Safer Internet Day: Gegen Hass aus dem Netz

München, 30. Januar 2017. Gefakte Nacktfotos, heimlich aufgenommene Videos, Hetze per WhatsApp: Jeder dritte Zwölfjährige ist bereits im Internet gemobbt worden oder hat mitbekommen wie Freunde online lächerlich gemacht wurden. "Für die Schüler ist Cybermobbing heute ein echtes Problem, das Thema beschäftigt alle", bestätigt der 16-Jährige Julian. Der Zehntklässler engagiert sich im Projekt Netzgänger 3.0, bei dem es darum geht Schüler aus den Klassen fünf und sechs für einen sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken und dem Internet zu sensibilisieren.

 

Gleich und gleich belehrt sich gern

Das Besondere bei Netzgänger 3.0: Nicht Lehrer erarbeiten mit den Schülern wie sie sich online richtig verhalten, sondern Neunt- und Zehntklässler. Der Vorteil dieses Lehrkonzepts ist, dass die Schüler die Inhalte authentischer vermitteln können und auf Augenhöhe kommunizieren. Sie nutzen die gleichen sozialen Netzwerke und Apps wie die Jüngeren und kennen selbst den Schulalltag und die Probleme mit den Mitschülern. Gemeinsam mit anderen Neunt- und Zehntklässlern ist Julian einen Tag lang von Sozialpädagogen geschult worden. Nun gibt er sein Wissen in Workshops an die 10- bis 12-Jährigen weiter. Was tun gegen Mobbing im Netz? Darf ich mein Selfie posten? Wie erkenne ich, ob ich zu viel zocke? Um diese und viele weitere Fragen rund um die digitale Welt geht es in den vier Themenbereichen von Netzgänger 3.0: Cybermobbing, Smart im Netz, Virtuelle Spielewelten und Soziale Netzwerke.

 

"Jeder weiß, wie sich Mobbing anfühlt"

Wenn es um das Thema Cybermobbing geht, sind die jüngeren Schüler besonders aufmerksam. "Da ist es dann plötzlich still, weil jeder weiß, wie sich Mobbing anfühlt", erzählt Julian von seinen Erfahrungen als Peer. "Es geht darum zu verstehen, was Cybermobbing überhaupt ist", erklärt Julian. Die Grenzen zwischen Spaß und Mobbing seien oft fließend, nicht jede Situation eindeutig. In Rollenspielen lernen die Jugendlichen, wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden. Abwechselnd nehmen sie die Perspektiven von Opfer, Täter, Beobachtern und Mitläufern ein und überlegen, wie sie sich in kritischen Situationen verhalten. Die Schüler lernen, dass Cybermobbing kein harmloser Spaß ist und den Mobbern sogar strafrechtliche Konsequenzen drohen können.

 

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen. Neue Phänomene wie Cybermobbing sind unter vielen anderen ein Risikofaktor für die psychische Gesundheit. "2015 mussten 6000 Patienten unter 15 Jahren aufgrund von psychischen Erkrankungen im Krankenhaus behandelt werden", sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse in Bayern. "Das ist ein Anstieg um mehr als 20 Prozent in den letzten zehn Jahren."

 

Netzgänger 3.0 ist ein Gemeinschaftsprojekt von Condrobs e. V. und der Techniker Krankenkasse. Das Projekt ist 2016 mit zwölf Schulen im Münchener Raum gestartet. 195 Peers wurden ausgebildet, die 1.500 Schüler in Workshops betreut haben. 2017 wird das Projekt auf weitere Teile Bayerns ausgedehnt, bereits angemeldet sind dreizehn Schulen aus München, Gauting, Ingolstadt, Traunstein, Füssen, Wolnzach und Dießen.

 

Aufmerksamkeit für Internetsicherheit

Netzgänger 3.0 nimmt am Safer Internet Day 2017 teil. Der jährliche Aktionstag unter dem Motto "Be the change: unite for a better internet" wird von der EU-Kommission in Brüssel organisiert. Mittlerweile haben sich über 100 Länder der Kampagne angeschlossen, weltweit finden Aktionen und Projekte zur Aufklärung über sichere Mediennutzung statt. Ziel ist es, Aufmerksamkeit für das Thema "Internetsicherheit" zu schaffen. Der Aktionstag richtet sich ganz besonders an Kinder und Jugendliche. Ihnen soll möglichst früh ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien nahe gebracht werden. Dieses Jahr ist das Schwerpunktthema Cybermobbing.

Peter Schieber Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Peter Schieber

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