Reform(ation): 95 Thesen zum Gesundheitswesen

Anlässlich des Reformationstags 2018 fordert die TK mit 95 Fragen zum Gesundheitswesen zur Diskussion auf. In welchen Bereichen gibt es dringenden Reformierungsbedarf? An welche Themen müssen Politik und Gesellschaft dringend ran?

Mit seinen 95 Thesen hat der Mönch Martin Luther vor über 500 Jahren auf die Missstände in der Kirche hingewiesen. Was folgte, war die Reformation und Gründung der evangelischen Kirche. Auch im deutschen Gesundheitswesen ist nicht alles ideal. Mit ihren 95 Thesen will die TK anlässlich des Reformationstags zum Hinterfragen und Diskutieren anregen. Dabei geht es der TK zum einen darum, Strukturen im Gesundheitssystem in Frage zu stellen, aber auch zum anderen - ebenso wie bei Luther seinerzeit - um soziale und gesellschaftliche Themen.

 

Wie tickt das Gesundheitswesen - und wie wird es finanziert?

1. Wer hat im Gesundheitswesen Interesse an gesunden Menschen, wenn Krankenkassen und Ärzte umso mehr Geld bekommen, je kränker die Menschen sind?
2. Warum erhalten manche Kassen mehr Geld als sie für die medizinische Versorgung ihrer Versicherten brauchen und andere deutlich weniger?
3. Wieso können sich Selbständige völlig unabhängig vom Einkommen privat versichern?
4. Welche Rücklagenhöhe ist für Krankenkassen sinnvoll?
5. Wieso geben die Länder den Krankenhäusern nur einen Bruchteil der eigentlich notwendigen Gelder für Investitionen?
6. Warum nutzen Kliniken Gelder, die eigentlich für die medizinische Versorgung gedacht sind, um Geräte zu kaufen oder instand zu halten?
7. Die Menschen werden immer älter. Wie bleibt unser Gesundheitswesen für alle bezahlbar?
8. Warum gibt es überhaupt gesetzliche und private Kassen?
9. Warum brauchen wir so viele Krankenkassen?
10. Warum bekommen Krankenkassen Zuschläge für chronisch kranke Versicherte - aber nicht, wenn sie etwas gegen chronische Erkrankungen unternehmen?
11. Warum hängen gesamtgesellschaftliche Aufgaben, wie Gesundheitsförderung und Vorsorge in Schulen, oft allein bei den Krankenkassen?
12. Warum dürfen Krankenversicherungen in ihren Bonusprogrammen das Sportabzeichen honorieren, nicht aber die Blutspende?
13. Warum sind pflichtversicherte Eltern während der Elternzeit von Krankenversicherungsbeiträgen befreit, freiwillig versicherte aber nicht?
14. Warum muss ein Ehepaar mit zwei mittleren Einkommen mehr Krankenkassenbeiträge zahlen, als ein Paar mit einem sehr großen Einkommen?
15. Was bringt die Selbstverwaltung in gesetzlichen Kassen den Versicherten? Dürfen Ehrenamtliche bei den wirklich wichtigen Fragen mitreden?
16. Was wäre wenn der Staat, anstelle der sozialen Selbstverwaltung, im Gesundheitswesen allein entscheiden würde?
17. Steigt die Wahlbeteiligung, wenn die Sozialwahl als Onlinewahl stattfindet?
18. Wie gewinnen wir das Vertrauen in das Organspendesystem zurück?
19. Wie unterstützen wir Kliniken, Strukturen aufzubauen, die das Thema Organspende voranbringen?
20. Warum informieren die Krankenkassen zu diesem Thema?
21. Warum soll ich mich überhaupt mit dem Thema Organspende befassen?

 

Was bringt die Digitalisierung der Gesundheit?

22. Besonders kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen profitieren im Alltag von der Digitalisierung. Warum ist dann gerade das Gesundheitswesen bisher kaum digitalisiert?
23. Sind Daten in einer elektronischen Gesundheitsakte nicht besser geschützt als in einer Papierakte in der Praxis?
24. In manchen Regionen fehlen Ärzte. Warum fördern wir die Telemedizin nicht viel stärker?
25. Wie kann uns künstliche Intelligenz bei der Verbesserung der medizinischen Versorgung helfen?
26. Warum ist die digitale Unterschrift in der freien Wirtschaft Standard und im Gesundheitswesen an vielen Stellen nicht möglich?
27. Warum gibt es noch keine standardisierte, sichere Kommunikation zwischen Arzt und Patient? Warum wird im Gesundheitswesen noch immer so viel gefaxt?
28. Wie kann ich meine Gesundheitsdaten als Versicherter sicher selbst verwalten?
29. Warum muss ich bei jedem Arzt neu meine Allergien, Vorerkrankungen, Medikamente angeben?
30. Wieso druckt der Arzt meine Krankschreibung auf Papier aus und ich muss sie mühsam weitergeben? Wieso gibt es keine digitale Variante?

