Notaufnahme im Norden: Viele Notfälle sind gar keine - TK fordert Reform

Kiel, 12. Februar 2018. Wenn Menschen in Norddeutschland medizinische Hilfe benötigen, ist außerhalb der Praxisöffnungszeiten die Notaufnahme oft die erste Wahl. Das ergab der Meinungspuls, eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach hat mehr als jeder Dritte innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens einmal eigenständig die Notaufnahme eines Krankenhauses aufgesucht. In den letzten zehn Jahren waren es sogar 54 Prozent der Befragten im Norden. Aber: Nur sechs von zehn Patienten wurden von den Ärzten auch tatsächlich als Notfall eingestuft - bei vier von zehn gaben die Mediziner Entwarnung.

 

Fehlsteuerung der Patienten führt zur Überlastung der Notfallambulanzen

"Patienten schätzen ihre gesundheitlichen Beschwerden selten medizinisch richtig ein. Diese Unsicherheit geht einher mit Ängsten, aus denen heraus vorsichtshalber die Notaufnahme aufgesucht oder der Notarzt gerufen wird", so Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK-Landesvertretung in Schleswig-Holstein. "Viele Patienten wissen gar nicht, dass es eine gute ambulante Notfallversorgung außerhalb der Praxisöffnungszeiten unter der Rufnummer 116117 gibt." Das bestätigen die Umfrageergebnisse: Jeder zweite Norddeutsche hat noch nicht einmal von dem ärztlichen Fahr- oder Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten einheitlichen Rufnummer 116117 gehört.

 

Diese Fehlsteuerung führt zu einer Überlastung der Notfallambulanzen in den Kliniken und blockiert im schlimmsten Fall die Behandlung von Patienten, die tatsächlich notfallmedizinisch versorgt werden müssen. "Die Ursachen liegen in einer für viele Patienten unüberschaubaren Trennung der verschiedenen Akteure in der Notfallversorgung - von Kliniknotaufnahmen über hausärztliche Bereitschaftsdienste bis hin zum Rettungsdienst. Wir brauchen eine koordinierte Notfallversorgung, die die Patienten verstehen und die zu einer spürbaren Entlastung der Notfallambulanzen führt", fordert der TK-Landeschef.

 

Notfallversorgung braucht dringend eine Reform

Die TK setzt sich für eine Reform ein, um dem steigenden Andrang "unechter" Notfälle in der Klinikambulanz zu begegnen. TK-Landeschef Brunkhorst fordert die Einrichtung sogenannter Portalpraxen - als Teil der Notaufnahmen in den Kliniken: "Sie sollen rund um die Uhr zentrale Anlaufstelle für den Patienten sein, den Behandlungsbedarf beurteilen und klären, wer ambulant gut aufgehoben ist und wer tatsächlich in der Klinik behandelt werden muss." Die Portalpraxis soll zudem als Brücke zwischen der ambulanten und stationären Versorgung dienen. Durch Kooperationsvereinbarungen wäre so eine enge personelle, räumliche und infrastrukturelle Zusammenarbeit der Träger gewährleistet. Brunkhorst begrüßt, dass im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD die Reform der Notfallversorgung auf der Agenda für die laufende Legislaturperiode steht.

 

Neun von zehn Norddeutschen befürworten sogenannte Portalpraxen

Auch neun von zehn Norddeutschen halten es für sinnvoll, spezielle Arztpraxen in Krankenhäusern einzurichten, die die Dringlichkeit der Behandlung klären und danach die passende medizinische Hilfe für den Patienten finden.

Hinweis an die Redaktion

Im Auftrag der TK befragte Forsa im Januar 2018 bevölkerungsrepräsentativ 1.002 Menschen ab 18 Jahren. Die norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden in der Studie zusammengefasst.

Volker ClasenReferent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Volker Clasen

 

Telefon Telefonnummer:04 31 - 98 15 8-516

Telefonnummer:Mobil Telefonnummer:01 60 - 176 43 99

Fax Telefonnummer:04 31 - 98 15 8-555

volker.clasen@tk.de

 

Twitter https://twitter.com/tkinsh