Kaiserschnitte: Ungeplante OPs nehmen zu, geplante werden weniger - eine Frage der Vergütung?

Hamburg, 3. März 2016. Die Krankenhäuser in Deutschland rechnen ihre Kaiserschnitt-Geburten immer häufiger als Notfall-OP ab und immer seltener als geplanten Eingriff. Das zeigt eine Auswertung von Routinedaten der Techniker Krankenkasse (TK) durch das Wissenschaftliche Institut für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) der TK. Während sich ungeplante und geplante OPs bei den Kaiserschnitt-Geburten in den Jahren 2005 bis 2008 durchgängig die Waage hielten, öffnete sich 2009 die Schere - genau zu dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass Kliniken künftig für einen Notfall-Kaiserschnitt einen höheren Preis abrechnen können als für einen geplanten Kaiserschnitt. 2014 lag das Verhältnis von ungeplanten zu geplanten Kaiserschnitt-OPs bereits bei 56 zu 44 Prozent.

 

"Hier ist der wirtschaftliche Anreiz offenbar ausschlaggebend", sagt Dr. Frank Verheyen, Direktor des WINEG. Eine durchschnittliche, ungeplante Kaiserschnitt-Geburt kann aktuell mit fast 3.400 Euro abgerechnet werden, eine vergleichbare geplante OP dagegen mit knapp 2.700 Euro. Vor der Vergütungsneuregelung hatten die gesetzlichen Krankenkassen einen Kaiserschnitt einheitlich vergütet - unabhängig davon, ob die OP geplant oder ungeplant war.

 

Dr. Frank Verheyen: "Im Zuge unserer Untersuchung konnten keine weiteren Faktoren identifiziert werden, die den Anstieg bei ungeplanten Kaiserschnitten begründen." Die WINEG-Untersuchung beziffert den monetären Aspekt im einstelligen Millionenbereich: Der TK - und damit letztlich der Versichertengemeinschaft - sind durch die Verschiebung hin zu mehr ungeplanten Geburten auf dem OP-Tisch seit der Vergütungsumstellung Mehrkosten in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro entstanden. Hochgerechnet auf die gesetzliche Krankenversicherung liegen die Zusatzausgaben für den Zeitraum 2010 bis 2014 bei 31,5 Millionen Euro.

 

Insgesamt ist in Deutschland die Kaiserschnittrate seit der Jahrtausend-wende rasant gestiegen und hat sich mittlerweile auf hohem Niveau eingependelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Stand 2016) lag die Kaiserschnittrate 2014 bundesweit bei rund 31,8 Prozent. Im Jahr 2000 lag sie noch bei 21,5 Prozent. Dieser Trend zeigt sich auch bei der TK: In den Vorjahren wurden mehr als 30 Prozent aller TK-versicherten Neugeborenen per Kaiserschnitt entbunden.

 

Zum Hintergrund

Die Analyse des WINEG basiert auf Routinedaten der TK der Jahre 2005 bis 2014 mit mehr als 200.000 abgerechneten Krankenhausfällen.

 

Hinweis für die Redaktionen

Die Infografik "Eine Frage der Vergütung?", die die Entwicklung von geplanten und ungeplanten Kaiserschnitten bei TK-versicherten Neugeborenen zeigt, steht auf www.presse.tk.de zum Download bereit.

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