Bayern: Mehr Kaiserschnitte 2016 - höheres Krankheitsrisiko für das Kind

München, 12. September 2017. Der Anteil der Kaiserschnittentbindungen ist vergangenes Jahr in Bayern auf 32,2 Prozent gestiegen. Nach Angaben der TK ist das ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte. Dabei ist die Entwicklung in einzelnen Regierungsbezirken sehr unterschiedlich. Während in der Oberpfalz die Kaiserschnittquote um vier Prozent zunahm, sank sie in Ober- und Unterfranken sowie in Schwaben jeweils um rund ein Prozent. Oberbayern hat wie im Vorjahr mit 35 Prozent die höchste Quote.

 

Regierungsbezirk

Entbundene Frauen

davon Sectio

Sectioquote

Änderung ggü. 2015

Oberbayern

46.112

16.022

34,8 %

0,5 %

Niederbayern

10.165

3.313

32,6 %

1,0 %

Oberpfalz

10.385

3.465

33,4 %

4,2 %

Oberfranken

8.725

2.656

30,4 %

-0,6 %

Mittelfranken

16.909

4.681

27,7 %

 0,4 %

Unterfranken

11.095

3.321

29,9 %

-0,9 %

Schwaben

17.520

5.478

31,3 %

1,3 %

Bayern

120.911

38.936

32,2 %

 0,4 %

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik 2017

 

Kaiserschnittkinder haben erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen

Diese Zunahme der Kaiserschnittentbindungen bewertet Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern, als problematisch. "Ich hoffe, das ist nur ein einmaliger Effekt und die Quote sinkt in den kommenden Jahren wieder." Das wäre auch von Vorteil für die Neugeborenen, denn Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, haben später ein deutlich erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen. Wie aus dem aktuellen TK-Geburtenreport hervorgeht, steigert ein Kaiserschnitt, auch Sectio genannt, beispielsweise das Risiko für Atemwegsinfektionen in den ersten zwei Lebensjahren.  

 

Nur jede zehnte Sectio zwingend notwendig -Psyche der Mutter beeinflusst Quote

 

Die TK-Studie zeigt auch, dass 90 Prozent der Kaiserschnitte eine sogenannte "relative Indikation" haben. Das heißt, sie sind aus medizinischer Sicht nicht zwingend notwendig. Zu den relativen Indikationen zählen psychisch motivierte Ursachen wie Stress und Geburtsangst. Erkrankungen der Mütter beeinflussen ebenfalls die Wahl der Entbindungsart. Bei Frauen mit psychischer Störung, wie etwa Depressionen oder Angststörungen, wurde häufiger eine Sectio durchgeführt.

 

Aber auch die Klinikorganisation, die Erfahrungen von Geburtshilfe-Teams sowie die bessere Planbarkeit einer Geburt sowohl für Ärzte als auch für die Patientinnen können einen Kaiserschnitt begünstigen. Welche Rolle diese Faktoren spielen, erklärt der bayerische TK-Chef Bredl: "In Abteilungen mit weniger als 500 Geburten im Jahr werden Schnittentbindungen zwischen 18 und 22 Uhr wesentlich häufiger durchgeführt als in größeren geburtshilflichen Einrichtungen."

 

Werdende Eltern besser über Risiken aufklären

Die Sectiorate ist in Bayern etwa doppelt so hoch wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Die TK fordert deshalb ein differenziertes Abwägen bei Schnittentbindungen. "Ein Kaiserschnitt sollte nur durchgeführt werden, wenn eine natürliche Geburt die Gesundheit oder das Leben von Mutter und Kind in Gefahr bringen würde", sagt Bredl. Je schwächer die medizinische Indikation für eine Sectio sei, desto umfassender sollten Ärzte und Geburtshelfer die werdenden Eltern aufklären. Natürlich muss dabei über die lebenslangen Folgen eines Kaiserschnitts für das Baby ausführlich informiert werden. Nur so kann die Schwangere zusammen mit ihrem Partner die für sie richtige Entscheidung treffen.

Hintergrund

Wird eine Sectio vor Geburtsbeginn (Eröffnungswehen, Abgang von Fruchtwasser ohne Wehentätigkeit) durchgeführt, wird diese als primärer Kaiserschnitt bezeichnet. Hierfür erhält eine bayerische Klinik von der Krankenkasse eine Fallpauschale von rund 2.840 Euro. Eine nach dem Wehenbeginn initiierte Sectio ist ein sekundärer Kaiserschnitt. Die Fallpauschale beträgt hier etwa 3.730 Euro. Eine normale Entbindung wird im Freistaat mit 1.896 Euro vergütet. Alle Vergütungen gelten für Entbindungen ohne Komplikationen nach der 33. SSW.

 

Hinweis an die Redaktion

Die TK hat eine Sekundärdatenanalyse mit 38.857 Datensätzen von Müttern, die im Jahr 2008 entbunden haben, und ihren Kindern durchgeführt.

Stephan MayerReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stephan Mayer

 

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