Krankenstand: Zeitarbeit schlägt auf die Gesundheit

Kiel, 05. Mai 2017. Zeitarbeiter in Schleswig-Holstein haben deutlich höhere Fehlzeiten als konventionell Beschäftigte. Im Schnitt waren sie im vergangenen Jahr eine Woche länger krankgeschrieben. Die Beschäftigten über alle Branchen hinweg fehlten statistisch gesehen 16 Tage, die Zeitarbeiter dagegen 23,3 Tage. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Seit April 2017 gilt das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Es soll den Missbrauch von Zeitarbeit und Werkverträgen eindämmen. Unter anderem sollen Zeitarbeiter höchstens 18 Monate an einen Arbeitgeber ausgeliehen werden und nach neun Monaten den gleichen Lohn wie die Festangestellten des Betriebs bekommen.

 

"Zeitarbeit bietet für viele Menschen die Chance auf einen Arbeitsplatz, den sie sonst vielleicht nicht bekommen könnten. Gleichzeitig sind die Betroffenen durch die körperlich meist sehr anstrengende Arbeit großen Belastungen und viel Stress ausgesetzt", sagt  Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.

 

Psychische Belastung bei Zeitarbeitern groß

Eine frühere Umfrage der TK ergab bereits: Menschen in Zeitarbeit fühlen sich durch die schlechteren Jobaussichten, die Unsicherheit des Arbeitsplatzes und das meist niedrigere Einkommen belastet. Daneben sind sie oftmals wesentlich jünger und üben eher geringer qualifizierte Tätigkeiten aus. "Die körperliche und psychische Belastung durch harte Arbeit gepaart mit Zukunftsängste könnten eine Erklärung für die hohen Fehlzeiten bei Zeitarbeitern sein", so Brunkhorst. Sie fehlten besonders oft aufgrund von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (5 Tage) und Psychischen- und Verhaltensstörungen (4,3 Tage).  

  

Betriebliche Gesundheitsförderung greift bei Zeitarbeitern kaum

"Aufgrund der meist kurzen Beschäftigungsdauer von ein paar Monaten greift die betriebliche Gesundheitsförderung bei den Zeitarbeitern kaum", macht Brunkhorst deutlich. "Wir möchten auf die Situation der Zeitarbeiter aufmerksam machen und die Arbeitgeber dazu auffordern, sie in das betriebliche Gesundheitsmanagement einzubeziehen. Hier sind alle Seiten gefragt - die Zeitarbeitsfirmen genauso wie die Unternehmen, in denen Zeitarbeiter beschäftigt werden."

 

Hinweis an die Redaktion

Mit dem Begriff "Zeitarbeit" wird allgemein die Tätigkeit eines Arbeitnehmers im Rahmen einer befristeten Überlassung (durch ein Zeitarbeitsunternehmen bzw. einen Verleihbetrieb) an einen anderen Arbeitgeber (den Entleiher) bezeichnet.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2016 in Schleswig-Holstein knapp 23.000 Zeitarbeitnehmer beschäftigt.

Jana WaltherReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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