Gutachten bestätigt: Einflussnahme der Krankenkassen auf Ärzte geht weiter

Eine von der Techniker Krankenkasse (TK) beauftragte Studie unter 1.000 Praxismedizinern kommt zu dem Ergebnis, dass Krankenkassen weiterhin auf die Diagnosen der Patienten Einfluss nehmen.

Seit Einführung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) erhielten 82 Prozent der Praxis-Ärzte Hinweise von Kassen, wie sie Patienten „kodieren“ sollen.

 

Der Gesetzgeber hat auf die Manipulationsvorwürfe zum morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich reagiert und die Beeinflussung von Diagnosedaten seitens der Krankenkassen seit April dieses Jahres ausdrücklich verboten. Sie läuft aber weiter, wie die Umfrage zeigt. Allein 18,2 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass Kassen sie nach Inkrafttreten des Gesetzes beeinflusst hätten. Hochgerechnet entspricht das einer Zahl von 11.000 niedergelassenen Ärzten. Die häufigste Einflussnahme der Krankenkassen auf Ärzte erfolgte zudem bei jenen Krankheiten, die Beeinflussungsmöglichkeiten durch Interpretationsspielräume bei der Diagnosedokumentation bieten und Zuweisungen für die Krankenkassen auslösen.

 

Einfluss auf das Kodieren von Erkrankungen nimmt zu

 

Die ambulanten Diagnosen bilden die Basis des Morbi-RSA. Durch diesen erhalten die Krankenkassen ihre Zuweisungen für ihre Versicherten. Er wurde als Instrument eingeführt, um einen fairen Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung zu gewährleisten und soll verhindern, dass Kassen mit besonders vielen Kranken oder besonders kranken Versicherten benachteiligt werden. Das aktuelle Ausgleichssystem führt jedoch dazu, dass seltene und sehr teure Erkrankungen nicht oder nur ungenügend finanziell ausgeglichen werden. Stattdessen werden häufige Erkrankungen stärker berücksichtigt, die sich leicht durch Krankenkassen beeinflussen lassen. Daher ist es für Kassen lukrativer, Einfluss auf das Kodieren von Erkrankungen zu nehmen, anstatt sich auf die Gesunderhaltung der Menschen zu konzentrieren.

 

Gutachten zum Kodierwettbewerb (PDF, 682 KB)

 

Das kürzlich vom Wissenschaftlichen Beirat des BVA veröffentliche Sondergutachten empfiehlt ein Vollmodell, welches alle Krankheiten berücksichtigt und damit die Kodierbeeinflussung der Krankenkassen noch einmal erweitern würde. Wer gleiche Wettbewerbsbedingungen in der GKV schaffen will, der muss die Anreize in der bestehenden RSA-Systematik beseitigen, die es derzeit für Krankenkassen lukrativ machen, Einfluss auf die Diagnosen zu nehmen.

 

 

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