Weg mit dem Luftwiderstand

Nachrichtenmoderator Marc Bator ist begeisterter Radsportler. Der ehemalige Präsident des Hamburger Radsport-Verbands, beleuchtet in seiner wöchentlichen Kolumne am Freitag wichtige Aspekte dieses hervorragenden Gesundheitssports. Diesmal: Windschattenfahren.

Haben Sie eigentlich so etwas wie ein allerliebstes Radfahrgefühl? Ist es das "alles Geben" zwischen Lenker und Sattel? Oder lieben Sie vielleicht die ultimative Leichtigkeit des Dahingleitens: also, wenn der Rückenwind Sie fast ohne eigenes Zutun nach Hause treibt?

 

Die Gruppe macht die Trainingsfahrt perfekt!

Marc BatorRadsportfan Marc Bator (Foto: Thorsten Jander)Zugegeben: schnell radeln hat schon seinen Reiz, nur meistens ist es auch reichlich anstrengend. Es gibt einen Trick, wie Sie dauerhaft pfeilschnell unterwegs sein können, ohne "zu platzen", wie das Gefühl, ausgepowert zu sein im Radsport-Jargon genannt wird. Fahren Sie in der Gruppe! Der Sog der vor Ihnen fahrenden schützt Sie. Energie Sparen ist angesagt.

 

Windschattenfahren

Warum? Wie so vieles auf dem Rad, lässt sich auch der "Wunsch nach Gruppenzwang" physikalisch erklären. Beim Radfahren gilt es, einige Widerstände zu überwinden, dazu zählt neben dem Rollwiderstand der Luftwiderstand, den Mensch und Maschine gemeinsam erzeugen. Der Luftwiderstand, fachlich korrekt ausgedrückt als cw-Wert, er ist der größte Feind des Radfahrers.

 

Bis zu vierzig Prozent Kraft sparen

Je schneller Sie fahren, desto größer wird diese imaginäre Wand, gegen die Sie anfahren und ankämpfen müssen. Wenn Sie jetzt aber gar nicht selbst gegen den Wind ankämpfen, sondern im Sog Ihrer Vorderleute fahren, können Sie bis zu vierzig Prozent Ihrer Kraft sparen!

 

Je mehr Fahrer vor Ihnen eine gedachte Mauer aufziehen, und je schneller Sie dabei unterwegs sind, desto größer ist dieser ungeheuer angenehme Effekt.

 

So können auch Neulinge mithalten

Clever, oder? Probieren Sie es mal. Windschattenfahren bietet zudem den Vorteil, dass auf diese Weise auch Radsport-Neulinge locker mit routinierten Rennfahrern mithalten können, sofern die nicht so gut Trainierten ihre Nase nicht in den Wind stecken müssen.

 

Ging mir vor einiger Zeit genauso. Ich war mit meinem Kumpel Freddy unterwegs, als mir - weil ich zu wenig gegessen hatte - der Stecker gezogen wurde. Ich war schlicht und ergreifend alle. Fix und fertig. Freddy fuhr dann vorweg. Ich dicht hinter ihm. Hinten reinsetzen, heißt das unter Gleichgesinnten. Hab ich auch gemacht! Ich konnte die Beine locker fallen lassen, musste also nicht mehr so hart treten, und es fühlte sich an, als wurde ich nach Hause chauffiert.

 

In der Gruppe verantwortungsvoll agieren

Wichtig: Wenn Sie in der Gruppe fahren, müssen Sie sehr verantwortungsvoll agieren. Der Vordermann trägt immer Verantwortung für die nachfolgenden Fahrer. Fahren Sie vorausschauend, seien Sie bremsbereit, aber bremsen Sie nie ruckartig, und machen Sie keine unnötigen Schlenker - eigentlich genauso wie beim Autofahren.

 

Handzeichen setzen

Eines unterscheidet uns Radsportler aber: Weil Rennräder weder Bremsleuchten noch Blinker haben, werden Gefahren und Richtungswechsel auf dem Rad per Handzeichen angezeigt. Diese Verständigung, sie ist grenzüberschreitend. Jeder Rennradfahrer versteht sie. Weltweit. Für beinahe jede Situation wie Schlaglöcher, parkende Autos, Bahnschienen oder rote Ampeln gibt es ein Zeichen. Alte Hasen geben Handzeichen so selbstverständlich und oft sogar unterbewusst, wie sie auch die Gänge schalten.

 

Wenn Sie wissen wollen, welches Zeichen Sie für welche Situation anzeigen sollten: Googeln Sie die wichtigsten Begriffe. Genau, "Handzeichen und Rennrad" - Sie wissen wie das geht.

 

Übrigens sollten Sie Ihren Hintermännern auch immer anzeigen, wenn Sie aus dem Sattel in den Wiegetritt gehen. Um das den Mitfahrenden zu verdeutlichen, spreizen Sie einfach die Finger vom Lenker weg oder klatschen Sie supersanft aufs eigene Hinterteil.

 

Sturzursache Nummer eins

Wichtig: beim Aufstehen aus dem Sattel das Rad auf keinen Fall ruckartig zurückschieben. Das ist Sturzursache Nummer eins! Hintermänner müssten dann ruckartig in die Eisen gehen oder fahren voll auf.

 

Wenn Sie diese wenigen Regeln einhalten, sich vielleicht noch von Mitfahrern während der ersten Kilometer einweisen lassen, können Sie ganz locker die Faszination des in der Gruppe Fahrens genießen. Sie werden schnell sein. Ohne große Anstrengung. Mit ganz viel Freude.

 

Also, rauf aufs Rad! Und bis nächste Woche.

 

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