"Wir haben den Menschen und die möglichen Ursachen des Schwindels ganz im Blick."

Im Interview: Professor Dr. med. Bernhard Schick, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

 

TK spezial Saarland: Herr Prof. Schick, welche Patienten profitieren von den Möglichkeiten des Schwindelzentrums?

 

Prof. Schick: Durch das Gleichgewichtsorgan des Innenohres, die Augen und die Rezeptoren der Gelenke und Muskeln werden dem Gehirn wichtige Gleichgewichtsinformationen zugeleitet, die vom Gehirn verarbeitet werden. Schwindel kann auftreten, wenn in diesen ganz verschiedenen Bereichen durch eine Erkrankung Veränderungen eintreten.

 

Wir können nicht nur die Erkrankungen im Bereich des Gleichgewichtsorgans erkennen und behandeln, sondern in unseren Untersuchungen auch Hinweise auf Erkrankungen in anderen Bereichen des menschlichen Körpers erkennen. Wir haben quasi den Menschen und die möglichen Ursachen des Schwindels ganz im Blick, ohne unsere Untersuchung auf Teilaspekte zu beschränken. Durch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Spezialisten am Universitätsklinikum des Saarlandes gelingt es uns dadurch, die Ursache des Schwindels zu erkennen und eine zielgerichtete Behandlung zu beginnen. Sowohl der akut Erkrankte als auch der seit längerer Zeit an Schwindel leidende Patient profitieren von unserem Angebot.

 

TK spezial Saarland: Was zeichnet aus Ihrer Sicht die Behandlung in der Homburger Schwindelambulanz aus?

 

Prof. Schick: Wir hören den Menschen intensiv zu in der Beschreibung ihres Schwindels und setzen dann sehr gezielt in einem Stufenkonzept eine Gleichgewichtsdiagnostik ein, die uns in aller Regel die Ursache des Schwindels erkennen lässt. Durch unsere sehr guten Behandlungsmöglichkeiten können wir nach der Erkennung der Ursache dem einzelnen Menschen hervorragend helfen. Mit unserem besonderen Behandlungsstuhl können wir Menschen mit einer Lösung von Steinchen im Gleichgewichtsorgan sehr gut therapieren und erreichen nicht selten direkt die Heilung (Hinweis der Redaktion: Die korrekte Position der Ohrsteinchen ist für die Übertragung der Kopfbewegungen wichtig).

 

Wir empfehlen den betreuenden Ärzten beispielsweise bei einer indizierten Medikamententherapie, die aus unserer Sicht geeignete Therapie und führen in schwierig zu behandelnden Situationen ein spezifisches Gleichgewichtstraining aus. Es ist die Kombination aus Erkennung der Ursache der Gleichgewichtsbeschwerden in einem Blick auf den ganzen Menschen und die breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten, die uns es ermöglichen, vielen Menschen mit Schwindelbeschwerden zu helfen.  

Prof. Dr. Bernhard SchickProf. Dr. Bernhard Schick
 

TK spezial Saarland: Wer entscheidet, ob eine Behandlung im Schwindelzentrum angezeigt ist, zumal Schwindel ja zum Beispiel auch Symptom eines Schlaganfalls sein kann?

 

Prof. Schick: Die Symptome des betroffenen Menschen und die mit einer speziellen Brille zu beobachtenden Augenbewegungen gestatten es dem Arzt, die wichtige Unterscheidung zwischen einem Schlaganfall und einem beklagten Schwindel ohne das Vorliegen einer Durchblutungsstörung des Gehirns zu treffen. Hier leisten die Hausärzte und Ärzte im Notfalldienst eine sehr wichtige Arbeit.

