Neue Arzneimittel: teuer und wenig innovativ

Kiel, 28. September 2017. Hohe Preise, wenig Innovation - so lautet die Beurteilung für die meisten neu auf den Markt gekommenen Arzneimittel. Das zeigt der Innovationsreport 2017 der Techniker Krankenkasse (TK). In Schleswig-Holstein verordnen Ärzte häufiger als im Bundesdurchschnitt Medikamente, die für den Patienten keinen Zusatznutzen gegenüber bereits vorhandenen Präparaten haben.

 

Neue Wirkstoffe liefern kaum Innovation

Im Innovationsreport wurden 32 Wirkstoffe untersucht, die 2014 auf den Markt gekommen sind. Dabei wurden folgende Fragen gestellt: Verbessert das neue Medikament eine bestehende Therapie? Hat es einen Zusatznutzen für die Patienten? Und: Bleiben die Kosten im Rahmen? Bewertet wurden die Wirkstoffe nach dem Ampelsystem: von "Grün" bis "Rot". Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus: Die Mehrzahl der Medikamente stellt keine echten Innovationen dar. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr keine grüne Ampel vergeben. 17 Präparate erhielten eine gelbe Ampel, 15 sogar eine rote.

 

Arzneimittelpreise steigen weiter an

Dem insgesamt geringen Zusatznutzen stehen enorme Preissteigerungen gegenüber. Der durchschnittliche Preis pro Packung eines neuen Medikaments stieg innerhalb eines Jahres um 73 Prozent - von 1.400 auf knapp 2.500 Euro. "Für uns steht an erster Stelle, dass mit neuen Präparaten auch wirkliche Fortschritte in der Therapie erzielt werden", sagt Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein. "Hohe Preise für Arzneimittel ohne Innovation und therapeutischen Nutzen sind nicht gerechtfertigt und gehen zu Lasten aller Beitragszahler." Die Folge: Die Ausgaben im Bereich der Arzneimittel steigen weiter. So gab die TK vor zwei Jahren 440 Euro für jeden ihrer Versicherten im Norden aus, im vergangenen Jahr waren es bereits 457 Euro.

 

Hohe Verordnungsprävalenz neuer Medikamente ohne Zusatznutzen

Der Innovationsreport zeigt außerdem, wie oft in Schleswig-Holstein neue Arzneimittel ohne Zusatznutzen verordnet werden. Demnach bekamen 2,7 von 1.000 TK-Versicherten in Schleswig-Holstein im Jahr 2015 Präparate mit einer roten Ampel verschrieben. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 2,2. Nur Nordrhein-Westfalen und Hamburg weisen noch höhere Zahlen auf. "Es ist erstaunlich, wie schnell neue Medikamente Einzug in die Behandlungsleitlinien der medizinischen Fachgesellschaften finden, trotz geringem therapeutischem Fortschritt und negativer Bewertungen", so Brunkhorst.

 

TK fordert Politik zu Maßnahmen auf

Nach Ansicht der TK deckt der Innovationsreport die Schwachpunkte des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) aus dem Jahr 2011 auf. Die Kasse fordert daher die Politik gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode auf,  Maßnahmen zu ergreifen, um die Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelforschung zu verbessern. "Für eine Qualitätssicherung muss auf die AMNOG-Frühbewertung auch eine Spätbewertung folgen, etwa drei bis fünf Jahre nach der frühen Nutzenbewertung. Dringend erforderlich ist eine systematische Versorgungsforschung nach der Zulassung eines neuen Arzneimittels. Für eine bessere Wirtschaftlichkeit muss der Herstellerabschlag von sieben auf zehn Prozent erhöht werden", fordert TK-Landeschef Brunkhorst.

 

Volker ClasenReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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