Fachveranstaltung "Gesundheitswesen goes digital - Chancen für Niedersachsen"

Welches Potential liegt in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung? Wie verändert eHealth die Prozesse in der Medizin und Pflege?

 

Die TK-Landesvertretung Niedersachsen ermöglichte auf ihrer Fachveranstaltung Ende März einen Einblick in bereits bestehende Projekte und Überlegungen und bot damit eine gehaltvolle Mischung aus inhaltlichem Input und anschließender Diskussion.

 

Bericht der Fachveranstaltung

 

Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung, sprach in ihrer Begrüßung von guten Gründen, sich in Niedersachsen mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen ernsthaft zu beschäftigen: z.B. Demografieentwicklung, Ärztemangel, Zunahme von Volkskrankheiten und die qualitativ hochwertige Versorgung in strukturschwachen ländlichen Regionen. Hieraus werden sich Auswirkungen auf das Rollenverständnis für die Akteure ergeben. Alle Player des Gesundheitswesens sind aufgefordert, die Digitalisierung zum Vorteil der Patienten zu nutzen.

 

Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen

 

Welche Chancen sich für das Gesundheitswesen in Niedersachsen bieten, zeigte Claudia Schröder, Abteilungsleiterin des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung auf: Es existieren große Forschungsbereiche auf dem Gebiet der Telemedizin in Hannover, Oldenburg und Göttingen. Die Landesregierung unterstütze auch diverse Projekte in denen Digitalisierung erprobt wird, mit dem Ziel, gemachte Erfahrungen auszurollen.

 

Claudia Schröder, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

 

Nino Mangiapane, Leiter des Referates Grundsatzfragen eHealth/Telematik - Bundesministerium für Gesundheit (BMG), erläuterte in seinem Vortrag die Sicht des Gesetzgebers. Digitalisierung bietet große Chancen, wie z.B. eine bessere Koordination der Versorgung. Es bestehen aber noch erhebliche Hemmnisse, darunter keine von allen Beteiligten nutzbare Kommunikationsplattform. Das BMG fördert eine Studie der MHH zu Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps. Erkenntnisse daraus sollen in nationale und europäische Debatten eingebracht werden.

 

Die TK weiß aus Befragungen, dass ihre Versicherten aufgeschlossen gegenüber digitalen Angeboten sind, und zwar altersunabhängig. Welche digitale Agenda die TK verfolgt, stellte Klaus Rupp, Fachbereichsleiter Versorgungsmanagement der TK, vor. Digitale Medizinangebote, Gesundheits-Apps und eCoaching, sowie die elektronische Gesundheitsakte, die aktuell konzipiert wird.

 

Dr. Christoph Dockweiler, Lehrbeauftragter eHealth und Telemedizin - Universität Bielefeld, sieht in der Digitalisierung die Chance für ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter. Studien zeigen, dass Telemedizin die Morbidität signifikant verbessert. Deshalb ist es wichtig, Digitalisierung noch stärker zu fördern und zu gewährleisten, dass die gesamte Bevölkerung davon profitiert und einzelne gesellschaftliche Gruppen nicht ausgeschlossen werden.

 

Heutzutage ist es nicht das Problem, digitale Daten zu bekommen, berichtete Antje Niemeyer, Watson Health Leader - IBM. Wichtiger ist es, die große Menge an Daten, die bereits existieren, richtig zusammenzuführen. So ist es zum Beispiel möglich, die aktuellen und komplexen Studienlagen verschiedener Erkrankungen fachgerecht und verständlich aufzubereiten. Diese können den Ärzten bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden, um so bei der Diagnostik zu unterstützen. Dadurch können Ärzte entlastet und die Patientensicherheit erhöht werden. Wie kognitive Assistenzsysteme dabei unterstützen, zeigte Niemeyer am Beispielprojekt Watson Health.

 

Antje Niemeyer, Watson Health Leader, IBM

 

In Estland ist die Digitalisierung bereits Bestandteil des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens - auch des Gesundheitswesens. Kristiina Omri, Wirtschafts- und Handelsdiplomatin - Botschaft von Estland in Berlin, erläuterte, dass die Nutzung von Digitalisierung gesetzlich vorgeschrieben wurde. Es existiert eine elektronische Patientenakte, die alle medizinischen Informationen eines Menschen beinhaltet. So sind beispielsweise Verschreibungen einfach auf elektronischem Weg möglich.

 

Kristiina Omri, Wirtschafts- und Handelsdiplomatin, Botschaft von Estland in Berlin

 

Dr. Thomas Bartkiewicz, ärztlicher Direktor des Klinikums Braunschweig, stellte dar, wie sich das Thema "digital" im Krankenhaus entwickelt. Die Probleme der Kommunikation und der Interoperabilität im Gesundheitswesen wären unter anderem lösbar durch konzertierte Forderungen der Einrichtungen an die Industrie zur Bereitstellung von Standards. Ein stärkeres gemeinsames Zusammenwirken aller Akteure sei notwendig, um Lösungen zu erreichen.