Organspende muss in Klinikalltag integriert werden

Trotz einer Reform des Transplantationsgesetzes und vieler Aufklärungskampagnen sterben jeden Tag drei Menschen in Deutschland, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. Auch die Koalitionsverhandlungen haben sich dem Thema Organspende gewidmet. Der Entwurf des Koalitionsvertrags sieht vor, dass die Transplantationsbeauftragen in den Kliniken eine zentralere Rolle einnehmen und Organentnahmen besser vergütet werden.

Statistisch gesehen sterben jeden Tag drei Menschen in Deutschland, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. In den letzten Jahren gab es deshalb viele Aufklärungskampagnen. Das Transplantationsgesetz wurde reformiert und verpflichtet unter anderem die Krankenkassen, ihre Versicherten ab 16 Jahren alle zwei Jahre anzuschreiben und ihnen einen Organspendeausweis mit Informationen zuzuschicken.

 

Viele Menschen haben mittlerweile einen Ausweis. Das Thema wird in die Schulen und Unternehmen getragen. Und trotzdem: An der sinkenden Zahl der Organspenden hat dies nichts geändert. Obwohl viele Menschen hierzulande bereit sind, ihre Organe nach ihrem Tod zu spenden, kommt es nur in ein bis zwei Prozent der Fälle auch zu einer Organspende. Wichtig ist deshalb, in den Kliniken anzusetzen.

 

Vertrauen in das System ist nötig

Spanien ist Weltmeister in Sachen Organspende. Dort ist das Thema kein Tabu, die Menschen sind informiert. Sie vertrauen dem System, und die Kliniken sind gut organisiert. In jedem Klinikum gibt es Transplantationsbeauftragte, die eigens für diese Aufgabe freigestellt sind. Sie sensibilisieren die Kollegen und unterstützen, wenn ein sterbender Patient als Organspender geeignet sein könnte. Sie sprechen mit Angehörigen, die in einer belastenden Trauersituation mit einem schwierigen Thema konfrontiert werden - wofür das Stationspersonal im Klinikalltag kaum Zeit und Ruhe finden kann. Genau diese Vorgehensweise brauchen wir auch.

 

TK-Infografik: So viele Menschen warten auf ein SpenderorganIn den letzten Jahren ist bei der Organisation der Organspenden viel passiert: Es wurden Strukturen geschaffen, die der Manipulation vorbeugen und den Vergabeprozess transparenter machen. Was immer noch nicht gut genug funktioniert, ist, diejenigen zu stärken, die die schwerste Aufgabe in dem Prozess haben: die Klinikmitarbeiter, die das Thema in einer Krisensituation ansprechen müssen. Deshalb ist es wichtig, Klinikstrukturen und Ausbildung zu fördern.

 

Auch die bvmd, die Bundesvertretung der Medizinstudierenden, hat die kommende Bundesregierung aufgefordert, dass die Themen Hirntod und Organspende in der Ausbildung der Gesundheitsberufe eine größere Rolle spielen müssen. Angehende Mediziner sollen so dafür sensibilisiert werden. Parallel dazu müsse der gesellschaftliche Diskurs um neutrale Aufklärung und das Abbauen von Vorurteilen und Missverständnissen weitergehen.

 

Infografik Warteliste Herunterladen (JPG, 768 KB, nicht barrierefrei)

 

Organspende-Botschafter an Kliniken

Auch die gerade abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen widmeten sich der Organspende. Der Entwurf des Koalitionsvertrags sieht vor, dass die Zahl der Organspenden erhöht werden soll und die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken dabei eine ganz zentrale Rolle einnehmen. Die Organentnahmen sollen finanziell besser vergütet werden. Dies sind Schritte in die richtige Richtung.

 

In den letzten Jahren hat das Thema reichlich für Schlagzeilen gesorgt. Auch wenn es - anders als in den Medien behauptet - keinen Transplantationsskandal, sondern einen Wartelistenskandal gab. Mediziner haben ihre Patienten kränker dokumentiert, als sie waren, um ihnen einen besseren Platz auf der Warteliste zu verschaffen. Auch das ist schlimm genug. Es kann aber nicht noch Jahre später eine Ausrede dafür sein, dass die Situation so ist wie sie jetzt ist.

 

Damit keine Menschen mehr auf der Warteliste sterben, braucht das System wieder mehr Vertrauen, Transparenz und vor allem Botschafter, die sich in den Kliniken dafür einsetzen.

 

#WirTechniker: Organspende braucht Botschafter

 

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