Bayern: Tinnitus-App auf Kassenrezept

München, 13. Dezember 2016. Rund 11.000 Bayern waren vergangenes Jahr wegen Ohrbeschwerden arbeitsunfähig. Laut TK fehlten die Betroffenen deshalb knapp 180.000 Tage am Arbeitsplatz. Ein Großteil davon entfiel auf Tinnitus. Um den Erkrankten zu helfen, testet die TK mit Hamburger Fachmedizinern seit gut einem Jahr Tinnitracks - die erste vom Arzt verordnete App gegen Tinnitus. Aufgrund positiver Rückmeldungen der Patienten können ab sofort auch teilnehmende Ärzte in Bayern die App verschreiben.

 

Mit Lieblingsmusik des Patienten krankhaften Tinnitus bekämpfen

Justin Bieber, Seiler und Speer, Cro oder Beethoven: Tinnitracks bekämpft das nervige Piepen im Ohr mit der Lieblingsmusik des Patienten. Dazu bestimmt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) die genaue Frequenz des Störtons und speichert sie in der App. Tinnitracks filtert nun die individuellen Tinnitusfrequenzen des Patienten heraus. Durch diese Klangänderung wird im Hörzentrum des Gehirns die Wahrnehmung der Töne verändert, der Tinnitus wird gelindert.

 

Patienten hören ein Jahr lang 90 Minuten täglich ihre individuellen Songs. Dadurch werden die überaktiven Nervenzellen, die für den Tinnitus verantwortlich sind, beruhigt. Die Lautstärke des störenden Tinnitustons nimmt ab. Zur Betreuung gehören bei Tinnitracks regelmäßige ärztliche Kontrolltermine sowie eine Abschlussuntersuchung. Eine Online-Befragung aller Patienten sammelt Erfahrungen, um die Therapieeffekte ständig zu verbessern.

 

Jeder Hundertste leidet unter Tinnitus

Rauschen, Pfeifen oder Piepsen: Millionen Bayern kennen das, besonders in stressigen Situationen. Bei den meisten Menschen verschwindet das nervige Geräusch nach einiger Zeit von allein. Bei jedem hundertsten bleibt der Ton im Ohr und wird zur Krankheit. Die Folgen sind ständige Unkonzentriertheit, Schlafstörungen oder Depressionen. "Weitere digitale Therapieangebote könnten hier die Beeinträchtigungen lindern und den Menschen wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen", meint Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern.

 

Neben Bayern geht die App jetzt auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg an den Start.

Hinweis an die Redaktion

Die Angaben sind eine Hochrechnung des TK-Gesundheitsreports 2016. Dieser wertete in Bayern die Krankschreibungen der 613.500 bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Im Freistaat ist etwa jede neunte Erwerbsperson bei der TK versichert.

Stephan MayerReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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