Bayern: 90.000 unnötige Rückenoperationen - Risiko sinkt für Patienten deutlich durch Zweitmeinung

München, 18. Juli 2017. Im Jahr 2015 gab es in Bayern mehr als 109.000 Rücken-, Wirbelsäulen- und Bandscheibenoperationen. Das sind rund 50.000 mehr als 2005 und bedeutet einen Anstieg in diesem Zeitraum um 90 Prozent. Wie jedoch die aktuelle Auswertung des TK-Modellprojekts "Zweitmeinung vor Wirbelsäulen-Operationen" zeigt, musste nur jeder zehnte Patient, bei dem eine Operation an Wirbelsäule oder Rücken geplant war, tatsächlich unters Messer. Bei den anderen Betroffenen reichte eine nichtoperative Behandlung, zum Beispiel eine Physio- oder eine Schmerztherapie.

 

"Jedes Jahr sind Menschen in Bayern hochgerechnet etwa 90.000 Mal unnötig Operationsrisiken wie Nerven- und Gefäßschädigungen, Narbenproblemen oder Infektionen durch resistente Keime ausgesetzt", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. "Es sollten die Bedürfnisse der Patienten im Vordergrund stehen und nicht die wirtschaftlichen Interessen der Kliniken."

 

Jeder vierte Patient holt sich inzwischen eine Zweitmeinung ein

Positiv sieht Bredl, dass sich inzwischen jeder vierte Patient in Bayern vor dem Krankenhausaufenthalt eine Zweitmeinung einholt. Im Bereich der Chirurgie ließ sogar jeder dritte, bei der Orthopädie jeder zweite Patient vorab prüfen, ob die stationäre Behandlung wirklich notwendig ist. Dies zeigt die aktuelle TK-Patientenbefragung zum Krankenhausaufenthalt. Hierbei wurden bundesweit Angaben von rund 159.000 Patienten, 20.000 davon aus Bayern, ausgewertet, die im Jahr 2015 stationär in einer Klinik waren. TK-Leiter Bredl weist nochmals daraufhin, dass Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse kostenlos eine Zweitmeinung erhalten können.

 

Zweitmeinung innerhalb von zwei Tagen

Beim Modellprojekt "Zweitmeinung vor Wirbelsäulen-Operationen" können sich TK-Versicherte vor einem geplanten Eingriff innerhalb von zwei Tagen eine professionelle zweite Meinung bei einem Team von Spezialisten einholen. In einem von bundesweit 32 Schmerzzentren untersuchen die Experten aus Physio-, Schmerz- und Psychotherapeuten gemeinsam den Patienten erneut und empfehlen, wie sich seine Schmerzen am besten behandeln lassen.

 

Das Projekt gibt es seit sechs Jahren. Mehr als 2.500 TK-Versicherte haben das Angebot genutzt. Bei knapp 2.300 von ihnen haben die Spezialisten den operativen Eingriff als nicht notwendig eingestuft. 

Hinweis an die Redaktion

Die Operationsdaten sind von der Krankenhausstatistik Fallpauschalen (DRG-Statistik) des Statistischen Bundesamtes.

Stephan MayerReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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