Versorgungsforschung liefert wichtige Gesundheitsdaten

Gesundheitsprobleme lassen sich häufig nicht allein mit medizinischem Sachverstand lösen. Erst das Zusammenspiel von Wissenschaft, Ärzten, Krankenkassen, Berufsverbänden und Industrie macht Erfolge manchmal möglich - zum Beispiel den starken Rückgang von Karies in den vergangenen Jahrzehnten.

 

Karies ist eine Volkskrankheit - vor einigen Jahren galt noch: jeder Dritte in Deutschland hat kariöse Zähne. Doch mittlerweile zeichnet sich eine Trendwende ab: Zwischen 1997 bis 2014 hat sich die Zahl der kariesfreien Gebisse praktisch verdoppelt. Vor allem bei jungen Menschen ist die Zahngesundheit inzwischen sehr gut. Waren 1989 bis 2014 nur gut 13 Prozent der Zwölfjährigen kariesfrei, so waren es 2014 schon vier von fünf - damit ist Deutschland Weltspitze. Auch bei älteren Menschen hat sich der Zahnstatus deutlich verbessert: während 1997 noch jeder vierte ältere Mensch völlig zahnlos war, ist es heute nur noch jeder achte. Zu diesen Ergebnissen kommt die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie vom Institut der Deutschen Zahnärzte aus 2016, die im Auftrag von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung durchgeführt wurde.

 

Der Kampf gegen Karies ist eine Erfolgsgeschichte. Und wie so oft, hat der Erfolg viele Väter: "Der Rückgang der Karies in den vergangenen Jahrzehnten kann als beispielhaft für das erfolgreiche Management einer Erkrankung im Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis, Berufsverbänden, Krankenkassen sowie Industrie und Öffentlichkeit angesehen werden", heißt es dazu in der "Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift" (2014, 69(10), Seite 595).

 

Das zeigt: der medizinische Sachverstand allein reicht häufig nicht aus, um Gesundheitsprobleme zu lösen. Auch Krankenkassen und die Versorgungsforschung sind dabei unverzichtbar. So liefert die Forschung wichtige Erkenntnisse, zum Beispiel, dass in den 1960er und 1970er Jahren noch jeder Dritte Karies hatte. Damit leistet sie einen Beitrag, das Problem zu lösen, indem es beim Namen genannt und quantifiziert wird. Denn erst nach dem klar war, wie weit verbreitet die Krankheit Karies ist, haben Gesellschaft und Gesetzgeber verschiedene Initiativen zur Verbesserung der Zahngesundheit zu einem umfassenden Konzept zur Kariesprophylaxe ausgebaut.

 

Krankenkassen zahlen heute Vorsorgeuntersuchungen, die "Zahnfee" zeigt Schulkindern, wie man richtig Zähne putzt - es gibt viele  Ansätze zur Bekämpfung von Karies, die inzwischen erfolgreich umgesetzt und heutzutage als selbstverständlich wahrgenommen werden. Eine gewaltige Verbesserung in der Kariesbekämpfung stellte auch die so genannte "Fissurenversiegelung" dar, die seit 1993 für alle sechs- bis 17-Jährigen von den Krankenkassen bezahlt wird. Dabei werden die Einkerbungen auf den Kauflächen der Zähne mit Kunststoff beschichtet. Seit 1991 wird in Deutschland auch fluoridiertes Speisesalz angeboten. Möglich wurde das erst, weil die Versorgungsforschung nachweisen konnte, dass Kinder aus Familien, die Speisesalz mit Fluorid verwenden, im Vergleich zu Kindern aus Familien, die diesen Salztyp nicht verwenden, tendenziell eine bessere Zahngesundheit haben.

 

Die Versorgungsforschung zeigt auch, dass es noch immer große regionale Unterschiede in punkto Zahngesundheit gibt und dass verschiedene Bevölkerungsschichten unterschiedlich von den Vorsorgemaßnahmen profitieren. Auch Bildung beeinflusst die Zahngesundheit. Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie zeigt: Es gibt eine Hochrisikogruppe von knapp acht Prozent der 13- bis 14-jährigen Jugendlichen, die von Karies betroffen sind. Solche Erkenntnisse der Versorgungsforscher helfen, nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, um die Zahngesundheit zu verbessern, zum Beispiel durch Maßnahmen für Kinder in sozial benachteiligten Familien.

 

WINEG plädiert für Kontrolle der Nachhaltigkeit von Behandlungen

 

Inzwischen ist die Kariesvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen in der Gesetzlichen Krankenversicherung systematisch verankert. Sie reicht von bis zu drei Früherkennungsuntersuchungen im Vorschulalter bis zur Gruppen- und Individualprophylaxe und wird dann im Erwachsenenalter mit den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen weitergeführt. Um die Qualität der zahnärztlichen Behandlung weiter zu verbessern, plädieren Fachleute der TK und des WINEG dafür, anhand der Zahnarzt-Abrechnungen zu untersuchen, welchen Verlauf die Behandlung eines bestimmten Zahns über die Jahre nimmt und welchen Einfluss ein Arztwechsel auf die Versorgung hat.

 

Ein weiteres Forschungsfeld: die Wirkung der professionellen Zahnreinigung wurde bislang noch nicht hinreichend überprüft. Dazu schreibt der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes: "Obwohl die professionelle Zahnreinigung sehr verbreitet ist und von vielen Anbietern und Experten sogar als unverzichtbar eingestuft wird, ist der tatsächliche Nutzen kaum untersucht… Ob durch eine alleinige professionelle Zahnreinigung die Zähne länger erhalten bleiben ist daher ebenso wenig belegt wie die Behauptung, dass sie einen zusätzlichen Nutzen hat oder gar unverzichtbar ist."

 

Das Beispiel "Karies" zeigt, wie Versorgungsforschung Zahnärzten und Versicherten helfen kann. Forschungsergebnisse liefern Hinweise darauf, wie groß ein Problem ist, sie zeigen, wo besonderer Handlungsbedarf besteht, und helfen bei der Überprüfung, ob die getroffenen Maßnahmen erfolgreich sind oder wie sie weiter verbessert werden können.