Bald kommen die neuen Azubis: Tipps für Arbeitgeber

Schon zu Beginn der Ausbildung die Weichen für einen erfolgreichen Berufsstart stellen: Was Unternehmen dazu beitragen können, haben wir für Sie zusammengestellt.

 

Aktuell bricht einer von vier Azubis die Lehre ab, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Im Jahr 2016 wurden gut 146.000 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Gründe für die Abbrüche seien eine geringe Vergütung, Konflikte mit Vorgesetzten, eine unzureichende Ausbildungsqualität, ungünstige Arbeitsbedingungen, - aber auch falsche Berufsvorstellungen der Azubis.

 

Betriebe bemängelten laut SZ die Ausbildungsleistung und den Integrationswillen der Lehrlinge. Das gestiegene Angebot an freien Lehrstellen könnte ebenfalls dazu beitragen, dass Azubis abbrechen und wechseln.

 

Arbeitgeber können viel dafür tun, dass schon mit Ausbildungsbeginn die ersten Weichen für Erfolg oder Misserfolg der Ausbildung gestellt werden: zum Beispiel mit einer gezielten Einführung der Azubis ins Unternehmen und in die Ausbildung.

 

Am besten legen Sie für die Einführung Ziele fest:

  • aus Sicht des Unternehmens: eine schnelle und erfolgreiche Integration der Nachwuchskräfte in das Unternehmen und in den Ausbildungsprozess

  • aus Sicht der Auszubildenden: den Übergang von der Schule in die neue Lebenswelt "Beruf" möglichst stolperfrei bewältigen

Eine ungewisse, fremde und komplexe Situation

Denn für Jugendliche ist der Eintritt ins Berufsleben eine ungewisse, fremde, schwer zu deutende und komplexe Situation. Bisherige Erfahrungen können sie nur schwer anwenden, neue Verhaltensmuster haben sie noch nicht. Die Unternehmenskultur ist neu, ebenso die Rolle, die sie jetzt einnehmen. Sie verlassen ihren bisherigen Schonraum und treten in die "Ernst-Situation" Berufswelt ein. Wie Jugendliche das alles erleben, ist individuell ganz unterschiedlich.

 

Praxis-Tipps für Unternehmen

Eine zentrale Frage ist daher: Was könnte für die Jugendlichen zu Beginn der Ausbildung problematisch sein? Unternehmen sollten dafür sorgen, dass potenzielle Probleme von Anfang an vermieden oder zumindest minimiert werden. Hier sind einige Tipps:

 

Vor dem ersten Tag

Willkommensschreiben versenden

Inhalte des Schreibens können zum Beispiel sein:

  • Wie wird der erste Arbeitstag ablaufen?

  • Was sollen die neuen Azubis mitbringen?

Willkommensmappe zusammenstellen

Inhalte der Mappe können zum Beispiel sein:

  • die wichtigsten Infos zum Unternehmen

  • die Ausbildungsphilosophie

  • die Produktpalette beziehungsweise das Leistungsangebot des Unternehmens

  • Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

  • Sozialleistungen

  • Unterstützungsmöglichkeiten (für die Wohnungssuche usw.)

  • bei größeren Unternehmen bietet sich ein Lageplan an

  • die wichtigsten Ansprechpartner

Arbeitsplatz vorbereiten

  • Sind alle Büromöbel und/oder Arbeitsgeräte vorhanden?

  • Sind alle nötigen Berechtigungen eingerichtet?

  • Sind die E-Mail-Adressen für die Azubis eingerichtet?

  • Brauchen die Azubis Hausausweise?

  • Benötigen die Azubis spezielle Arbeitskleidung?

  • Brauchen sie einen Spind?

 

Am ersten Tag

Begrüßung durch den Chef

Die Begrüßung sollte nicht nur durch den Ausbilder, sondern idealerweise auch durch die Geschäftsführung erfolgen. Dies vermittelt den neuen Auszubildenden Wertschätzung.

 

Betriebsrundgang

Bei einer Betriebsführung sollten Sie den neuen Nachwuchskräften alle wichtigen Räume zeigen, damit sie sich schneller orientieren können.

 

Kollegen vorstellen

Dabei können Sie auch gleich die Kollegen und Ansprechpartner vorstellen. So wissen die Azubis, welche Fragen sie wem stellen können.

 

Wichtige Betriebsregeln erklären

Zu den Betriebsregeln gehören zum Beispiel:

  • Was ist erlaubt?

  • Was wird nicht gern gesehen?

  • Wie sind die Arbeits- und Pausenzeiten?

  • Was muss der Azubi tun, wenn er krank wird?

  • Wie funktioniert das Ausbildungsnachweisheft?

  • Wie ist der Ablauf in der Berufsschule?

Sie sollten den Azubis die ausführlichen Regeln auch noch einmal schriftlich aushändigen.

 

Mögliche Probleme direkt bei der Einführung ansprechen

Wenn Sie mögliche Probleme direkt ansprechen, können Sie den Jugendlichen viele Ängste nehmen.

 

 

Weitere Tipps

Kommunikationstipps für Ausbilder

Ausbilder sind immer auch Vertrauenspersonen für die neuen Azubis.

  • Fragen Sie aktiv nach, hören Sie aktiv zu.

  • Sprechen Sie Konflikte direkt an.

  • Lob nicht vergessen!

  • Kommunizieren Sie auf Augenhöhe.

  • Achten Sie auf Ihre Mimik und Gestik, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

Interaktionsräume & Co.: soziale Beziehungen fördern

Wichtig ist, dass die Jugendlichen sehr schnell die Möglichkeit erhalten, soziale Beziehungen zu entwickeln. Diese Entwicklung können Sie unterstützen, indem Sie "Interaktionsräume" schaffen, zum Beispiel durch gemeinsame Aktionen. So bekommen die Jugendlichen schneller Kontakt zu anderen Auszubildenden und zu den alteingesessenen Kollegen.

 

 

Weitere Informationen und Checklisten

Weitere Tipps und Hilfen finden Sie beispielsweise bei den Industrie- und Handelskammern oder bei den Handwerkskammern. Die Handwerkskammer Schwerin bietet speziell kleineren und mittleren Unternehmen ein Starter-Kit in Checklistenform an: "Gute Ausbildung - von Anfang an" unter. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt stellt ebenfalls diverse Starthilfen zur Verfügung.

 

Deutsches Ausbildungsforum für Ausbilder und Betriebe - TK ist exklusiver Gesundheitspartner

Was das Ausbildungsforum alles bietet, was die TK dort macht und wieso sich die Teilnahme für Ausbilder lohnt, darüber berichtet der TK-Film.