Bewertung der Pflegegrade

Um Pflegebedürftigkeit festzustellen, findet eine Begutachtung statt. Dabei werden einzelne Bereiche des täglichen Lebens untersucht.

 

Modul 1: Mobilität

Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen

 

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch

 

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

 

Modul 4: Selbstversorgung

Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde,

 

Modul 5: Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

  • in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel,

  • in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung,

  • in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Eirichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie

  • in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften; 

 

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds.

 

In den einzelnen Bereichen werden je nach Modul die drei Aspekte Selbstständigkeit, Fähigkeiten und Häufigkeit überprüft.

 

Selbstständigkeit

In den Bereichen Mobilität, Selbstversorgung sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialen Kontakte wird beurteilt, inwieweit eine Person wesentliche Handlungen bzw. Aktivitäten selbständig durchführen kann. So wird zum Beispiel bei der Mobilität überprüft, wie selbständig das Treppensteigen noch bewältigt werden kann.

 

Fähigkeiten

Die Beurteilung im Bereich Kognitive und kommunikative Fähigkeiten bezieht sich darauf, ob die jeweilige Fähigkeit hierfür noch vorhanden bzw. nicht vorhanden ist. Es wird zum Beispiel überprüft, ob das Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld noch möglich ist.

 

Häufigkeit

In dem Bereich Verhaltensweisen und psychische Problemlagen bezieht sich die Beurteilung auf die Häufigkeit von Ereignissen mit personellem Unterstützungsbedarf. Das bedeutet, dass zum Beispiel überprüft wird, wie häufig eine Person pflegerische Maßnahmen abwehrt. Im Bereich Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen wird auf die Häufigkeit des personellen Unterstützungsbedarfs abgestellt. Das bedeutet, dass beispielsweise überprüft wird, wie häufig ein Verbandswechsel von einer anderen Person durchgeführt werden muss.

 

Ermittlung des Pflegegrades nach Punkten
PflegegradPunktzahl
Pflegegrad 1ab 12,5 Punkten
Pflegegrad 2ab 27 Punkten
Pflegegrad 3ab 47,5 Punkten
Pflegegrad 4ab 70 Punkten
Pflegegrad 5ab 90 Punkten

 

Besonderheit bei der Ermittlung des Pflegegrades

Es gibt eine sogenannte besondere Bedarfskonstellation: Die Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine. Das bedeutet, dass ein vollständiger Verlust der Greif-, Steh- und Gehfunktionen vorliegt. Pflegebedürftige mit einer besonderen Bedarfskonstellation, die einen spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung aufweisen, werden in den Pflegegrad 5 eingestuft. Auch, wenn weniger als 90 Punkte erreicht werden.

 

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