Rhythmus, Takt und Bewegung

Mit Rhythmus und Takt können Musiktherapeuten gestörte Bewegungsabläufe verbessern. Parkinsonpatienten können so zum Beispiel lernen, wieder sicherer und stabiler zu gehen.

 

Bewegungsarm bis starr, steif, unwillkürlich zitternd, mit unsicherem Stand - so müssen viele Parkinson-Patienten ihren Alltag bewältigen. Oft können sie nur noch trippelnd gehen, manchmal bleiben sie mitten in der Bewegung stehen wie eine Statue. Sie können ihre Bewegungen nicht mehr richtig willentlich steuern.

 

Mindestens einer von hundert über 60jährigen Menschen ist von dieser Krankheit betroffen. Ursache ist ein Mangel am Botenstoff Dopamin im Gehirn. Er entsteht meist durch Schäden an der Hirnregion, die das Dopamin produziert. Behandelt wird diese Krankheit vor allem durch Medikamente, die das Dopamin im Körper freisetzen oder seine Wirkung unterstützen. Auch Krankengymnastik, Ergotherapie und die funktionale neurologische Musiktherapie können helfen.

 

Klänge und Rhythmen als Zeitgeber

Eine wichtige Methode der funktionalen Musiktherapie ist zum Beispiel die Rhythmisch Auditorische Stimulation, kurz RAS. Mit ihrer Hilfe können Patienten wieder lernen, sicherer zu gehen und ihre Bewegungen besser zu koordinieren. Die Therapeuten nutzen dazu rhythmisches Klatschen oder rhythmische Musik, die sie oft individuell für den Patienten live spielen.

 

Viele Patienten erleben während der Therapie, wie sich ihr Gang spontan verändert und sie sich wieder flüssiger bewegen können. Und nicht nur das - eine regelmäßige rhythmische Stimulation führt dazu, dass die Patienten nachhaltig wieder besser gehen können. Das zeigen zum Beispiel Studien des Musiktherapeuten und Neurowissenschaftlers Professor Michael Thaut.

 

Warum hilft die Therapie?

Hören und Bewegen sind eng miteinander verbunden. Die rhythmischen Klänge wirken wie "Zeitgeber". Sie aktivieren nicht nur Nervenzellen, die für das Hören zuständig sind, sondern auch solche, die die Bewegungen koordinieren. Deshalb bringt rhythmische Musik so gut wie jeden zum Wippen und Mitschwingen. Wenn sich das Tempo ändert, passt sich auch die Bewegung an, selbst wenn die Änderungen bewusst kaum wahrnehmbar sind. Dieser Effekt wird auch bei der Rhythmischen Auditorischen Stimulation genutzt.

 

Auch nach Schlaganfall hilfreich

Auch Patienten nach Schlaganfall können von der Rhythmischen Auditorischen Stimulation profitieren und ihren Gang verbessern. Das legt eine Auswertung verschiedener amerikanischer Studien zur Wirksamkeit dieser Therapie nahe, die die Cochrane Collaboration 2010 veröffentlichte. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales unabhängiges Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten, die sich den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin verpflichtet haben.

 

Die Ergebnisse der Studien sind also vielversprechend. Noch beruhigen sie allerdings oft auf kleinen Patientengruppen und müssen durch weitere Forschung erhärtet werden.