Zweitmeinung erhöht Behandlungsqualität bei Hodentumoren

Frankfurt am Main, 24. Januar 2018. Jeder dritte Patient mit Hodenkrebs erhält eine andere Therapie als ursprünglich vorgesehen, wenn sein behandelnder Arzt nach der Diagnose eine Zweitmeinung bei einem ausgewiesenen Experten einholt. Das zeigen die Erfahrungen des bundesweiten Zweitmeinungsnetzwerkes Hodentumor. In dem Online-Zweitmeinungsportal bieten aktuell fast 40 Experten der Deutschen Hodentumorstudiengruppe an, die Erstdiagnose und geplante Therapieplanung beratend zu unterstützten. Aus Hessen steht in dem Onlineportal Dr. Gerson Lüdecke, Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Gießen, als Zweitmeinungsgeber zur Verfügung. Bislang haben 120 Urologen aus Hessen das Angebot für insgesamt 1.500 Zweitmeinungen genutzt.

 

Hodenkrebs zählt mit bundesweit jährlich rund 4.200 diagnostizierten Neuerkrankungen - darunter mehr als 300 Neuerkrankungen pro Jahr bei Patienten in Hessen - zu den seltenen Krebsarten, weshalb aktuellste Therapieoptionen nicht immer zeitnah und flächendeckend angeboten werden. Aus diesem Grund unterstützt die Techniker Krankenkasse (TK) das Projekt mit einem besonderen Versorgungsvertrag zu einer Zweitmeinungsberatung. "Die zweite Meinung hilft, unnötige oder belastende Behandlungen zu vermeiden und verbessert so die Versorgung für die Versicherten deutlich", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Durch den neuen Versorgungsvertrag können die behandelnden Ärzte ihren Aufwand für das Einpflegen der pseudonymisierten Patientendaten abrechnen. Auch die Arbeit des Zweitmeinungsexperten und die Nachsorgedokumentation werden von der TK honoriert.

 

Zweitmeinung als Sicherheitsmaßnahme

„Wenn die Zweitmeinungsberatung als Sicherheitsmaßnahme verstanden wird und nicht als Bevormundung, dann profitieren alle Beteiligten - am meisten der Patient - von diesem ergänzenden Arbeitsschritt in einer qualitätsgesicherten onkologischen Therapie beim Hodentumor“, sagt Dr. Gerson Lüdecke. Zurzeit ziehen Urologen bei jedem vierten neu diagnostizierten Hodentumor-Fall einen Spezialisten aus dem Zweitmeinungsportal der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Deutschen Hodentumor Studiengruppe (GTCSG) hinzu. Im Rahmen des Zweitmeinungsprojekts können sowohl Klinikärzte als auch niedergelassene Urologen ihre Befunde im Onlineportal eingeben. Innerhalb von 48 Stunden erhalten sie von einem erfahrenen Spezialisten ihrer Wahl aus dem Netzwerk eine Rückmeldung zu ihrem Therapieplan. Bei jedem dritten Patienten wird eine Änderung empfohlen. In 40 Prozent dieser Fälle konnte die Dosis der Chemotherapie reduziert werden, was die Lebensqualität der Patienten deutlich verbesserte. Einem Viertel der Patienten wurde zu einer intensiveren Behandlung geraten.

 

Die Therapie wird besser

Studien zeigen, dass die Behandlungserfahrung der Ärzte, gemessen an der Zahl der Hodentumor-Fälle, einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Therapie hat. Prof. Dr. Mark Schrader, Leiter des Zweitmeinungsprojekts und Chefarzt Urologie im Helios Klinikum Berlin-Buch: "Wenn noch mehr Ärzte die vereinte Expertise der Urologie-Spezialisten in Deutschland nutzen, werden wir die Versorgungsqualität bei Hodentumoren weiter verbessern. Das Projekt zeigt, dass alle Beteiligten von diesem Netzwerk, einer weltweit einzigartigen Kooperation, profitieren. Die Therapie wird 'besser', der Informationsaustausch zwischen den primär behandelnden Ärzten und Experten wird einfacher und Patienten können flächendeckend mit Expertenrat versorgt werden, ohne dass sie sich selbst Expertenrat suchen müssen."

 

Mit etwa 4.200 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland tritt Hodenkrebs eher selten auf und ist richtig behandelt gut heilbar. Bei den unter 50-jährigen Männern ist er jedoch die häufigste bösartige Tumorerkrankung. 

 

 

Nationales Zweitmeinungsprojekt Hodentumor

Das Onlineportal des Nationalen Zweitmeinungsprojekts Hodentumor wird vom aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH in Göttingen bereitgestellt.

 

Denise JacobyReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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