Saisonarbeit in der Erntezeit: die wichtigsten SV-Regelungen

Wann spricht man von Saisonarbeit, wie sind die sozialversicherungsrechtlichen Regelungen und wer gilt als kurzfristig beschäftigt? Die wichtigsten Informationen zur Saisonarbeit haben wir für Sie zusammengestellt.

 

Ein Arbeitnehmer gilt als Saisonarbeitnehmer, wenn er vorübergehend für eine versicherungspflichtige, auf bis zu acht Monate befristete Beschäftigung in die Bundesrepublik Deutschland gekommen ist und

mit seiner Tätigkeit einen jahreszeitlich bedingten, jährlich wiederkehrenden erhöhten Arbeitskräftebedarf des Arbeitgebers abdeckt.

 

Grundsätzlich gelten für Saisonarbeiter die gleichen versicherungsrechtlichen Regeln wie für andere Arbeitnehmer auch.

 

Änderungen im Meldeverfahren seit 2018

Zum 1. Januar 2018 wurden einige Besonderheiten im Meldeverfahren bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften eingeführt:

 

Endet die Versicherungspflicht mit dem Ende der Saisonbeschäftigung, setzt sich die Versicherung nur dann fort, wenn die Betroffenen

  • innerhalb von drei Monaten nach dem Ende der Versicherungspflicht ihren Beitritt zur freiwilligen Versicherung gegenüber ihrer bisherigen Krankenkasse erklären und

  • ihren Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland nachweisen.

Seit dem 1. Januar 2018 müssen Arbeitgeber Saisonarbeitnehmer bei der DEÜV-Anmeldung gesondert kennzeichnen.

 

In welchen Fällen muss die gesonderte Kennzeichnung erfolgen?

Die Angabe ist erforderlich bei Beschäftigten

  • mit ständigem Wohnsitz im Ausland,

  • die vorübergehend einer versicherungspflichtigen Beschäftigung in Deutschland nachgehen und

  • danach voraussichtlich in das Heimatland zurückkehren.

Sie ist nur bei gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten und für Meldezeiträume ab dem 1. Januar 2018 erforderlich.

 

In welchen Fällen ist das gesonderte Kennzeichen nicht erforderlich?

Nicht erforderlich ist die Kennzeichnung bei geringfügig Beschäftigten sowie bei Beschäftigten, die ausschließlich in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert sind (Personengruppen 109, 110, 190).

 

 

Kurzfristige und nicht-berufsmäßige Beschäftigung ist beitragsfrei

Wird ein Saisonarbeitnehmer jedoch als kurzfristig Beschäftigter eingestellt, ist die Beschäftigung beitragsfrei in der Sozialversicherung (SV).

 

Als kurzfristig gilt die Beschäftigung, wenn sie bei einer Fünf-Tage-Arbeitswoche nicht länger als drei Monate dauert. Bei weniger als fünf Arbeitstagen pro Woche darf die Beschäftigung nicht länger als 70 Arbeitstage dauern.

 

Hinzu kommt, dass die kurzfristige Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt werden darf. Als berufsmäßig bezeichnet man eine Beschäftigung, wenn sie allein zur Sicherung des Lebensunterhalts bestimmt ist.

 

Wie kann die Berufsmäßigkeit geprüft werden?

Die Prüfung erfolgt anhand von Indizien. Wird zum Beispiel eine kurzfristige Beschäftigung von einer erwerbslosen Person aufgenommen, ist sie als berufsmäßig anzusehen.

 

Weiterhin werden vorherige Beschäftigungszeiten auf die aktuelle Beschäftigung angerechnet: Arbeitgeber sollten Vorbeschäftigungen rechtzeitig erfragen und dokumentieren, beispielsweise mit einem Einstellungsfragebogen. Der Nachweis über vorherige Beschäftigungen sollte den Entgeltunterlagen beigelegt werden.

 

 

Ausländische Saisonarbeiter mit Hauptbeschäftigung im Heimatland

Wer Saisonarbeiter aus anderen EU-Ländern einsetzen möchte, muss prüfen, ob sie in ihrem Heimatland schon eine Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit ausüben. Ist dies nicht der Fall, unterliegt ihr Einsatz den deutschen Rechtsvorschriften.


Üben sie hingegen eine Beschäftigung oder eine ähnliche selbstständige Tätigkeit - wie zum Beispiel als Landwirt - aus, gelten während der Beschäftigung in Deutschland in der Regel die entsprechenden Rechtsvorschriften des jeweiligen Heimatlandes. In diesen Fällen müssen die Saisonarbeiter die Bescheinigung A1 vorlegen.

 

Was wird mit der A1-Bescheinigung nachgewiesen?

Die A1-Bescheinigung weist nach, dass für einen ausländischen Arbeitnehmer nicht die deutschen SV-Rechtsvorschriften gelten, sondern die Rechtsvorschriften des Landes, in dem er seine Hauptbeschäftigung ausübt. Arbeitgeber sollten eine Kopie der A1-Bescheinigung zu den Entgeltunterlagen legen.

 

Auch die Beiträge richten sich in diesen Fällen nach den Rechtsvorschriften des Heimatlands. Das bedeutet, dass auf den Arbeitgeber in Deutschland keine sozialversicherungsrechtlichen Pflichten zukommen. Allerdings muss er gegebenenfalls nach den Rechtsvorschriften des Heimatlands Sozialversicherungsbeiträge entrichten.

 

 

Gilt der Mindestlohn auch für Saisonbeschäftigungen?

Auch für Saisonarbeitnehmer prüfen die Träger der Rentenversicherung bei Betriebsprüfungen die Einhaltung des Mindestlohns. Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, Unterlagen über die Arbeitsleistung zu den Entgeltunterlagen zu nehmen. Darin müssen der Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen Arbeitszeit dokumentiert werden. Sollte dieser Nachweis nicht vorliegen, wird der Rentenversicherungsträger die nicht gezahlten Beiträge nachfordern.