Umfrage: 86 Prozent würden nahen Angehörigen pflegen

Hamburg, 10. September 2018. Die Pflegebereitschaft in Deutschland ist groß: 86 Prozent sind grundsätzlich dazu bereit, nahe Angehörige mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Sechs von zehn dieser "Pflegebereiten" würden für diese Aufgabe im Beruf kürzer treten und Stunden reduzieren, zwei von zehn sogar eine längere Auszeit nehmen. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Umfrage "Meinungspuls Pflege" der Techniker Krankenkasse (TK).

 

Die Bereitschaft, demente Angehörige zu versorgen, ist etwas geringer. Mit 79 Prozent würde aber immer noch eine große Mehrheit einen Menschen mit Demenz aus dem nahen Umfeld pflegen. Der TK-Meinungspuls zeigt außerdem, wie sich die Menschen in Deutschland die eigene Pflege vorstellen: Mit 83 Prozent möchte die große Mehrheit in der eigenen Wohnung versorgt werden. Knapp die Hälfte der Befragten kann sich ebenso vorstellen, bei Angehörigen gepflegt zu werden. Und immerhin 37 Prozent würden in ein Pflegeheim gehen. Vier von fünf wünschen sich zudem, dass professionelle Kräfte die Pflege zu Hause übernehmen, drei von fünf können sich aber genauso eine Versorgung durch nahe Angehörigen vorstellen.

 

Digitale Chancen in der Pflege nutzen

"Eine gute Pflege im Alter sicherzustellen, stellt unsere Gesellschaft als Ganzes vor große Herausforderungen. Wir sehen in der Gesellschaft eine immense Bereitschaft zur Unterstützung der Pflegebedürftigen. Auch wenn in der Realität weniger Menschen pflegen, so gibt es ein weit verbreitetes Gefühl der Verantwortung. Wer tatsächlich pflegt, braucht dabei jede mögliche Unterstützung. Dazu gehört auch, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und die Pflegenden so zu entlasten", sagt Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK.

 

Die TK setzt sich deshalb auch für eine smarte Erweiterung der Sozialen Pflegeversicherung ein. So können Smart-Home-Lösungen wie Sturzsensoren dazu beitragen, dass Pflegebedürftige länger selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können und Angehörige entlasten. Diese sollten deshalb über die Pflegeversicherung unterstützt werden können. "Es ist wichtig, dass die Politik Anreize setzt, damit es hier mehr Angebote gibt und sich diese digitalen Helfer in der Pflege schneller etablieren", sagt Ballast.

 

Die Akzeptanz für diese smarte Unterstützung ist auch bei den Menschen in Deutschland groß: Neun von zehn würden im Alter digitale Technologien nutzen, zum Beispiel Sensoren, die das morgendliche Aufstehen oder Stürze registrieren. Zwar nimmt die Zustimmung mit dem Alter ab, doch auch 84 Prozent der über 60-Jährigen sind für diese Form der Hilfe offen. (Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 93 Prozent, bei den 40- bis 59-Jährigen 91 Prozent).

 

Unterstützung für pflegende Angehörige

Eine Möglichkeit der digitalen Unterstützung für informell Pflegende ist das Portal pflegen-und-leben.de. Speziell ausgebildete Psychologinnen bieten hier online eine individuelle psychologische Begleitung für Pflegende an. Das Angebot ist kostenlos und anonym. Leiterin und Diplom-Psychologin Imke Wolf hat durch die Beratung unmittelbaren Einblick in die Belastungen pflegender Angehöriger und sagt: "Pflegende brauchen darüber hinaus auch Unterstützung im richtigen Leben. Die Pflegelast ist für zwei Schultern zu schwer." Dieses Bedürfnis bestätigt die aktuelle Umfrage: Der wichtigste Anreiz dafür, selbst zu pflegen, ist demnach die Unterstützung durch die Familie (84 Prozent), dann erst folgt die finanzielle Hilfe (76 Prozent). Imke Wolf rät außerdem dazu, sich frühzeitig mit dem Thema Pflege auseinanderzusetzen: "Die Umfrage zeigt, dass Pflege für viele nach wie vor ein Tabuthema ist. Nicht einmal jeder Zweite hat das Thema bereits angesprochen. Es ist aber enorm wichtig, im Vorfeld miteinander zu reden, um zu wissen, wie die Eltern oder der Partner alt werden möchten. Solche Gespräche können Konflikten und Belastungen vorbeugen und auch Sorgen und Ängste mindern." Die Umfrage zeigt, dass 56 Prozent der Menschen in Deutschland noch nie über die eigene Pflege gesprochen haben. Die TK unterstützt pflegende Angehörige mit verschiedenen digitalen und analogen Angeboten. Dazu gehört neben Pflegekursen zu Hause auch die digitale Variante, der kostenlose TK-Pflege-Coach. Auch das Angebot von pflegen-und-leben.de können TK-Versicherte kostenlos nutzen.

 

Hinweis für die Redaktionen

Im Auftrag der TK befragte Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen in Deutschland zum Thema Pflege. In computergestützten Telefoninterviews wurden in Privathaushalten lebende Personen ab 18 Jahren befragt. Die Stichprobe ist nach Region, Geschlecht, Alter und Bildung gewichtet. Unter www.tk.de stehen weitere Ergebnisse (Webcode 987704) und Presseinfografiken (Webcode 988210) zur Verfügung.

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