Bayern im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen Ärzte und medizinische Fachangestellte wurden geschult

München, 14. Dezember 2017. Mehr als 500 Tonnen Antibiotika werden jährlich von den niedergelassenen Ärzten in Deutschland verordnet. Das sind 10 Güterwagons randvoll mit Tabletten, berichtet die TK-Landesvertretung Bayern. In den Niederlanden, in der Schweiz und in einigen skandinavischen Ländern werden pro Kopf bis zu einem Drittel weniger Antibiotika ohne erkennbare Qualitätseinbußen verordnet. "Das muss auch für Bundesrepublik Deutschland der Richtwert sein", fordert Bayerns TK-Chef Christian Bredl.

 

Bei 90 Prozent der Atemwegsinfektionen helfen Antibiotika nicht

Die erkältungsintensivste Zeit des Jahres steht jetzt bevor. Bakterien und Viren sind häufig die Krankheitserreger. Doch laut Experten helfen bei etwa 90 Prozent der virusbedingten Atemwegsinfektionen Antibiotika nicht. Deshalb hat sich der Bayerische Hausärzteverband zum Ziel gesetzt, diese Fehlverordnungen dauerhaft zu reduzierten.

 

Gezielter Antibiotikaeinsatz und gutes Hygienemanagement vermeiden Resistenzen

Dr. med. Ernst Engelmayr, Fortbildungsbeauftragter des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) und Qualitätsmanagement-Trainer leitete die Seminare "Kalkulierte Antibiotikatherapie und Hygienemanagement in der Praxis". Rund 170 Ärzte und medizinische Fachangestellte haben in den vergangenen Wochen an den Schulungen teilgenommen, die in Kooperation mit der TK angeboten werden.

 

Neben der gezielten Verordnung von Antibiotika kann gutes Hygienemanagement in der Praxis die Bildung von Resistenzen bekämpfen. Hygiene reduziert die Keimbelastung, verhindert die Ausbreitung von Krankheitserregern und damit die Entstehung von Infektionskrankheiten, die dann mit Antibiotika behandelt werden müssen. "Basis in jedem medizinischen Betrieb sollten vorschriftsmäßige Händedesinfektion, das Einhalten einfacher Dienstregeln und selbstverständlich ein praxisinterner Hygieneplan sein", erklärt Engelmayr. Feedback-Bögen zeigen, dass Teilnehmer das Gelernte schnell und effektiv im Praxisalltag einsetzen können.

 

Ziel nur mit informierten Patienten erreichbar

Bei der einjährigen deutschen G20-Präsidentschaft, die am 30. November endete, war der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen das Schwerpunktthema. Der BHÄV und die TK sind davon überzeugt, dass sich durch die Antibiotika-Schulungen die Verordnungen verringern werden. Bayerns TK-Chef Christian Bredl: "Selbstverständlich müssen wir dabei auch die Patienten mit einbeziehen. Die Menschen informieren und aufklären - da sind nicht nur die Arztpraxen gefordert, sondern auch die Krankenkassen, Verbraucher- und Gesundheitsministerien und alle anderen Gesundheitsdienstleister".

Hintergrund

Bakterien und Viren sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, aber doch allgegenwärtig. Während ohne Bakterien ein Leben auf der Erde nicht möglich wäre, rätseln Wissenschaftler noch immer über den Nutzen von Viren. Billionen dieser beiden mikroskopisch kleinen Partikel bevölkern jeden Menschen und dennoch fühlen wir uns gesund. Doch manchmal sind Bakterien auch fiese Krankheitserreger, die seit über 100 Jahren mit Antibiotika bekämpft werden.

 

Stephan MayerReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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