Koordinierte Notfallversorgung: eine Chance, um Ambulanzen zu entlasten

Hamburg, 7. September 2017. Wer gesundheitliche Beschwerden hat, möchte medizinisch behandelt werden - und zwar möglichst zeitnah. Immer mehr Menschen gehen dazu direkt in die Notaufnahmen der Kliniken. Ein Grund dafür ist, dass Fachärzte in einigen Regionen ungleich verteilt und daher für Versicherte auch ungleich zugänglich sind. In einigen Regionen oder Stadtteilen können solche langen Wartezeiten dazu führen, dass Patienten dann lieber die Notaufnahme aufsuchen - auch, wenn ihre Beschwerden nicht akut aufgetreten sind. Allerdings: In der Notaufnahme entscheidet die Dringlichkeit einer Erkrankung darüber, in welcher Reihenfolge die Patienten behandelt werden. Sofern es sich also nicht um einen echten Notfall handelt, macht sich die Ungeduld für viele Patienten nicht unbedingt bezahlt. Stundenlange Wartezeiten in der Ambulanz sind mitunter die Folge und fördern den Unmut der Betroffenen.

 

Eine koordinierte Notfallversorgung, wie die TK sie fordert, könnte ein Baustein sein, die Notaufnahmen zu entlasten. "Hierzu sollten an allen Krankenhäusern, als Teil jeder Notaufnahme in Deutschland, sogenannte Portalpraxen errichtet werden. Diese sollten dann rund um die Uhr die zentrale Anlaufstelle für alle Notfallpatienten sein. In diesen Portalpraxen beurteilt medizinisches Fachpersonal den Behandlungsbedarf und leitet den Patienten in die richtige Versorgungsstruktur weiter", sagt Jörg Manthey, bei der TK Leiter des Fachreferats stationäre Versorgung. Dafür ist es jedoch notwendig, standardisierte Einschätzungen des Behandlungsbedarfs zu entwickeln und die Qualifikation des nicht-ärztlichen Personals anzupassen. Teil dieses Konzepts sind zudem gemeinsame Rettungsleitstellen für die Rufnummern 112 und 116117. Darüber hinaus braucht es Kooperationsvereinbarungen, um die enge personelle, räumliche und infrastrukturelle Zusammenarbeit der Träger zu gewährleisten. Außerdem ist es erforderlich, die Beurteilungs- und Entscheidungskompetenz der Patienten hinsichtlich des eigenen Gesundheitszustandes zu verbessern.

 

Gesetzgeber muss handeln

Eine weitere Chance Patienten zu unterstützen, die sich ohne echten Notfall in die Ambulanz begeben, ist der Ausbau der Telemedizin. Besonders im ländlichen Raum helfen digitale Angebote dabei, die ärztliche Betreuung sicherzustellen und die dort teilweise vorherrschenden Versorgungsprobleme zu verringern. So lässt sich etwa der jeweilige Behandlungsbedarf eines Patienten unter anderem via Telemedizin einschätzen. Leichte Fälle kann der jeweilige Mediziner direkt bearbeiten, schwere hingegen an den zuständigen Arzt oder die an Notaufnahme weiterleiten. Das würde nebenbei auch dazu beitragen, dass nicht jeder Bagatellfall zur Notaufnahme kommt. Die TK schlägt unter anderem vor, kurzfristig Regeln für die Fernbehandlung zu entwickeln - zum Beispiel für eine koordinierende Steuerung der Patienten und für eine individuelle medizinische Behandlung insbesondere von Bagatellfällen. Hier ist auch der Gesetzgeber gefordert, für moderne Versorgungsstrukturen zu sorgen, wie sie auch in anderen Ländern, etwa der Schweiz oder in Schweden, schon erfolgreich funktionieren.

 

Versicherte wollen digitale Angebote

Das Gesundheitssystem auf diesem Weg zu modernisieren, kommt auch den Erwartungen der Versicherten entgegen, wie der Meinungspuls 2017 ermittelt hat: Acht von zehn Menschen in Deutschland sind der Ansicht, dass digitale Technologien und Vernetzung die medizinische Forschung besser vorantreiben werden. Eine ähnliche Mehrheit teilt die Erwartung einer steigenden Behandlungsqualität, weil sich Ärzte besser und schneller austauschen können. Zwei Drittel versprechen sich von der Digitalisierung auch effizientere Behandlungsabläufe. Dies könnte indirekt auch zu kürzeren Wartezeiten führen und damit auch zu gut versorgten und zu zufriedeneren Patienten.

 

Hinweis für die Redaktion

Mehr zum Thema gibt es im Blogbeitrag "Ein Lotsensystem für die Notfallversorgung: Portalpraxen als Teil der Klinik-Notaufnahmen" von Prof. Dr. Volker Möws, Leiter des Geschäftsbereichs Politik und Kommunikation, auf "Wir Techniker".

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK im Januar und Februar 2017 bevölkerungsrepräsentativ 2.000 Erwachsene in Deutschland zum Gesundheitssystem befragt. Der 51-seitige Studienband "TK-Meinungspuls Gesundheit 2017" (PDF, 2,4 MB, nicht barrierefrei) mit den Ergebnissen steht unter www.presse.tk.de (Webcode: 945984) zum Download bereit.

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