Medikamententherapie bei Demenz: in Thüringen ausbaufähig, besser als bundesweit

Erfurt, 30. Oktober 2018. Ein Großteil der Menschen mit Demenz in Deutschland wird fehl- oder unterversorgt. In Thüringen ist das ebenso der Fall, allerdings weniger deutlich als in anderen Teilen der Republik.

 

Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren im Sonderkapitel "Alzheimer-Demenz" des aktuellen Innovationsreports mit Blick auf die verordneten Arzneimittel. Den Report zum Nutzen neuer Arzneimittel veröffentlicht die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit der Universität Bremen.

 

"Die Zahlen zeigen, dass auch in Thüringen die Versorgung von Menschen mit Alzheimer-Demenz verbessert werden muss. Das bedeutet, das Fortschreiten der Erkrankung auch durch Medikamente möglichst zu verlangsamen. Beruhigungsmittel sind bei Demenzpatienten nicht für die Dauerversorgung geeignet, sondern allenfalls für eine kurzfristige Intervention", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

 

"Gleichzeitig ist es erfreulich zu sehen, dass Medikamente bei Demenz im Freistaat verhältnismäßig patientenorientiert verordnet werden. Der Verdacht, dass demente Menschen vor allem ruhig gestellt werden sollen, statt richtig behandelt, drängt sich nicht so stark auf wie anderenorts."

 

Ruhig stellen vs. optimal versorgen

TK-Infografik: Jeder vierte Demenzerkrankte erhält ein Antidementivum Die derzeit verfügbaren Medikamente gegen Alzheimer-Demenz können die Erkrankung weder aufhalten noch heilen, verlangsamen aber ihr Fortschreiten. Im Jahr 2017 bekamen 30 Prozent der TK-versicherten Demenz-Patienten im Freistaat ein Antidementivum. Nur in Sachsen wurden diese Arzneien häufiger ausgegeben. Bundesweit erhielt sie nur jeder vierte TK-Versicherte mit Demenz.

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Ebenfalls knapp ein Drittel der Thüringer Demenzpatienten wurde mit Beruhigungsmitteln wie Neuroleptika und Benzodiazepinen behandelt. In keinem anderen Bundesland sind es weniger, im gesamtdeutschen Durchschnitt 38 Prozent.

 

Neuere Arzneimittel ohne Zusatznutzen: in Thüringen besonders häufig verordnet

TK-Infografik: Neue Arzneimittel: schlecht bewertet, dennoch verordnet Der Hauptteil des TK-Innovationsreports 2018 analysiert 32 neue Wirkstoffe aus dem Jahr 2015. Abschließend wurden die Arzneimittel mit einer roten, gelben oder grünen Ampel bewertet. Maßgeblich waren die Fragen, ob eine bestehende Therapie verbessert wird, ob es einen Zusatznutzen für die Patienten gibt und ob die Kosten dem Grad der Innovation angemessen sind.

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Zum ersten Mal wurden mit Hilfe des etablierten Bewertungsschemas sieben grüne Ampeln vergeben. Zudem bewerteten die Wissenschaftler der Universität Bremen für 15 Arzneimittel mit Gelb und zehn mit Rote. Das Fazit: Keine zufriedenstellenden Zahlen, aber ein Schritt in die richtige Richtung nach null grünen Ampeln im Jahr zuvor.

 

Neuere Arzneimittel des Jahres 2015 ohne Zusatznutzen - also mit roter Ampel - wurden in Thüringen 2016 besonders häufig verordnet, nämlich 3,2-mal je 1.000 Versicherte. Zum Vergleich: In Hessen war es mit zweimal besonders selten, im Bundesdurchschnitt 2,7-mal.

Christiane Haun-AnderleReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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