Vom Basketballprofi zum Müslibäcker

Als Robert Kronekker mit 19 Jahren die Diagnose Krebs im Endstadium bekam, verzweifelte er nicht, sondern kämpfte. Heute ist der Ökotrophologe erfolgreicher Gründer. Sein Start-up "HAFERVOLL" produziert gesunde Müsliriegel, sogenannte Flapjacks.

Was macht "HAFERVOLL" und wer seid Ihr?

HAFERVOLL ist ein Food-Startup aus Köln. Gegründet wurde es im September 2013 von Philip Kahnis und mir. Mit 19 Jahren musste ich meinen Traum vom Basketballprofi an den Nagel hängen, als bei mir die Diagnose Lymphdrüsenkrebs im Endstadium diagnostiziert wurde und ein faustgroßer Tumor auf meine Lunge drückte. Daraufhin stellte ich meine Ernährung um und bekämpfte den Krebs erfolgreich und bin bis heute ohne Rückfall. Im Rahmen meiner Therapie widmete ich mich der Musik und versuchte andere Patienten positiv zu beeinflussen und wurde über die Empfehlung eines Freundes als „Kämpfer des Jahres“ 2008 mit dem Pulsus Award der TK in Zusammenarbeit mit der BAMS/Axel Springer ausgezeichnet. Seitdem zog sich das Thema Ernährung wie ein roter Faden durch mein Leben und ich fing auch an, Ernährungswissenschaften zu studieren.

 

Über einen ehemaligen Arbeitgeber aus der Sportnahrungsbranche lernte ich Philip Kahnis kennen. Sein Lebenslauf liest sich eben nicht wie die klassische Bewerbung, denn er arbeitete sich vom Kassierer über Studienabbrecher bis hin zum Vertriebsleiter hoch. Wir merkten schnell, das hier zwei kreative Köpfe aufeinander prallen. Durch die zahlreichen chemischen Zusatzstoffe in den Sportprodukten war es langsam an der Zeit etwas echtes, gesundes zu entwickeln - da waren wir uns einig. 2013 haben wir haben dann angefangen unsere im Ofen gebackenen Müsliriegel (oder wie wir sie nennen: Flapjacks) unters Volk zu bringen. Alles immer nach dem Motto: ohne Zusatzstoffe.

 

Was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

Wir haben den ersten zu 100 Prozent natürlichen Flapjack entwickelt der ohne Zuckerzusatz, billigem Füllmaterial und chemischen Zusatzstoffen auskommt - er besteht nur aus Haferflocken, Honig, Sonnenblumenöl, Nüssen, Samen und Trockenfrüchten. Unsere Riegel sind schonend im Ofen gebacken und schmecken immer wie selbst gemacht. Genau das ist auch der große Unterschied zu den meisten herkömmlichen Müsliriegeln, die man aus dem Supermarkt kennt. Diese bestehen nämlich aus zahlreichen chemischen Zutaten und werden ausschließlich maschinell hergestellt, indem sie in Form gepresst werden. Unsere Flapjacks, werden in Handarbeit in einer Großbäckerei verarbeitet, hier wird wirklich noch jedes Backblech per Hand bestückt und mit einem eigens entwickelten Verfahren schonend im Backofen zubereitet. Diese besondere Verarbeitung sowie unsere Rezepturen machen jeden Riegel zu einem absoluten Unikat. Die Idee dahinter ist, dass wir jedem Bundesbürger ein gesundes aber auch schnelles Frühstück anbieten wollen, das auch wirklich nachhaltig satt macht und nicht neuen Hunger erzeugt.

 

Bei welcher Gelegenheit kam die Idee zum Start-up?

Ehrlich gesagt ist die Idee uns weder im Traum erschienen, noch haben uns Aliens aufgesucht, die uns ihr uraltes Flapjack-Rezept zu vermachen bevor ihr Heimatplanet explodiert. Wir waren häufig beruflich unterwegs und haben uns immer über das ungesunde Zeug - vor allem über die klassischen Müsli- und Energieriegel - aufgeregt, welches man uns als gesunde Zwischenmahlzeit verkaufen wollte,. Viele von den Dingern haben eine endloslange Zutatenliste mit teilweise 40 oder sogar 50 chemischen Zusätzen und trotzdem wird mit Naturzutaten geworben. "Was soll das?", dachten wir uns. Irgendwie muss es doch möglich sein, die guten und natürlichen Zutaten einer frischen Schale Müsli in einen Riegel zu packen.

 

In England sind wir dann auf die traditionelle Herstellungsweise von Haferriegeln aufmerksam geworden. Dort werden die sogenannten Flapjacks seit über 500 Jahren hergestellt. Uns hat die traditionelle Herstellungsweise interessiert, vor allem weil das Bäckereifachhandwerk allmählich zu Gunsten großer Systembäckereien ausstirbt.

 

Was waren die größten Stolpersteine auf dem Weg zur Gründung?

Nachdem die Rezeptur und Produktion stand, fehlten uns noch die finanziellen Mittel für das Marketing und den Vertrieb, um unsere Marke bekannt zu machen. Daher haben wir uns auf der Crowdfunding Plattform „Startnext“ präsentiert, um neben der Finanzierung unserer ersten Großproduktion zusätzlich auch für einen positiven Marketingeffekt zu sorgen. Die größten Schwierigkeiten bestanden wirklich daran, das Projekt ohne große finanzielle Mittel ins Laufen zu kriegen. Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz, wie man so schön sagt. Denn investieren konnten wir am Anfang nicht, allerdings wächst eine Marke nicht ohne dies.

