... zur Teilnahme an der TK-HausarztTour

Bereits im vierten Jahr in Folge tourt die TK mit Medizinstudierenden quer durch Baden-Württemberg und wirbt für den Beruf des Hausarztes auf dem Land.

 

Viele Vorurteile und falsches Wissen zum Hausarztdasein stecken in den Köpfen der Nachwuchsmediziner. Die TK-HausarztTour möchte dem entgegenwirken und zeigen, dass der Hausarztberuf weit mehr ist als "Husten und Schnupfen". Wir haben bei einer Teilnehmerin der diesjährigen Tour nachgefragt.

 

Tiffany SchaumburgTiffany SchaumburgFrau Schaumburg, Sie waren vergangene Woche Teilnehmerin bei der TK-HausarztTour 2017. Gab es für Sie ein Aha-Erlebnis?

 

Mein größtes Aha-Erlebnis auf der HausarztTour war die enorme Flexibilität, die man in der Niederlassung erfahren kann. Es gibt heutzutage viele verschiedene Arbeitsmodelle, die für junge Mediziner sehr attraktiv sind.

 

Diese werden leider im Rahmen unserer Ausbildung nicht erläutert, was wiederum dafür sorgt, dass alte Vorurteile gegenüber dem Hausarztberuf beibehalten werden.

 

Hat sich Ihre Karriereplanung mit dem jetzigen Wissen verändert? Haben Sie schon konkrete Vorstellungen?

 

Die HausarztTour hat meinen Wunsch, mich eines Tages niederzulassen, in jeder Hinsicht bestärkt. Ich fühlte mich sowohl in den verschiedenen Arztpraxen als auch in Baden-Württemberg sehr wohl, und ich möchte mich auf jeden Fall in den kommenden Semestern mit dem Gedanken, Hausärztin zu werden, intensiver beschäftigen.

 

Die Karriereplanung an sich ist als Thema viel greifbarer geworden, nachdem ich bei der Tour mitgemacht habe. Jetzt weiß ich konkret, wie attraktiv Baden-Württemberg für junge Mediziner ist und wie vielfältig man sein Arbeitsleben gestalten kann.

 

Was wäre Ihrer Ansicht nach der richtige Weg, um mehr Medizinstudierende für den Hausarztberuf zu begeistern?

 

Im Studium rückt der Beruf Hausarzt leider oft in den Hintergrund. Es wird wenig darüber gesprochen und man hat sehr wenig Kontakt zum Beruf. Meiner Meinung nach ist dies der Tatsache geschuldet, dass wir an Unikliniken studieren – wir haben eher den Klinikalltag als Berufsbeispiel und lernen diese Seite viel besser kennen als die ambulante Variante.

 

Es hat sich einiges schon verbessert, damit Studenten mehr Erfahrung mit dem Hausarztberuf sammeln, wie z. B. das Blockpraktikum, die Pflichtfamulatur und die Option, ein PJ-Tertial beim Hausarzt zu absolvieren. Meiner Meinung nach sind aber Pflichtveranstaltungen nicht immer der richtige Weg - wenn Studenten sich für eine Fachrichtung interessieren, sollte man dies eher unterstützen, indem man genügend Freiraum im Studium schafft, damit sie ihre Wunschrichtung besser kennenlernen können.

 

Für die, die sich durch das Blockpraktikum oder die Famulatur eine Zukunft als Hausarzt vorstellen können, muss mehr getan werden. Viele scheuen sich vielleicht vor der Niederlassung mit dem Gedanken, "Ich bin Mediziner und kein Unternehmer!". Die Verantwortung als Arzt ist schon riesig, und dann soll man auch gleichzeitig eine Praxis zum Laufen bringen? Für viele wirkt das abschreckend.

 

Wir müssten auch während des Studiums fakultative Lehrveranstaltungen angeboten bekommen, die uns zeigen, wie man eine Praxis erfolgreich gründet und führt. Seminare und kurze Weiterbildungen sind zwar nett und gut gemeint, aber die Wenigsten gehen nach zwei Stunden Praxisführungsseminar selbstbewusst nach Hause!

 

Was war Ihr persönliches Highlight auf der HausarztTour und wem würden Sie eine Teilnahme empfehlen?

 

Mein Highlight auf der Tour war der Austausch mit gleichgesinnten Menschen, sowohl Hausärzten als auch Medizinstudenten. Es war eine tolle Sache, andere Menschen kennenzulernen, die sich auch für diesen Beruf begeistern können! So etwas unterstreicht die eigene Entscheidung und motiviert einen, weiterzumachen.

 

Ich empfehle allen, die mit dem Gedanken spielen, Hausarzt zu werden, mitzumachen. Auch wenn man eher am Anfang des Studiums steht, kann eine solche Erfahrung für den weiteren Weg Gold wert sein. Auch die, die vielleicht Angst vor einer Niederlassung haben, sollten mitmachen. Man erfährt anhand konkreter Beispiele, wie vielfältig die Niederlassung sich gestalten lässt, und dies hilft wiederum, Vorurteile zu entkräften.

 

Sie sind in den USA aufgewachsen. Wo sehen Sie im Vergleich Vor- und Nachteile der Hausarzt-Versorgung in Deutschland?

 

In den USA ist es auch so, dass der Hausarzt die erste Anlaufstelle für den Patienten darstellt. Und leider herrschen auch in den USA Vorurteile gegenüber dem Hausarztberuf. Oft heißt es dort: "Willst Du nur Hausarzt werden, oder Dich spezialisieren?" Das "nur" ist sowohl in den USA als auch in Deutschland das Problem. Da stimmt die Sprache und somit die Wertschätzung einfach nicht. Auch hierzulande wird gefragt, ob man Hausarzt oder Facharzt werden möchte, wobei Hausärzte Fachärzte für Allgemeinmedizin sind!

 

Die Hausarztversorgung in den USA ist viel stärker von den Krankenversicherungen geprägt als in Deutschland. Viele Krankenversicherungen geben vor, bei wem man als Patient in Behandlung sein darf usw. Die Flexibilität, die man als Patient in Deutschland erlebt, ist sehr großzügig im Vergleich zu den USA.

Tiffany Schaumburg

ist Medizinstudentin an der Universität Leipzig und beendet ihr Studium voraussichtlich 2020. Sie war bei der TK-HausarztTour 2017 von Stuttgart nach Freiburg unterwegs.