 

Dr. Jens Baas

Dr. Jens Baas, TK-Vorstandsvorsitzender

"Wir möchten nicht kritisieren, sondern hinterfragen und zum Nachdenken anregen. Warum sind bestimmte Strukturen im Gesundheitswesen so, wie sie sind?"

 

Vorstandsvorsitzender der TK

 

Was passiert in der Pflege?

31. Warum erzählen wir lieber "Storys auf Instagram" als "Geschichten im Altenheim"?
32. Warum gibt es eigentlich keine zentrale Datenbank für Heimplätze?
33. Warum ist es in vielen Kommunen so schwer, kurzfristig einen Platz für Kurzzeitpflege zu finden?
34. Warum hängt die Entscheidung, was ich mit den 125 Euro Pflege-Entlastungsleistungen machen darf, von meinem Wohnort ab?
35. Warum bezahlt die Pflegekasse eine barrierefreie Dusche als "wohnumfeldverbessernde Maßnahme", nicht aber den Einbau von Sensoren, die Stürze registrieren und Hilfe rufen?
36. Warum diskutieren wir, wie wir Pflegekräfte für die wachsende Anzahl von Pflegebedürftigen finden, und nicht, wie alte Menschen mit Smart-Home-Technik möglichst lange in ihrem Zuhause bleiben können?
37. Warum haben Pflegekräfte ein höheres Risiko berufsunfähig zu werden als andere Berufsgruppen?
38. Pflege ist noch immer ein Tabuthema, über das viele erst reden, wenn sie müssen. Warum haben 56 Prozent der Menschen in Deutschland noch nie über die eigene Pflege gesprochen?
39. Zwei von drei Menschen in Deutschland haben keinen Kontakt zu Menschen mit Demenz - wie sorgen wir dafür, dass Demenz nicht mehr einsam macht?
40. Warum geben wir viel Geld dafür aus, dass Menschen beatmet werden, und tun so wenig dafür, dass sie wieder selbstständig atmen können?
41. Haben pflegende Angehörige ein Recht auf Auszeiten oder müssen sie 24/7 leisten?
42. Wie gehen wir gegen Betrug in der Pflege vor?
43. Warum bedeutet "Pflegebedürftigkeit" noch immer bürokratische Zettelwirtschaft?
44. Drei Millionen Pflegebedürftige, Tendenz stark steigend: Retten uns nur noch die Roboter?

 

Was bedeutet "gut versorgt"?

45. Warum entscheidet das "Wo" ich behandelt werde oft darüber, wie gut ich behandelt werde?
46. Warum planen Praxen heutzutage immer noch in Quartalen?
47. Warum entscheidet auch die Vergütung darüber, ob ich ambulant oder stationär behandelt werde?
48. Warum hängt es vom Wohnort ab, ob Rückenbeschwerden operativ oder konservativ behandelt werden?
49. Warum wird unnötig operiert und wie vermeiden wir das?
50. Wieso muss ich manchmal länger auf einen Arzttermin warten, obwohl es in Deutschland überdurchschnittlich viele Ärzte gibt?
51. Wieso gibt es in der Stadt zu viele, auf dem Land aber oft zu wenige Ärzte?
52. Warum kann ich nicht im Internet sehen, wann mein Arzt Zeit hat?
53. Wieso werden Ärzte für den Einsatz von Technik besser bezahlt, als für die persönliche Beratung?
54. Warum gibt es samstags und abends keine Sprechstunden?
55. Warum entbinden in Sachsen 24 Prozent der Mütter per Kaiserschnitt und im Saarland 37 Prozent?
56. Warum ist es so schwierig zu erfahren, ob eine Klinik eine gute Klinik ist?
57. Warum haben die Menschen im Nordosten der Republik doppelt so oft Rückenschmerzen wie im Südwesten?
58. Warum gibt es Sicherheitsüberprüfungen für Arzneimittel, aber nicht für Herzschrittmacher und künstliche Gelenke?
59. Wieso können Krankenkassen Versicherte nicht benachrichtigen, falls diese von Produktfehlern bei künstlichen Gelenken oder Herzschrittmachern betroffen sind?
60. Warum darf die Krankenkasse bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler betroffene Versicherte nicht informieren?
61. Viele Diagnosen werden seit einigen Jahren immer häufiger gestellt: Werden die Deutschen wirklich immer kränker?
62. Warum ist es so oft dem Zufall geschuldet, wo und von wem wir behandelt werden?
63. Warum werden viele Untersuchungen doppelt durchgeführt und wie lässt sich das verhindern?
64. Warum werden Depressionen in Sachsen in den meisten Fällen mit Verhaltenstherapie behandelt und in Bremen tiefenpsychologisch?
65. Wenn Therapeuten nicht genügend Patienten behandeln können - warum finden nicht mehr Gruppentherapien statt?
66. Warum kommen in Hamburg 54 Psychotherapeuten auf 100.000 Einwohner und in Brandenburg nur 17?
67. Wenn jeder Dritte mindestens einmal im Jahr eine psychische Diagnose erhält - wo ziehen wir die Grenze zwischen gesund und krank?
68. Ist jede Belastung eine Krankheit?
69. Warum wird bei Bagatellen so oft der Rettungswagen gerufen?
70. Warum sind so viele Fälle in der Notaufnahme keine "echten Notfälle"?
71. Warum nutzen so wenig Menschen den ärztlichen Bereitschaftsdienst?
72. Warum gibt es nicht eine zentrale Anlaufstelle für alle, die sich akut krank fühlen?

