Hausärztliche Versorgung

Rheinland-Pfalz: Hausärztliche Versorgung in der Fläche fördern

Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in Rheinland-Pfalz gehört zu den Herausforderungen der Zukunft. Das gilt vor allem für die ländlichen Regionen im Land. Gemäß Daten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) liegt zwar aktuell rein rechnerisch in keinem Bereich in Rheinland-Pfalz eine Unterversorgung vor, allerdings geht die KV davon aus, dass bis zum Jahr 2021 etwa 30 bis 50 Prozent der hausärztlichen Praxen neu besetzt werden müssen. Position der TK-Landesvertretung ist es, dass alle relevanten Akteure ein ganzes Bündel von Maßnahmen initiieren müssen, die ineinander greifen und deren Ziel es ist, die hausärztliche Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.

 

Die Erwartungen des ärztlichen Nachwuchses haben sich verändert

Vor den Erfolg ist die Analyse gesetzt. Damit Maßnahmen greifen, gilt es zu berücksichtigen, dass sich die Erwartungen des ärztlichen Nachwuchses verändert haben. Laut des aktuellen Berufsmonitorings der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter Medizinstudenten legen mehr als 87 Prozent Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hinzu kommt, dass nahezu 70 Prozent der Studierenden, die sich später für das Fach Allgemeinmedizin entscheiden, Frauen sind. Gerade ihnen ist der zuvor genannte Aspekt wichtig.

 

Da heute meist der Lebenspartner auch berufstätig ist, werden Mobilität und Flexibilität gegenüber einer örtlichen Verwurzelung favorisiert. Daraus lässt sich bereits größtenteils ableiten, warum die bisher häufige Niederlassungsform der so genannten Einzelpraxis auf dem Land an Attraktivität verloren hat. Die Belastungen, die unter Umständen mit einer eigenen Hausarztpraxis verbunden sind, werden zunehmend gescheut. Um die hausärztliche Versorgung auf dem Land sicherzustellen, ist auch der verstärkte Aufkauf von Arztpraxen durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) wünschenswert, um auf diese Weise zusätzlich die Niederlassung auf dem Land zu befördern. Gleichzeitig ist es notwendig, maßgebliche Rahmenbedingungen attraktiver zu gestalten. Mit der Verabschiedung des Versorgungsstärkungsgesetzes hat der Gesetzgeber bereits einige wichtige Weichen gestellt.

 

Für Ärzte muss ein attraktives Umfeld geschaffen werden

Die ärztliche Niederlassung in der Fläche wird auch durch finanzielle Zuweisungen aus dem Strukturfonds gefördert. Mit der Einrichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin hat Rheinland-Pfalz zudem bereits eine weitere wichtige Maßnahme unternommen, um die Attraktivität des Berufsbildes 'Allgemeinmediziner' zu befördern. Die Kassenärztliche Vereinigung vergibt bereits seit einigen Jahren Stipendien an Medizinstudenten, die sich entscheiden, eine halbjährige Famulatur in einer hausärztlichen Praxis in Rheinland-Pfalz zu absolvieren. Mentoren-Programme können ebenfalls ein sinnvoller Ansatz sein, um Medizinstudenten für die Fachrichtung des Allgemeinmediziners zu begeistern. Auch sollen überörtliche Praxisgemeinschaften mit interdisziplinärer, wechselnder Besetzung gefördert werden. Auch die Etablierung so genannter Patientenbusse, die mobilitätseingeschränkte Patienten zu festen Fahrtzeiten von entlegeneren Orten zur Arztpraxis bringen, ist eine Möglichkeit, um die Versorgung weiterhin sicherzustellen. Dem drohenden Ärztemangel in ländlichen Regionen kann außerdem mit einer Neudefinition ärztlicher Leistungen begegnet werden. Die Übernahme sogenannter arztentlastender Leistungen, wie sie bereits von Partnern des Bundesmanteltarifvertrags festgelegt wurden, würde ermöglichen, dass Ärzte sich auf ihre Kerntätigkeit fokussieren könnten.

 

Die Kommunen hingegen stehen vor der Herausforderung, in ländlichen Regionen ein ausreichend attraktives Umfeld für Ärzte zu schaffen, um deren Niederlassungsbereitschaft zu fördern. Hierzu zählen insbesondere Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Da auch die Digitalisierung Potential bietet, um die Versorgung auf dem Land zu erleichtern, ist es zudem wichtig, den Ausbau der digitalen Infrastruktur voranzutreiben. Hier sind vor allem Videosprechstunden und eine Lockerung des Fernbehandlungsverbotes zu nennen.