 

Welche Eigenschaften sollte man als Gründer mitbringen?

Jedes Start-up braucht je nach Finanzierung und Vorkenntnissen der Gründer eine gewisse Zeit zum Erfolg, daher ist ein exorbitant hohes Durchhaltevermögen und eine stark intrinsische Motivation unabdingbar. Auch eine gewisse Beratungsresistenz gegenüber den endlosen Consultingvorschlägen ist hilfreich, wobei dies nicht bedeuten soll, dass man grundsätzlich beratungsresistent sein sollte. Vielmehr ist damit gemeint, dass man an seine Idee glauben und an seinem Geschäftsmodell festhalten sollte. Hätten wir auf alle die gutgemeinten Vorschläge von damals gehört, dann würde es uns jetzt nicht geben!

 

Was war bisher Euer größter Erfolg?

Die nationale Rossmann-Listung mit der wir auf einen Schlag über 1200 Filialen in ganz Deutschland dazu gewonnen haben. Das war unser erster großer „Big Hit“ im Spätfrühjahr 2015. Als wir diese Nachricht erfahren haben, ist uns fast die Kinnlade runtergefallen und zum „Sekt kalt stellen“ war einfach keine Zeit, weil wir in den letzten drei Jahren immer weiter nach vorne geguckt haben.

 

Wo habt Ihr Euch Rat und Unterstützung geholt?

Da wir aus den Bereichen Entwicklung und Vertrieb aus der Food-Branche kamen, hatten wir verstärkt Fragen rund um die Themen Finanzen, Controlling, Logistik. Eine gute Hilfe war der Businessplanwettbewerb des neuen Unternehmertums Köln (NUK), hier haben wir viele Informationen zur Firmengründung oder auch hilfreiche Tipps bei Coachings erhalten. Rat und Unterstützung gab es natürlich auch von befreundeten Start-ups, die bereits am Markt waren oder über unser zuvor bestehendes Netzwerk.

 

Welche Informationsquellen oder Förderungsprogramme für Start-ups und Gründer könnt Ihr empfehlen?

Im Bereich Finanzierung und Startkapital haben wir alles versucht - von Exist und anderen Gründerstipendien, ohne großen Erfolg. Daher haben wir in unserer Gründungsphase ein Crowdfunding bei Startnext aufgesetzt. Das Crowdfunding ist im Endeffekt der erste Schritt oder wie viele sagen ein „Proof of concept“, zugleich natürlich auch eine kleine Geldspritze. Wir haben damals knapp über 10,000 Euro zusammenbekommen und konnten so unsere erste große Produktion finanzieren. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Businessplanwettbewerbe, sowie in jeder Großstadt dutzende Start-up-Inkubatoren. Beispielsweise war der Startplatz in Köln für uns die Anlaufstelle für Fragen im Bereich Online-Marketing und Ecommerce.

 

Was würdet Ihr rückblickend in der Gründungsphase anders machen?

Natürlich gibt es vereinzelt Punkte, die wir mit mehr Kapital anders gemacht hätten, allerdings spielt die Zeit in den meisten Fällen eine wichtige Rolle. Bei uns stand von Anfang an fest, dass wir nach dem Prinzip „ganz oder gar nicht“, das Projekt HAFERVOLL in Vollzeit angehen müssen. Daher sind wir beide aus unserem Anstellungsverhältnis ausgestiegen und hatten natürlich anfangs keine Basis, uns ein eigenes Gehalt zu zahlen. Dadurch waren wir auch mehr oder weniger gezwungen, unsere Crowdfunding-Kampagne schnell auf die Beine zu stellen. Im Nachhinein hätten wir mehr Zeit für die einzelnen Marketing-Schritte benötigt.

 

Wo seht Ihr Euch in 10 Jahren?

Natürlich wollen wir auch dann noch den Menschen einen nahrhaften, leckeren und noch gesunden Snack in Form unserer Flapjacks anbieten und weiterhin an spannenden Geschmackssorten tüfteln. Es ist aber auch Teil unserer Philosophie, dem Streben nach gesunden und natürlichen Produkten im Markt nachzukommen. Auf dieser Basis wollen wir die Zukunft des Healthy-Snacking-Marktes aktiv mitgestalten. Wir wollen etwas im Ernährungsbewusstsein der Leute bewegen und zeigen, dass jeder Konsument auf billige Füllstoffe, künstliche Zusätze und die ganzen Zuckerzusätze verzichten kann. Insgeheim träumen wir von der Weltherrschaft im Riegelsegment, nicht nur von einer Vorherrschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz!

 

Welchen Tipp würdet Ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

  1. Lass Dir nicht zu sehr in dein Geschäftsmodell reden
  2. Planung ist das A & O
  3. Versuche einen Testballon oder Betatest zu starten; Investoren reden auch immer von einem Proof of concept
  4. Hole Dir starke Partner und Mentoren für deine Schwachstellen
  5. Netzwerken, netzwerken und netzwerken