Zeitarbeit macht krank

Düsseldorf, 5. Mai 2017. Seit April 2017 gilt das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Es soll den Missbrauch von Zeitarbeit und Werkverträgen eindämmen. Fakt ist: Zeitarbeiter sind deutlich länger krank als festangestellte Arbeitnehmer. Nach einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) waren befristet Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen (NRW) mit 21,2 Tagen gut sechs Tage länger krankgeschrieben als ihre Kolleginnen und Kollegen in Festanstellung (14,9 Tage). Leiharbeiter fehlten besonders oft aufgrund von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (5 Tage), Psychischen- und Verhaltensstörungen (3,7 Tage) sowie Atemwegserkrankungen (2,8 Tage).

 

Unsicherheit belastet

"Zeitarbeiter empfinden die Arbeitsplatzunsicherheit, schlechtere Jobperspektiven und die Einkommenssituation als besonders belastend. Zudem sind sie wesentlich jünger und üben eher geringer qualifizierte Tätigkeiten aus, das wissen wir aus früheren Studien", sagt Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung NRW. Dass sie häufig körperlich sehr schwere, gesundheitlich belastende Tätigkeiten verrichten, könnte ebenfalls zu den hohen Krankenständen beitragen, so van Aalst weiter.

 

Kaum betriebliche Gesundheitsförderung für Zeitarbeiter

"Aufgrund der meist kurzen Beschäftigungsdauer greift die betriebliche Gesundheitsförderung kaum", sagt van Aalst. "Wir möchten auf die Situation der Zeitarbeiter aufmerksam machen und die Arbeitgeber dazu auffordern, sie in das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) einzubeziehen. Dabei sind die Zeitarbeitsfirmen genauso gefragt wie die Firmen, die Leiharbeiter beschäftigen."

 

Welche BGM-Themen in Zukunft relevant sein werden, untersucht die Trendstudie "#whatsnext - Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt", die die TK mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (IFBG) und der Haufe Gruppe durchgeführt hat.

 

Hinweis an die Redaktion

Nach dem neuen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz sollen Zeitarbeiter unter anderem höchstens 18 Monate an einen Arbeitgeber ausgeliehen werden und nach neun Monaten den gleichen Lohn wie die Festangestellten des Betriebs bekommen. Mit dem Begriff "Zeitarbeit" wird allgemein die Tätigkeit eines Arbeitnehmers im Rahmen einer befristeten Überlassung (durch ein Zeitarbeitsunternehmen bzw. einen Verleihbetrieb) an einen anderen Arbeitgeber (den Entleiher) bezeichnet. Synonym kann dabei auch, wie in den zugehörigen Gesetzestexten üblich, von "Leiharbeit" gesprochen werden.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2016 in NRW fast 240.000 Zeitarbeitnehmer beschäftigt.

Die TK wertete die Krankschreibungen der rund 1,1 Millionen TK-versicherten Erwerbspersonen für das Jahr 2016 in NRW aus.

Harald NetzReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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