Millimeterarbeit am Rahmen. Oder wie ein Rad perfekt sitzt und passt.

Nachrichtenmoderator Marc Bator ist begeisterter Radsportler. Der ehemalige Präsident des Hamburger Radsport-Verbands, beleuchtet in seiner wöchentlichen Kolumne am Freitag wichtige Aspekte dieses hervorragenden Gesundheitssports. Diesmal: wie ein Rad perfekt sitzt und passt.

Fast zwei Monate kennen wir uns schon. Was mich brennend interessiert: Wie sieht Ihr Alltag auf dem Rad jetzt aus? Bleibt es bei täglichen Fahrten zur Arbeit? Treten Sie aktiv in Ihrer Freizeit in die Pedale? Oder frönen Sie inzwischen der Leidenschaft Radsport? Fahrradfahren macht unabhängig, Radsport macht abhängig. So scherzhaft, wie sich dieser Spruch oft von Lenker zu Lenker zugeworfen wird, so sehr steckt auch ein Funke Wahrheit in dem Satz.

 

Der Renner muss passen

Wenn bei Ihnen der Funke übergesprungen, ein Feuer entfacht ist, stellt sich irgendwann die Frage nach dem passenden Rennrad. Zigtausend Euro muss niemand für vollen Fahrspaß ausgeben, aber das Wort "passend" trifft es recht genau: Ihr neuer Renner muss passen, und zwar perfekt!

 

Zuerst noch das vorweg: Wenn Sie erst damit begonnen haben sollten, sportlicher Rad zu fahren, werden Sie Muskeln spüren, die Sie bis dato vielleicht noch gar nicht kannten. Aber das ist, wie gesagt, ein normaler Muskelkater, und der vergeht mit der Zeit. Haben Sie allerdings nach zwei Monaten regelmäßigen Trainings immer noch wunde Punkte, und damit meine ich jetzt nicht nur den Po, sondern auch Verspannungen und Verhärtungen am Rücken oder der Schulter sowie eingeschlafene Hände oder Füße? Dann sollten Sie tatsächlich überprüfen, ob alles passt, gewissen Dingen auf den Grund gehen.

 

Von der Stange passt selten

Dazu gibt es inzwischen echte Fachleute, sogenannte Bikefitter. Die klären, ob Ihr Bike womöglich nicht perfekt auf Sie eingestellt ist. Denn selten passen Räder von der Stange für jeden so gut, dass er sich darauf auch noch nach Stunden wohlfühlt. Was also tun? Entweder einen professionellen Bikefitter beauftragen, Adressen und Agenturen finden Sie im Internet. Oder Sie bitten den Fahrrad-Händler Ihres Vertrauens um Hilfe.

 

Wichtig ist, aktive Radsportler sollten in dem Geschäft schon arbeiten... Und: Es muss nicht gleich ein neues Gefährt sein. Wenn Sie den handelnden Personen dort glaubhaft versichern, dass Sie Ihren Renner in der Werkstatt regelmäßig warten und reparieren lassen, wird man sich um Sie kümmern, bestimmt.

 

Tipps: Das können Sie tun

Was kann man tun, um Wehwehchen schnell zu lindern? Mit der Änderung des Vorbaus - das ist das Stück Metall, was den Lenker mit dem Rahmen zusammen bringt - in Länge und Neigung, das Vor- beziehungsweise Zurückschieben des Sattels sowie die Einstellung der idealen Sitzhöhe lässt sich schon einiges erreichen. Wer Sitzprobleme hat, sollte auch mal über einen Satteltausch nachdenken; hier bieten einige Händler Sättel zum Testen an, und manche erlauben auch den Tausch des neu erworbenen Sattels innerhalb einer bestimmten Frist. Wenn Sie schon mit klickenden Pedalen unterwegs sind, könnten Sie auch die Position der Cleats - also der Platten unter Ihren Radschuhen - verändern. Wenige Millimeter wirken hier oftmals Wunder.

 

Die beste Zeit zum Fahrradkauf

Beim Bikefitting, ich hatte es erwähnt, geht es um das perfekte Rad für Ihren Körper. Sogar die Rahmengeometrie spielt hier eine wichtige Rolle. Am Ende steht oft der Kauf eines neuen Rades. Wenn Sie dafür zurückgelegt haben sollten: Jetzt ist die beste Zeit, um einzukaufen. Neue Kollektionen kommen bald in die Läden, und weil die Händler dafür Platz brauchen, müssen die 2014er-Bikes jetzt raus. Da lässt sich so manches Schnäppchen machen.

 

Nur die passende Rahmengröße

Aber Vorsicht: Lassen Sie sich keine Rahmengröße andrehen, die nicht zu Ihnen passt, nur weil das Rad gerade ein Preis-Hammer ist. Online-Fahrradhändler werben jetzt auch wieder verstärkt. Nur, ein Rad über den Versandhandel im Internet bestellen, sollten wirklich nur erfahrene Radsportler, die genau wissen, was Sie brauchen und worauf es ankommt.

 

Es muss kein Carbonrenner sein

Und wieder und wieder: Es muss keine Profi-Maschine aus superleichtem Carbon für tausende Euro sein. Schauen Sie mal, auf was Lizenzfahrer oder Jugendrennfahrer abfahren und was die auch aus älterem Material alles rausholen. Sie werden sich wundern. Wenn Sie speziell was für den Einstieg suchen - nach dem Motto gut und günstig - bekommen Sie Räder um 1.000 Euro, dann allerdings einen Tick schwerer und mit einem Aluminiumrahmen. Damit werden Sie aber ebenso fit. Garantiert!

 

Setzen Sie sich einfach vorher ein Preislimit, fragen Sie raderfahrene Bekannte um Rat, und lassen Sie sich im Laden nichts aufschwatzen. Das noch zur Beruhigung, falls Sie Sorge haben, eine falsche Entscheidung zu treffen: Anders als beim Auto übrigens, können Sie am Rennrad vieles mit der Zeit austauschen und so die Flamme der Begeisterung weiter am Lodern halten. Und darum geht’s doch, oder? Rauf aufs Rad und Spaß haben...

 

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