Schnupfen, Husten, Heiserkeit oder: Warum der Ruhepuls ein guter Ratgeber ist

Nachrichtenmoderator Marc Bator ist begeisterter Radsportler. Der ehemalige Präsident des Hamburger Radsport-Verbands, beleuchtet in seiner wöchentlichen Kolumne am Freitag wichtige Aspekte dieses hervorragenden Gesundheitssports. Diesmal: Warum Radsport bei Erkältungen tabu sein sollte.

Es geht wieder los. Um mich herum hustet und schnieft es. Ich bleibe stark. Ich bin Sportler. Radsportler. Mein Immunsystem ist stark. Ich muss mir diese Sätze nur immer und immer wieder in meine Gedanken meißeln. Dann bleibe ich auch gesund! Bis ich für einen Moment nicht mehr daran glaube. Dann folgt dicken Nebelschwaden im Oktober schnell die erste Erkältung.

 

Erkältung im Anflug ...

Jeder ist mal dran. Stress im Job, dazu Schlafmangel sowie nicht immer die gesündeste Ernährung, und schon kratzt der Hals. Die Nase wird dicht. Kennt jeder! Ich hab früher gedacht, mit einer Erkältung im Anflug könnte ich noch mal raus und rauf aufs Rad. Und sogar ein Rennen fahren. Im Sattel lief es in solchen Situationen ganz gut, am Tag danach nur noch die Nase und auf der lag ich dann auch mehr als eine Woche. Seitdem bin ich geheilt von solcher Art Selbstmedikation.

 

Abgesehen davon. Wer eine Erkältung, Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder starken Schnupfen hat, für den ist das Radfahren, und überhaupt Sport, absolut tabu. Weiß Gott will ich hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber es häufen sich Fälle von gefährlichen Krankheiten, mehr und mehr auch unter Hobbysportlern, die oftmals durch einen verschleppten Infekt ausgelöst wurden.

 

Also, wenn Sie sich in diesen Wochen nicht hundertprozentig wohlfühlen, gönnen Sie sich Ruhe und steigen Sie erst wieder in den Sattel, wenn Ihnen Ihr Körper signalisiert: Ich bin wieder fit!

 

Die Kraft der positiven Gedanken

Mein "Radschlag": Denken Sie ans Radfahren, malen Sie sich Ihre schönsten Touren, Ihre Hausrunde, ein Tag zu zweit auf dem Rad bei herrlichem Wetter in Gedanken aus. Treiben Sie vor Ihrem inneren Auge Radsport. Die Kraft der positiven Gedanken lässt Sie im Übrigen schneller wieder fit werden …


Wie lang eine Zwangspause tatsächlich dauern sollte, weiß Ihr behandelnder Arzt. Generell gilt aber, je länger Sie flach liegen, desto später und sanfter sollten Sie wieder ins Training einsteigen. Und zwar erst dann, wenn Sie über mehrere Tage medikamentenfrei sind und keine Beschwerden mehr verspüren. Besondere Umsicht, wenn Sie an einer schweren Erkältung oder gar Grippe gelitten haben.

 

Klar haben Sportler ein Gefühl für Ihren Körper, und ich will Ihnen nicht vorschreiben, wann Sie zum Arzt gehen sollen. Ich denke, wer in seinen Körper hineinhört und etwas sensibel mit den Informationen umgeht, die unser Organismus aussendet, weiß, was wann zu tun ist.

 

Der Ruhepuls als Indikator

Für mich ist der Ruhepuls ein sehr guter Indikator, ob da "etwas" im Anflug ist oder ob ich zu hart trainiert habe. Ich kenne meinen Ruhepuls. Streng genommen, müsste ich ihn täglich nach dem Aufwachen messen und korrekt darüber Buch führen, um Abweichungen feststellen zu können.


Liegt der Ruhepuls einige Schläge unter oder über meinem üblichen Wert, bin ich schon mal vorgewarnt. Fallen dann die Kurbelumdrehungen auf dem Rad in den ersten zehn Minuten des Warmfahrens auch noch schwer, und schießt der Puls unüblich schnell in die Höhe, gibt’s für mich nur eine Richtung: zurück nach Hause. Notgedrungen. Das Risiko eines langwierigen Krankheitsverlaufs ist mir zu hoch. Und Sie kennen das sicher aus eigener Erfahrung: Manchmal kann man einen sich ausbreitenden Infekt auch noch "abbiegen", wenn man seinem Körper absolute Ruhe verschafft.

 

Wie geht's weiter nach der Zwangspause?

Wie wieder einsteigen, wenn man notgedrungen aussteigen musste? Nach einer Zwangspause fange ich auf dem Rad in der Regel langsam und vor allem locker wieder an. Bloß nicht mit falschem Ehrgeiz versuchen, sich innerhalb einer Einheit in den alten Trainingsstand zu fahren. Das wird nichts, und das ist im Herbst auch nicht nötig.


Also, am besten auf dem kleinen Kettenblatt kurbeln, mit wenig Widerstand und hoher Trittfrequenz. Nachdem mich auf solchen Fahrten - Profis sprechen hier auch von aktiver Regeneration - nicht nur der Postbote, sondern eigentlich jeder Radfahrer abhängt, bin ich zufrieden, wenn ich nach einer Stunde wieder zu Hause bin.


Wenn Ihre Stimmung nach einer solchen Einheit steigt, Sie gute Laune bekommen, dann haben Sie alles richtig gemacht! Der Organismus gewöhnt sich langsam wieder an Belastungen. Nach einiger Zeit dürfen und sollen Sie sich gerne wieder häufiger und intensiver belasten. Genießen Sie die letzten wärmeren Tage im Oktober.

 

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