Hausärzte kooperieren mit Spezialisten

Schwerin, 11. April 2017. Der Techniker Krankenkasse (TK) in Mecklenburg-Vorpommern und weiteren Partnern ist es gelungen, Fördergelder aus dem Innovationsfonds ins Land zu holen. „Ich freue mich sehr, dass das Projekt Teledermatologie gleich in der ersten Förderwelle dabei war“, sagt Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, heute im Rahmen der Landespressekonferenz. Ziel ist es, mit Hilfe der Telemedizin die dermatologische Versorgung auf dem Land zu verbessern. Die Dermatologie bietet dafür gute Voraussetzungen. Hauterkrankungen sind fotografisch gut abbildbar und können auf digitalem Weg in angemessener Qualität versendet werden.

 

Konsil zwischen Ärzten und Fachärzten

Das Projekt etabliert ein telemedizinisches Konsil zwischen Ärzten und Fachärzten. Die teilnehmenden Ärzte nutzen dabei eine App, die Veränderungen der Haut abbildet. Anschließend leiten sie die Daten an die Hautklinik der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) oder an kooperierende niedergelassene Dermatologen weiter. Von diesen Experten erhalten sie über die App anschließend eine konsiliarische Empfehlung zur weiteren Behandlung. Sofern Patienten kurzfristig keinen Termin bei Dermatologen erhalten, müssen sie nun nicht zwangsläufig eine Klinik aufsuchen. Sie können sich an ihren bereits behandelnden Hausarzt wenden und werden mittels Telekonsil trotzdem parallel von Spezialisten beraten bzw. behandelt.

 

Das Projekt startet mit diesem Monat. Circa bis August wird die App für eine gemeinsame Nutzung optimiert. In dieser Testphase können bereits Anfragen verschickt werden, auch um eventuell noch bestehende technische Unzulänglichkeiten zu beseitigen. Ab September wird der erste Patient über diese App betreut.

 

Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit sagt: „Die Telemedizin bietet neue Lösungsansätze für eine optimale Betreuung der Menschen. Sie ist für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern von enormer Bedeutung. Das telemedizinische Projekt ist ein innovatives Vorhaben, was den Austausch zwischen Hausärzten, Fachärzten sowie Notfallambulanzen an Krankenhäusern mit Hilfe einer App erleichtert. Die Symptome können gemeinsam angesehen, beraten und entschieden werden. Der Weg der weiteren Behandlung kann besprochen werden. Dem jeweiligen Arzt wird es so ermöglicht, jederzeit die Therapie anzupassen. Der Patient erhält über das System die notwendigen Informationen zur Verfügung. Er spart sich entsprechende Anfahrtswege. Mir ist darüber hinaus wichtig, dass die App und das zugrundeliegende telemedizinische Konzept zukünftig auch für andere Fachrichtungen wie beispielsweise der Augenheilkunde genutzt werden kann. Damit wird also keine Insellösung geschaffen, sondern ein übertragbares Konzept. Im Erfolgsfall kann die neue Versorgungsform auch auf andere strukturschwache ländliche Regionen übertragen werden.“

 

Hautärztliche Versorgung nicht flächendeckend gewährleistet

Bereits heute ist eine flächendeckende, dermatologische Versorgung von Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr sichergestellt. Wartezeiten für Termine von mehreren Monaten sind mittlerweile üblich. Die rund 60 niedergelassenen Hautärzte können, gerade in der Fläche, die erforderliche dermatologische Versorgung nicht mehr im notwendigen und ausreichenden Maß anbieten. Gegenwärtig sind die Hautarztpraxen im Land vor allem in Städten wie z. B. Rostock, Greifswald oder Schwerin konzentriert. Gleichzeitig fehlen aber in ländlichen Gebieten des Landes, insbesondere im Osten und Süden, Dermatologen.

 

Telemedizin unterstützt niedergelassene Ärzte

„Im Bereich der professionellen Medizin kann die Telemedizin bestimmte Aufgaben erfüllen, um Patienten besser nachzubetreuen“, erklärt Prof. Dr. Michael Jünger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald. Jeder niedergelassene Kollege sollte die Möglichkeit haben, auf einfachem Weg eine dermatologische Frage zu stellen. Gleichzeitig wird ihm, passend zu seiner Praxissoftware, eine zügige Antwort zugesichert. „Wir wollen dabei unterstützen, dass der behandelnde Arzt eine qualitativ akzeptable Therapieentscheidung treffen kann“, bestätigt Prof. Jünger. Rund 100 Hausärzte und 20 Dermatologen werden miteinander vernetzt. Darüber hinaus tauschen sich auch zehn Notfallambulanzen mit Spezialisten der Hautklinik der Universitätsmedizin Greifswald via Telekonsile aus. Aus seiner Erfahrung weiß Jünger, dass sich die Patienten so sicherer und wohler fühlen.

 

Sichere App für die Gesundheit

Durch Smartphones und Tablets haben sich Apps im Alltag etabliert. Warum also sie nicht auch für die Gesundheit einsetzen, fragten sich die Projektteilnehmer. Eine App ist eine Anwendungssoftware und richtet sich an eine bestimmte Zielgruppe. Die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH in Neubrandenburg ist der maßgebliche Entwickler der mskin® App, die im Projekt Teledermatologie genutzt wird. Geschäftsführer Rolf-Dietrich Berndt steht für den sicheren Transport der Daten. „Wir bewegen uns im Bereich des Bundesdatenschutzgesetzes. Hier gelten sehr strenge Richtlinien. Berndt versichert: „Die Daten werden verschlüsselt übertragen und sind für Außenstehende nicht zugänglich.“ Er und sein Team arbeiten weiter an der Funktionalität der App. Sie soll nutzerfreundlich und selbsterklärend sein.

 

Der Innovationsfonds soll die Gesundheitsversorgung bundesweit verbessern. Es werden besonders innovative, sektorenübergreifende Versorgungsformen gefördert. Insgesamt wurden 91 Projekte bei der ersten Förderwelle ausgewählt, davon 29 Projekte zu neuen Versorgungsformen und 62 Projekte zur Versorgungsforschung. Der Innovationsfonds bietet die Möglichkeit, Brücken zu bauen und neue Ideen und Perspektiven über die Grenzen unterschiedlicher Bereiche hinweg zu erschließen.

 

Austenat-Wied betont, dass eine zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt stellt. Dabei vernetzen sich unterschiedliche Versorgungsbereiche. „Unser Ziel ist es, Patienten einen schnelleren Zugang ohne lange Wege und Wartezeiten zum Hautarzt zu ermöglichen“, erklärt die Kassenchefin ihr Anliegen.

 

Die Konsortialpartner sind einig darüber, dass dieses Projekt auf die sektorenübergreifende Versorgung abzielt und zugleich das Potenzial aufweist, nach vier Jahren dauerhaft in die Regelversorgung übernommen zu werden.

 

Die TK in Mecklenburg-Vorpommern übernimmt als Konsortialführer das Projektmanagement und die Administration. Die medizinische Umsetzung steuert die Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Universitätsmedizin Greifswald. Die technische Umsetzung erfolgt durch die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH aus Neubrandenburg. Die Evaluation führt das wissenschaftliche Institut für angewandte Versorgungsforschungsforschung GmbH durch.

Heike SchmedemannReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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