Weichen richtig stellen

Die gesundheitspolitischen Weichen für Thüringen werden in Berlin gestellt. Deswegen hat die Bundestagswahl auch auf die Entwicklung des Gesundheitswesens im Freistaat entscheidende Auswirkungen. Dazu ein Kommentar von Guido Dressel.

Guido Dressel - Leiter der Landesvertretung Thüringen

In den vergangenen vier Jahren hat es eine umfangreiche gesundheits- und pflegepolitische Gesetzgebung durch die Große Koalition in Berlin gegeben. Als „sinnvoll aber teuer“ lassen sich die meisten Maßnahmen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) treffend zusammenfassen. Und durchaus auch als nützlich für Thüringen. Denn der Freistaat profitiert besonders vom Gesundheitswesen. Nirgendwo sonst in Deutschland ist der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt höher als hier.

 

Doch eine konjunkturbedingt mögliche Ausgabenpolitik ersetzt auf Dauer nicht die notwendigen strukturellen Weichenstellungen. Die zentralen Probleme im Thüringer Gesundheitswesen bleiben: die unterfinanzierte Krankenhauslandschaft, die langfristige Sicherstellung einer wohnortnahen medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum und das wachsende Fachkräfteproblem in vielen Versorgungsbereichen.

 

Neben der neuen Bundesregierung werden daher auch die Akteure im Land ihre Bemühungen ausbauen und neue Wege beschreiten müssen. Dies beginnt bei einer Vertiefung der sektorenübergreifenden Versorgung, muss über alternative Finanzierungsmodelle im Krankenhaussektor gehen und darf auch vor einer aktiven Fachkräfterekrutierung im Ausland nicht Halt machen.

 

Erfolgskritisch wird insbesondere die Digitalisierung im Gesundheitswesen sein. Nach jahrelangen Verzögerungen werden derzeit die technischen Standards gesetzt und vielfach neue Versorgungsmodelle getestet. Die Landespolitik ist gut beraten, dies auch als einen Wettbewerb um die künftige Attraktivität des Gesundheitsstandortes Thüringen zu begreifen.