 

Prof. Dr. Volker Möws

Prof. Dr. Volker Möws

"Auch das beste Gesundheitssystem ist reformbedürftig und muss sich regelmäßig der Lebenswirklichkeit der Menschen anpassen." Für den TK-Blog hat sich der Politik-Chef der TK drei Top-Thesen herausgesucht und erläutert den Reformbedarf.

 

Geschäftsführer Politik und Kommunikation der TK

 

Was heißt gesund - und wie bleibt man es?

73. Warum geben wir viel Geld für einen Grill aus, kaufen aber das billigste Fleisch vom Discounter?
74. Neue Techniken und Digitalisierung erleichtern unser Leben, sparen uns Wege. Warum haben wir trotzdem immer weniger Zeit und sind im Stress?
75. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Was wird daraus, wenn wir erwachsen werden?
76. Warum haben wir in Sachen Ernährung mehr Auswahl als je zuvor - und vertragen immer weniger davon?
77. Warum fahren wir mit dem Schrittzähler am Handgelenk mit dem Auto zur Arbeit?
78. Prävention soll sich um alle Lebensbereiche kümmern, die die Gesundheit der Menschen beeinflussen. Kaum etwas hat das Leben so stark verändert, wie die Digitalisierung. Wo findet das Thema digitale Gesundheitskompetenz statt?
79. Wer kümmert sich darum, Menschen Medienkompetenz zu vermitteln?
80. Warum müssen die gesetzlichen Krankenkassen Beitragsgelder für Prävention an Bundesbehörden abführen, wenn es dort weder ausreichend Konzepte noch genug Personal gibt, um sie einzusetzen?
81. Immer mehr Kinder sind übergewichtig. Sind Familien allein verantwortlich? Oder müssen wir die Lebensmittelindustrie mehr in die Pflicht nehmen?

 

Was ist die richtige Medizin?

82. Sind wirklich alle neuen Medikamente besser als die alten? Und wenn nicht: Warum kommen sie dann trotzdem auf den Markt?
83. Was können wir gegen ständig steigende Arzneimittelausgaben tun?
84. Warum gibt es für bestimmte Erkrankungen viele verschiedene Medikamente und für andere gar keine?
85. Wieso kann mir weder mein Arzt, noch mein Apotheker, noch meine Krankenkasse sagen, ob das Medikament, das sie mir verordnet, verkauft und erstattet haben, aus einer Charge stammt, die vom Hersteller zurückgerufen wurde?
86. Warum werden immer mehr Erreger gegen Antibiotika resistent und was wird dagegen getan?
87. Kennt mein Arzt alle neuen Therapieoptionen für meine Erkrankung?
88. Woher bekommen Ärzte eigentlich die Informationen über (neue) Arzneimittel?
89. Wieso brauche ich für ein Folgerezept einen Termin bei meinem Arzt? Und warum brauche ich überhaupt ein Folgerezept, wenn ich dauerhaft chronisch krank und gut eingestellt bin?
90. Ist ein elektronisches Rezept besser als eines auf Papier? Und warum gibt es ein Rezept nicht direkt aufs Smartphone?

 

Wie arbeiten wir gesund - oder macht Arbeit krank?

91. Unsere Arbeitswelt wird immer digitaler. Wir produzieren und handeln rund um die Uhr. Die innere Uhr der Menschen ändert sich aber nicht. Sie brauchen gesunde Auszeiten und ausreichend Schlaf. Wie arbeiten wir auch in Zukunft gesund?
92. Warum diskutieren wir die Rente mit 70, wenn schon heute mehr als jeder Zweite vor dem offiziellen Rentenalter aus dem Arbeitsleben ausscheidet, jeder Achte davon wegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit oder einer Schwerbehinderung?
93. Alle reden vom demografischen Wandel: Aber warum bereiten sich viele Unternehmen nicht darauf vor?
94. Warum diskutieren wir so viel über die vier Prozent Beschäftigten im Krankenstand und so wenig über die Gesundheit der 96 Prozent Arbeitnehmer, die bei der Arbeit sind?
95. Ist "Präsentismus" nicht teurer als eine Krankschreibung? Was passiert, wenn Menschen krank zur Arbeit gehen?

 

 

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