 

Sollte sich in unserer Ambulanz ein Patient vorstellen, der beispielsweise bei Veränderungen der Sprache und/oder Lähmungen Symptome eines Schlaganfalls zeigt, wird die Behandlung sofort im Team durch die neurologischen Ärzte übernommen. Im Einzelfall sehen wir Patienten mit einer sehr kleinen Durchblutungsstörung des Gehirns, die nur zu dem Symptom Schwindel führt. Diese Patienten haben in der Regel eine besondere Augenbewegung, die uns veranlasst eine neurologische Untersuchung und Behandlung unmittelbar einzuleiten. Wir profitieren hier in besonderer Weise von den besonderen Expertisen des Universitätsklinikums mit der engen Zusammenarbeit der einzelnen Fachdisziplinen.

 

TK spezial Saarland: Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen und die Erfolgsaussichten mit den von Ihnen angebotenen Behandlungsformen?

 

Prof. Schick: Wir sind sehr glücklich, dass wir einer großen Zahl von Patienten haben helfen können. In der Behandlung von Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans können wir die Lösung von Steinen sehr gut behandeln und sind auch bei komplizierten Situationen mit unserem speziellen Schwindelstuhl in der Lage, die Therapie erfolgreich zu gestalten. Bei einem anfallsartigen auftretenden Schwindel haben wir ein Stufenkonzept, mit dem wir den Patienten sehr gut helfen können.

 

Sollte ein Gleichgewichtsorgan nicht mehr arbeiten, haben wir exzellente Möglichkeiten den Menschen sprichwörtlich ins Gleichgewicht zu bringen. Hier steht uns ein in der Weltraumforschung entwickelte Rehabilitationsmöglichkeit zur Verfügung, die uns gestattet sehr spezifisch das bestehende Defizit zu behandeln. Den Schlüssel für unsere großen Erfolge sehe ich in der Erkennung der Ursache. Viele Behandlungen führen dann nicht zu Erfolg, wenn die Ursache in dem komplexen Zusammenspiel der am Gleichgewicht beteiligten Organe nicht erkannt wird,   

 

TK spezial Saarland: Wie sieht das weitere Leistungsspektrum der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde aus? Gibt es weitere besondere Schwerpunkte?

 

Prof. Schick: Das Gleichgewichtsorgan ist ein Teil des Innenohres. Wir sehen viele Patienten mit einer Hörminderung, denen wir alle Möglichkeiten anbieten, das Hören wieder zu gewinnen. Hierbei reicht unser spezifisches Angebot bis zu den Hörimplantaten wie dem Cochlea-Implantat.

 

Wir arbeiten intensiv in unserer Forschung an neuen Hörgeräten, die mit Lichtreizen ein besseres Hören in der Zukunft ermöglichen sollen. Eine besondere Stärke ist unser Fähigkeit mit Stablinsen sogenannten Endoskopen Behandlungen auszuführen. Hierbei können wir mit immer dünner werdenden Instrumenten sehr schonende Behandlungen ausführen, deren Belastung für den betroffenen Menschen immer weiter abnimmt (minimal-invasive Behandlungen).

 

Bei der zunehmenden Bedeutung der Anzahl an Tumorerkrankungen beschränken wir uns nicht auf die gegenwärtig mögliche Tumorbehandlung, sondern verbessern die Diagnosemöglichkeiten auf dem Boden von Abstrichen mit der Möglichkeit Marker zu untersuchen, die uns die Tumorerkrankung wesentlich besser verstehen lassen. Die bessere Unterscheidung der einzelnen Tumorzelle von einer gesunden Zelle ist ein wichtiges Bestreben unserer Forschung, die ganz konkret die Behandlung des einzelnen Menschen verbessern soll. Der höhere Erfolg einer Tumorentfernung geht hierbei mit einer für den betroffenen Menschen besseren Lebensqualität einher.     

 

TK spezial Saarland: Herzlichen Dank für das Interview!

 

Zur Person:

Professor Dr. med. Bernhard Schick studierte und promovierte an der Medizinischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg. Nach der Facharztausbildung im Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an den Städtischen Kliniken Fulda war er unter anderem tätig als leitender Oberarzt an der Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universitätskliniken des Saarlandes.

 

Er habilitierte dort im Fach der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und war Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkranke der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

2008 wurde Prof. Schick Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums des Saarlandes und ist seit 2015 Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums des Saarlandes.

 

 

 

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