Vom großen Glück, mit dem Rad durch Kurven zu fliegen

Nachrichtenmoderator Marc Bator ist begeisterter Radsportler. Der ehemalige Präsident des Hamburger Radsport-Verbands beleuchtet in seiner wöchentlichen Kolumne am Freitag wichtige Aspekte dieses hervorragenden Gesundheitssports. Diesmal: Die richtige Technik.

Es bleiben vielleicht nur noch ein paar Tage, an denen Sie frei von Sturmböen und Regenpeitschen von A nach B radeln können - von Sport und Fitness auf dem Rad ganz zu schweigen. Ich könnte Ihnen etwas von wilden, zügellosen Ausritten erzählen. Mit einem Mountainbike durchs kleine Waldgebiet um die Ecke. Oder die Geschichte von der Renaissance des Cyclocross - genau, das sind die Rennräder mit den Stollenreifen, auf denen auch Weltmeister gemacht werden. Den Weltmeister mache ich wahrscheinlich nicht mehr aus Ihnen, aber von Fahrten durchs Gelände, das geht auch mit dem Trekkingbike, mehr demnächst. Herbst und Winter werden noch lang genug. Leider.

 

Mit Köpfchen durch die Kurve

Marc BatorRadsportfan Marc Bator (Foto: Thorsten Jander)Lassen Sie uns heute über die richtige Technik auf zwei Rädern sprechen. Kurvenfahren, und zwar mit Köpfchen, damit Sie das Risiko, ins Schlittern zu geraten und womöglich zu stürzen -  so gut wie es eben geht - minimieren.

 

Vorsprung durch Technik, das gilt nicht nur fürs Autofahren, sondern auch auf dem Rad. Wer sicher, sauber, schnell durch die Kurven zirkelt, ist den anderen immer eine Radlänge voraus, verpulvert nicht so viel Kraft und erfährt den absoluten Kick im Sattel. Zudem macht Sie eine technisch sehr gute Kurventechnik auch zu einem kompletteren Radfahrer. Dies gilt vor allem für sichere Radbeherrschung auf rutschigem Untergrund.

 

Viele Einflussfaktoren

Und ganz nebenbei gesagt macht das schnelle Fahren durch die Kurve erst so richtig Spaß, wenn man weiß, was man tut. Schräglagenfahren hat ganz gewaltig etwas mit Physik zu tun. Ohne hier wissenschaftliche Abhandlungen schreiben zu wollen, sei so viel gesagt. Es ist auch abhängig vom Gummi des Reifens, der Breite des Pneu, dem Luftdruck, dem Winkel, dem Straßenbelag, der Geschwindigkeit und der Fahrtechnik. Das alles auf Anhieb beim Fahren einberechnen zu wollen, ist praktisch unmöglich. Soll und muss auch nicht sein, denn ich will Sie nicht dazu einladen, vielleicht schon morgen im Grenzbereich durch die Kurve zu driften.

 

Im Technikworkshop bis ans Limit

Wer es allerdings richtig lernen will, muss sich ans Limit herantasten. Dafür gibt es eigens Fahrtechnikworkshops - für Rennradfahrer, Mountainbiker wie für Cyclocrosser.

 

Routinierte Amateurfahrer oder ehemalige Profis vermitteln einem in solchen Kursen das nötige Rüstzeug, in Theorie wie Praxis. Aber keine Angst: Durchfallen wird dort keiner, höchstens hinfallen, dann aber kalkuliert sanft auf Gras oder in den Sand. Ich bin auch gerade eben erst für eine Story in einem bekannten Radsportmagazin in den Genuss eines solchen Fahrtechnik-Workshops gekommen. Kein Geringerer als der mehrfache Cross-Weltmeister Mike Kluge hat mir gezeigt, wie viel Spaß es macht, im Gelände an den Grenzbereich zu gehen. Zugegeben ein echter Luxus.

 

Das Ziel: Die Ideallinie

In der Vorbereitung auf mein erstes echtes Rundstreckenrennen,  da ist Kurvenfahren von immenser Bedeutung, hatte ich mich einfach an das Hinterrad ambitionierter Amateursportler geklemmt und einen Vereinstrainer gebeten, mir wieder und wieder auf einer ruhigen Straße die sogenannte Ideallinie zu zeigen. Haben Sie Mut! Niemand würde Sie auslachen, wenn Sie da am Anfang noch um die Ecke eiern, denn jeder hat mal so angefangen. Wirklich jeder! Eines müssen Sie mir aber versprechen: Testen Sie den Kurvenritt niemals auf laubbedeckter und womöglich dazu noch nasser Straße. Niemals! Höchste Sturzgefahr ist im Verzug. Da nützt auch die beste Radbeherrschung nichts.

 

Tempo gibt Stabilität

Und dann habe ich noch etwas gelernt, das gilt vor allem im Gelände: "Geschwindigkeit gibt Sicherheit" - diesen Spruch werden Sie vielleicht auch mal zu hören bekommen, und an den drei Worten hängt viel Wahres. Geschwindigkeit stabilisiert. Wer zu langsam fährt, dessen Rad kommt - vor allem ausgelöst durch Hindernisse wie Baumwurzeln oder Bodenwellen - irgendwann ins Kippeln.

 

Und peilen Sie die gewünschte Fahrlinie an. Richten Sie also Ihren Blick immer dorthin, wo Sie hinfahren wollen. Ich hatte nach den ersten Versuchen das Gefühl, dass das Rad meinen Blicken geradezu magisch folgt. Probieren Sie es aus! Eigentlich selbstverständlich, aber ich sag's nochmals zur Sicherheit. In der Kurve bitte nicht bremsen, denn damit bringen Sie das ganze System aus Mensch und Maschine zum Kippen, im wahrsten Wortsinn.

 

Das Glück liegt in der Schräglage

Genug der Tipps. Es sind viele Kleinigkeiten, die am Ende für die saubere Linie und den großen Kick sorgen. Aber Sie müssen selbst auch etwas beisteuern und zwar den Ehrgeiz, das Ganze auch im Training umzusetzen und zu üben. Da es (noch) keine Fahrsicherheitsplätze für Radfahrer gibt, suchen Sie sich verkehrsberuhigte Bereiche Ein Industriegebiet am Wochenende mit einsehbaren Straßen oder ein leerer großer Firmenparkplatz eignen sich perfekt, um sichere Haken zu schlagen. Laden Sie am besten noch ein oder zwei Fahrradfreunde ein und tasten sich langsam ran. Sie werden merken, wie viel Spaß das macht, wie sicher Sie mit der Zeit werden und warum viele Radfahrer erst in Schräglage ihr Glück finden.

 

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