Schulbasierte Suchtprävention

Mit dem Lebenskompetenzenprogramm IPSY wird eine positive Entwicklung im Jugendalter gefördert. Ziel ist es unter anderem, damit den Konsum von Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen hinauszuzögern und deren Missbrauch zu verhindern.

"Mit den Freunden mithalten, sich erwachsen geben oder gewollt gegen elterliche Normen verstoßen - oft nutzen junge Menschen Alkohol und Zigaretten in unserer Gesellschaft, um die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters zu bewältigen oder Rückschläge und Stress zu kompensieren", sagt PD Dr. Karina Weichold.

 

Die Psychologin der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) hat IPSY entwickelt und leitet die Fortbildungen, die Lehrern helfen, das Programm mit ihren Schülern umzusetzen. "Mit unserem primärpräventiven Programm setzen wir bei Schülern an, noch bevor sie anfangen zu rauchen und Alkohol zu trinken beziehungsweise bevor sich Konsummuster verfestigen können."

 

IPSY: Information + Psychosoziale Kompetenz = Schutz

Dem Programm liegt der Lebenskompetenzansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde. Demzufolge können Jugendliche, wenn sie zum Beispiel selbstsicher und gut in ihrer Klasse integriert sind, alterstypische Entwicklungsaufgaben besser bewältigen. In der Folge haben sie ein geringeres Risiko, legale und illegale Drogen früh und häufig zu konsumieren. Neben dem Training dieser Lebenskompetenzen wird den Schülern Wissen zu kurzfristigen Konsequenzen und der Wirkungsweise von Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen vermittelt.

 

Die TK ist Gesundheitspartner bei der Umsetzung des Programms. Sie fördert die thüringenweite Implementierung seit 2015 mit insgesamt 30.000 Euro über drei Jahre. Anschließend ist angedacht, das Angebot bundesweit auzurollen.

 

Lehrer vermitteln Programm - mit strukturierter Unterstützung

v. r.: IPSY-Projektleiterin PD Dr. Karina Weichold, ihre Mitarbeiterin Dr. Anja Blumenthal und Christiane Haun-Anderle, Pressereferentin der TK (Foto: Anne Günther/FSU Jena)v. r.: IPSY-Projektleiterin PD Dr. Weichold, Dr. Blumenthal und Frau Haun-Anderle (Foto: Anne Günther/FSU Jena)Eine der Besonderheiten von IPSY: alle Lerneinheiten und Übungen werden von den Lehrern selbst vermittelt. Die insgesamt 29 Einheiten (47 Unterrichtsstunden), 15 im Basisprogramm in Klassenstufe 5, je 7 in den Auffrischungssitzungen in Klasse 6 und 7, eignen sich für eine Projektwoche beziehungsweise -tage, können aber auch in den wöchentlichen Unterricht integriert werden.

 

Der konkrete Ablauf der einzelnen Sitzungen ist in einem strukturierten Manual für alle drei Programmteile dargestellt. Es enthält neben der schrittweisen Anleitung auch Kopiervorlagen und eine CD mit Arbeitsmaterial. Zusätzlich dazu können Pädagogen bei Weiterbildungen didaktisches und methodisches Handwerkszeug erlernen, selbst einzelne Programmteile ausprobieren und über ihre Erfahrungen reflektieren. Bei Fragen können sie sich darüber hinaus das ganze Jahr an die Psychologen der FSU wenden.

 

Schulungen erfolgreich gestartet, Anmeldungen möglich

An den ersten Schulungen Anfang und Mitte Oktober 2015 haben rund 140 Pädagogen aus dem gesamten Freistaat teilgenommen, darunter Eisenach, Erfurt, Gera, Nordhausen und Suhl. Neben Lehrern aus über 70 Sekundarschulen waren auch Mitarbeiter aus Schulämtern, Sozial- und Familienzentren dabei.

 

Anmeldungen zu kommenden Schulungen sind fortlaufend möglich.

 

Wirksamkeit in Langzeitstudien nachgewiesen

Die Psychologen der FSU haben IPSY über zehn Jahre auf seine Wirksamkeit überprüft und weiterentwickelt.

 

Das ist auch einer der Gründe, aus denen die TK das Präventionsprogramm unterstützt: Die positiven, fundierten Studienergebnisse und der nachhaltige Ansatz von IPSY haben uns überzeugt. Wenn schon im frühen Jugendalter der Grundstein für einen bewussten Umgang mit potentiellen Suchtmitteln gelegt wird, kann das das ganze Leben positiv beeinflussen - in jedem Fall die kommenden zehn Jahre, wie wir aus den Studien der FSU wissen.

 

Darüber hinaus können die Methoden, mit Stress und belastenden Situationen umzugehen, den jungen Menschen auch später helfen, beispielsweise im Studium oder im Berufsleben.