Morbi-RSA: Fairer Wettbewerb durch veränderte Krankheitsauswahl

Die TK schlägt eine Änderung der Risikostrukturausgleichsverordnung (RSAV) vor. Bei der Krankheitsauswahl soll zukünftig zur Abbildung der Kostenintensität die Prävalenzgewichtung mit der Logarithmusfunktion erfolgen.

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) wurde als Instrument eingeführt, um einen fairen Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung zu gewährleisten. Die Idee war, dass Krankenkassen aufgrund ihrer Versichertenstruktur keine finanziellen Nachteile erleiden sollten. Dieses komplexe Ausgleichssystem war von Beginn an von kontroversen Diskussionen begleitet. Entgegen der Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats, die Prävalenz logarithmisch zu gewichten, erfolgt die Verteilung bislang nach der Wurzelfunktion. Die Konsequenz ist, dass viele häufige Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck beim Finanzausgleich stärker berücksichtigt werden. Schon hier liegt der Fehlanreiz: Derzeit ist es für Kassen lukrativer, Einfluss auf das Kodieren von Erkrankungen zu nehmen, anstatt sich auf die Gesunderhaltung der Menschen zu konzentrieren. Seltene und im Einzelfall sehr teure Erkrankungen werden jedoch nicht oder nur ungenügend finanziell ausgeglichen. Deshalb setzt sich die TK dafür ein, den Morbi-RSA zu reformieren und die Prävalenzgewichtung nach der Logarithmusfunktion vorzunehmen, um die Auswahl der bislang 80 relevanten Krankheiten zu verändern.

 

Änderungsvorschlag

Vor diesem Hintergrund schlägt die TK eine Änderung in Risikostrukturausgleichsverordnung (RSAV) vor. So sollte in der RSAV im § 31 in Absatz 1 nach Satz 4 folgender neuer Satz eingefügt werden: "Bei der Krankheitsauswahl nach Satz 3 erfolgt zur Abbildung der Kostenintensität die Prävalenzgewichtung mit der Logarithmusfunktion."

Durch eine entsprechende Korrektur werden Kodieranreize im Morbi-RSA spürbar abgeschwächt und damit die Chancengleichheit im Wettbewerb der GKV verbessert sowie bestehende Wettbewerbsverzerrungen reduziert. Mit der Änderung werden künftig bei der Krankheitsauswahl seltene und teure Erkrankungen stärker berücksichtigt. Gleichzeitig nimmt der Stellenwert leichter, prävalenzstarker Erkrankungen ab. Des Weiteren erfolgt auch weiterhin der Ausgleich aller Leistungsausgaben aller Erkrankungen durch die Zuweisungen aus den Alters- und Geschlechtsgruppen.

 

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich wird dadurch deutlich robuster gegen eine mögliche Einflussnahme auf die Dokumentation von Diagnosen im ambulanten Bereich. Maßnahmen der Krankenkassen mit dem Ziel, Zuweisungen zu beeinflussen, laufen bei schweren Diagnosen überwiegend ins Leere, da die diagnostischen Spielräume kleiner sind und zusätzlich in der Regel eine Validierung durch eine entsprechende Arzneimittelverordnung erforderlich ist. Maßnahmen, die bereits in der Vergangenheit zu zusätzlicher Kodierung bei diesen Erkrankungen geführt haben, verlieren ihre Wirksamkeit, da für diese Diagnosen künftig keine zusätzlichen Zuweisungen mehr ausgelöst werden.

 

 

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