Start von docdirekt

Zu Beginn des Modellprojekts der KVBW sind 35 Tele-Ärzte mit dabei.

 

Versicherte der Gesetzlichen Krankenkassen aus den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen können sich ab 16. April 2018 telemedizinisch beraten und behandeln lassen.

 

Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-WürttembergAndreas VogtHerr Vogt, wie bewerten Sie den Start von docdirekt?  

 

In der Kommunikation mit der Arztpraxis und dem Arzt passiert immer noch vieles analog. Dabei ist die Telemedizin eine gigantische Chance für das deutsche Gesundheitssystem und in anderen Ländern wie der Schweiz oder Estland schon lange fest etabliert. In Deutschland werden ihre Potenziale noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

 

Umso erfreulicher ist es, dass die KV Baden-Württemberg nun mit docdirekt vorangeht. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer modernen und zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen deshalb dieses Projekt mit 1,9 Millionen Euro.

 

Was versprechen Sie sich von docdirekt?  

 

Die Vorteile der telemedizinischen Fernbehandlung sind offensichtlich: Sie kann eine Antwort auf die Unterversorgung in strukturschwachen Regionen sein und die wenigen dort ansässigen, überlaufenen Arztpraxen entlasten. Mobil eingeschränkte Personen müssen seltener lange Anfahrtswege zum behandelnden Arzt auf sich nehmen. Einige Erkrankungen lassen sich via Online-Sprechstunde vom Hausarzt behandeln.

 

Ich erhoffe mir aber auch eine gesundheitspolitische Signalwirkung über Baden-Württemberg hinaus. Im Mai entscheidet die Bundesärztekammer über das Fernbehandlungsverbot. Ich hoffe, dass dort die Zeichen der Zeit richtig erkannt werden. Das gilt auch für die Politik. In einem Gesetz sollte klar geregelt werden, unter welchen Voraussetzungen eine Fernbehandlung ohne vorherigen Arzt-Patienten-Kontakt zulässig ist. 

 

Mit docdirekt soll auch die Notfallversorgung besser gesteuert werden. Sehen Sie in der Telemedizin dafür ein gutes Instrument?

 

Die Erfahrungen bei dem Schweizer Unternehmen Medgate zeigen, dass die Telemedizin hier durchaus einen Beitrag leisten kann. Bedauerlich ist, dass die Ärzte von docdirekt - anders als die Mediziner bei Medgate - zumindest vorerst nicht die Möglichkeit haben, ein Rezept oder eine Krankschreibung auszustellen.

 

Mit Telemedizin allein ist es aber bei der Notfallversorgung nicht getan. Hier brauchen wir eine koordinierte Notfallversorgung mit der Einrichtung von Portalpraxen. Nach unserer Vorstellung findet in diesen Portalpraxen die gemeinsame Anmeldung für die ambulante Notfallpraxis und die Notaufnahme der Klinik statt und das idealerweise rund um die Uhr. Sie ist also die zentrale Anlaufstelle für alle Patienten. So kann direkt geklärt werden, wer ambulant gut aufgehoben ist und wer tatsächlich stationär behandelt werden muss.