ADHS: Ärzte in Thüringen verordnen Medikamente besonders zurückhaltend

Erfurt, 28.12.2017. Etwa jeder vierte junge Erwachsene in Thüringen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) bekommt den umstrittenen Wirkstoff Methylphenidat verordnet, der unter anderem im Arzneimittel Ritalin verwendet wird.

 

Der Freistaat liegt mit einem Verordnungsanteil von 26,9 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 34,6 Prozent. Nur in Mecklenburg-Vorpommern wird der Wirkstoff noch seltener verordnet. Das ergab eine Auswertung von Routinedaten der Techniker Krankenkasse (TK) von erwachsenen TK-Versicherten zwischen 18 und 30 Jahren.

 

"Arzneimitteltherapien sind nur eine Option, um ADHS zu behandeln, und sollten sorgsam erfolgen. Sie sollten immer kombiniert werden, zum Beispiel mit einer begleitenden Psycho- und Verhaltenstherapie", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

 

Große regionale Unterschiede bei Verordnungen

Bei den Verordnungen zeigen sich große regionale Unterschiede. So haben 2016 in Bremen 42,3 Prozent der TK-versicherten ADHS-Patienten zwischen 18 und 30 Methylphenidat erhalten. In Mecklenburg-Vorpommern waren es 24,7 Prozent.

 

"In allen Bundesländern wurden weniger als 50 Prozent der Betroffenen mit Arzneimitteln behandelt. Das ist in jedem Fall ein positives Zeichen. Für Thüringen sehen wir, dass besonders häufig auf schonendere Therapieformen zurückgegriffen wird", sagt Dressel.

 

ADHS bei Kindern am häufigsten

ADHS ist eine Erkrankung, die vorwiegend im Kindes- und Jugendalter auftritt. Jungen sind dabei wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Sie bekommen daher in jüngeren Jahren auch häufiger Medikamente dagegen verordnet.

 

"Im Kindesalter kann sich eine Konzentrationsschwäche bei Mädchen ganz anders äußern als bei Jungen. Jungen sind dabei häufig hyperaktiv und springen herum, während Mädchen eher in eine Traumwelt versinken können, dabei aber weniger auffällig sind", sagt Dressel. Mit zunehmendem Alter werden diese Unterschiede jedoch immer geringer.

Hinweis an die Redaktion

Für die Analyse wurden Routinedaten aus dem Jahr 2016 von TK-Versicherten im Alter von 18 bis 30 mit einer gesicherten ADHS-Diagnose ausgewertet, die mindestens einmal das Medikament Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat) verschrieben bekommen haben.

Christiane Haun-AnderleReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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