das Durom-Hüftprothesensystem in Europa, Kanada und Australien in den Markt ein. Sie hatte es in diesem Jahr von der Schweizer Firma Center-pulse Orthopaedics Ltd. übernommen.

 

Das System besteht aus einer Hüftpfanne und entweder einem Oberflächenersatz für den Hüftkopf oder einem Großkopf, der mit einem Großkopfadapter und einem Hüftstiel im Oberschenkelknochen verankert wird.

 

Bei beiden Prothesenformen gleiten die metallenen Oberflächen aufeinander. Hierbei können aus dem Werkstoff Metall-Ionen gelöst werden, die dann in das umliegende Gewebe und in das Blut gelangen. Dort kommt es dann zu einer erhöhten Konzentration dieser Schwermetalle. Die Vergiftung kann in einem Bluttest nachgewiesen werden. Sie kann Entzündungen des Herzmuskels auslösen und auch andere Organe wie Leber, Milz, Nieren und das Gehirn schwer belasten.


Bei der Prothese mit dem Großkopf kann es außerdem zu einem Abrieb des Metalls an der Verbindung zwischen Hüftstiel, Großkopfadapter und Großkopf kommen. Der Abrieb kann die Gelenkprothesen abnutzen, sodass Löcher entstehen oder sich Splitter lösen. Dadurch können das umliegende Gewebe oder die Knochen selbst geschädigt werden. Dieser sogenannte Knochenfraß kann dazu führen, dass sich die Prothese lockert oder es zu Schmerzen oder zu Problemen beim Gehen kommt.


Ein Rückruf der beiden Systeme erfolgte in Deutschland bisher nicht. Die Firma Zimmer hat allerdings 2012 den Vertrieb des Durom-Metasul-LDH-Systems eingestellt.

 

Selbsthilfegruppe Durom-Metasul-Hüftprothesen e.V.

Aufgrund der hohen Zahl von Betroffenen wurde in Freiburg die "Selbsthilfegruppe Durom-Metasul-LDH-Hüftprothesen e.V." gegründet, die umfassend zum Thema informiert. Dort finden übrigens auch Patienten mit dem DePuy-Hüftgelenksystem Informationen.

Modulare Revisionsprothese des Typs MRP Titan der Peter Brehm Chirurgie-Mechanik GmbH

Die TK verzeichnet derzeit gehäuft Vorkommnisse zu dieser Endoprothese. Bei den Vorkommnissen zeigt sich ein einheitliches Schadensbild, nämlich ein Bruch des Schaftes nach etwa 30-40 Monaten im Bereich der Konussteckverbindung.

 

Die TK ließ daher die Explantate sachverständig untersuchen. Alle Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass ein Schwingungsbruch vorliegt, der durch eine nicht ordnungsgemäße Zusammenfügung der Konusverbindung verursacht wurde.

 

Bis zum Jahr 2014 musste diese Verbindung mittels einer vom Hersteller zur Verfügung gestellten Instrumententechnik verspannt werden. Materialaufkleber Peter Brehm Die TK prüft zurzeit, ob ein Instruktionsfehler des Herstellers vorliegt.

 

Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Sie diese Prothese implantiert bekommen haben, vergleichen Sie Ihre Unterlagen mit dem nebenstehenden Materialaufkleber.

 

Lassen Sie sich beraten

Sollten Sie gesundheitliche Schäden durch diese Hüftgelenkprothesen erlitten haben, raten wir Ihnen, die Ihnen möglicherweise zustehenden Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche zeitnah überprüfen zu lassen. Unter gewissen Umständen stehen Ihnen Ansprüche gegenüber dem Hersteller aus Produkthaftung und/oder dem jeweiligen implantierenden Krankenhaus oder dem operierenden Arzt zu. Lassen Sie sich am besten von den Experten der TK dazu beraten.

 

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