Erkenntnisse besser umsetzen

Ist Qualität im Krankenhaus definierbar, messbar, planbar? - Darüber diskutierten Thüringer und bundesweite Experten zu den Weimarer Gesprächen zum Gesundheitswesen im November 2017. Guido Dressel kommentiert das Thema und fasst die Veranstaltung zusammen.

Guido Dressel - Leiter der Landesvertretung Thüringen

Der Weg zu sinnvollen Problemlösungen wird im deutschen Gesundheitswesen oft durch Maximalpositionen behindert. Vertreter des "Prinzipiell ist alles gut - und wo etwas nicht gut ist, müssen neue Milliarden her" treffen dabei auf die Befürworter drastischer Reformen.

 

Auch das Thema Qualität im Krankenhaus wird mitunter noch so diskutiert. Tatsächlich wissen inzwischen aber alle Beteiligten, dass unstrittig Handlungsbedarf besteht. Wir haben inzwischen kein Erkenntnisproblem mehr, sondern ein Umsetzungsproblem.

 

Und doch geht hier Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Denn die Entwicklung geeigneter Messinstrumente ist hochkomplex und die Ableitung von Qualitätsvorgaben und Konsequenzen im Nichterfüllungsfall oft nicht so einfach, wie es im Einzelfall vielleicht aussieht.

 

"Ja, vielleicht, sicherlich nicht" - Expertenmeinungen

Ist Qualität im Krankenhaus definierbar, messbar, planbar? Die Präsidentin der Thüringer Landesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen, beantwortete die Kernfrage der "Weimarer Gespräche zum Gesundheitswesen" 2017 kurz und trocken mit "ja, vielleicht, sicherlich nicht" und fasste damit die Komplexität des Themas treffend zusammen.

 

Qualität im Krankenhaus hat viele Seiten. Sie steht und fällt zunächst mit dem vorhandenen Personal. Stehen genügend Ärzte und Pflegefachkräfte zur Verfügung und haben diese ausreichend Zeit für ihre Patienten, bedarf es gar keiner weiteren Vorgaben. Das meint zumindest Georg Baum, der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Und damit liefert er in Thüringen eine interessante Vorlage. Denn ob es im Freistaat genügend Personal gibt, möchte die Landesregierung mit ihrer "Facharztquote" ja gerade feststellen.

 

Qualität beginnt aber schon bei der Indikationsstellung für eine OP. Frau Lundershausen beklagt die immer stärkere Ökonomisierung des Arztberufes. Wenn in Chefarztverträgen den Krankenhäusern verbreitet hohe Eingriffszahlen garantiert werden, wird möglicherweise zu oft zum Skalpell gegriffen. Qualität entsteht so nicht, auch wenn der Eingriff perfekt verläuft.

 

Den klaren Zusammenhang von Qualität und medizinischer Erfahrung streicht Prof. Dr. Albrecht Stier heraus. Für den Erfurter Chefarzt ist ein eingespieltes Team die notwendige Basis, um Komplikations- und Mortalitätsraten bei komplexen operativen Eingriffen weitestgehend zu begrenzen. Die Datenlage sei hier klar. Auch zur aktuellen deutschen Mindestmengenregelung gibt es klare Aussagen: Die Vorgaben sind im internationalen Vergleich zu niedrig und müssten baldmöglichst auf weitere Indikationen ausgedehnt werden.

 

Doch welche Konsequenzen hat all dieses für die Zukunft der stationären Versorgung in Thüringen? Hier waren sich viele Referenten schnell einig: Regionale Rahmenbedingungen (Fachkräftemangel) und stringentere Qualitätsvorgaben auf Bundes- und Landesebene werden unweigerlich zu einer stärkeren Spezialisierung der Häuser und einer Konzentration komplexer operativer Eingriffe führen.