"Die Digitalisierung schafft unendlich viele neue Chancen."

Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK

"Wir wollen eigene Akzente setzen und gehen voran."

Wie es gelingen kann, die Versorgung von rund 73 Millionen GKV-Versicherten in Deutschland voranzubringen, erläutert der stellvertretende TK-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast. In den Versorgungsinnovationen nimmt die Digitalisierung einen wichtigen Part ein. Ein Grund mehr für die TK, sie voranzutreiben.

Die TK engagiert sich sehr für eine stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens. Wie zeigt sich das in der Versorgung?

Thomas Ballast: Wir sind der Innovationstreiber unter den Krankenkassen, das zeigt sich in vielen neuen Produkten und Prozessen. Von der Versorgung von Frühchen durch das Projekt "Babybe", über unseren Vertrag zur Präzisionsmedizin für eine bessere Bekämpfung von Kinderkrebs bis hin zur elektronischen Gesundheitsakte, der digitalen Krankschreibung und unserem Partnerprogramm für Start-ups, dem TK-Accelerator - die Digitalisierung schafft unendlich viele neue Chancen. Es wäre unverantwortlich, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen.

Bis neue Leistungen ins Gesundheitssystem aufgenommen werden, vergehen jedoch oftmals viele Jahre …

Das deutsche System ist im Grunde nicht innovationsfeindlich, doch es dauert halt manchmal, den Nutzen eines neuen Produkts festzustellen. Wir als TK wollen allerdings - wann immer es geht - mit gutem Beispiel vorangehen und vielversprechende Versorgungsinnovationen fördern. Mitunter braucht es Mut, um Neues auszuprobieren - gerade wenn die Rahmenbedingungen noch nicht optimal sind. Aber aus unserer Sicht lohnt es sich, denn nur so profitieren unsere Kunden vom medizinischen und technischen Fortschritt. Die "elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung", kurz eAU, ist ein gutes Beispiel, wie wir Patienten - aber auch Ärzte - mithilfe der Digitalisierung entlasten wollen.

 
"Wir wollen mit neuen Produkten und Prozessen die medizinische Versorgung für unsere Versicherten verbessern."

Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK

 

Wieso haben es Innovationen im Gesundheitsmarkt so schwer?

Viele Unternehmensgründer haben tolle Ideen, scheitern aber noch häufig an den Vorgaben des stark reglementierten Gesundheitsmarkts. Deshalb unterstützen wir beispielsweise Start-ups mit dem Programm "TK-Accelerator" und vermitteln diesen jungen Unternehmen notwendiges Know-how. In wichtigen Innovationsfeldern fehlt es zum Teil aber auch an politischen Impulsen. Das ist wahrscheinlich ein Grund dafür, warum sich die Telemedizin bis heute nicht wirklich durchsetzen konnte. Was jedoch noch wichtiger ist: Uns fehlt eine Förderung von Innovationen, die nachhaltig angelegt ist - und auch so wirkt.

Der Innovationsfonds stellt doch mit Mitteln der Krankenkassen 300 Millionen Euro für Innovationsförderung zur Verfügung. Reicht das nicht?

Durch die Mittel des Innovationsfonds sind viele interessante Projekte entstanden. Allein die TK hat 50 Projekte bis Ende 2017 initiiert oder ist an ihnen beteiligt. Aber diese Projekte sind eher punktuell und zeitlich begrenzt. Deshalb setzen wir uns für ein verpflichtendes Innovationsbudget ein. Statt einen zentralistischen Fonds zweimal im Jahr über die zu fördernden Projekte entscheiden zu lassen, sollte jede Kasse eigenverantwortlich 2,50 Euro pro Versicherten und Jahr für innovative Projekte einsetzen. Mit dem Innovationsbudget wären wir schneller, flexibler und könnten besser Schwerpunktthemen setzen. So lassen sich langfristig stärkere Effekte erreichen.

Eine große Herausforderung kommt auch in Sachen Pflege auf uns zu - was muss sich hier tun, um auch in der Zukunft eine gute Versorgung mit ausreichend Pflegekräften sicherzustellen?

Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Das heißt, hier müssen zunächst einmal alle Beteiligten an einen Tisch. Das Ziel muss sein, die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Dabei darf der Fokus aber nicht nur auf Jobanfängern liegen - wir müssen uns vor allem auch um die bereits Ausgebildeten kümmern. Die Digitalisierung kann dabei helfen. Sie kann beispielsweise aufwändige Dokumentationsaufgaben vereinfachen, aber auch pflegende Angehörige entlasten. Wir setzen uns zum Beispiel dafür ein, dass die Pflegekassen auch Smart-Home-Technologien unterstützen dürfen - etwa Sensoren, die Stürze melden. Und mit unserem Online-Angebot "TK-Pflegecoach" bieten wir heute schon pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich Pflegewissen für zu Hause anzueignen.

 

Patientensicherheit in der Arztpraxis

In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt hat die TK mit der Goethe-Universität und einem Ärztenetz in Nürnberg ein digitales, praxisübergreifendes Fehlerberichts- und Lernsystem erprobt. Das Projekt mit 69 Praxen zeigt: Neben einer Online-Plattform sind Schulungen, Workshops und offener Austausch im Praxisteam notwendig, um kritische Ereignisse zu analysieren und sinnvolle Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.

 

Innovation konkret

Neues nicht nur auszuprobieren, sondern schnell für Versicherte nutzbar zu machen, gehört zum Selbstverständnis der TK. Dabei gilt: Viele Wege führen zur Innovation. So entstand der TK-PflegeCoach in Kooperation mit einer Hochschule, das Alexa-Skill TK -Smart Relax entwickelten TK-Mitarbeiter und mit Audimatch integriert die TK eine Start-up-Entwicklung in ihr Angebot.

Artikel drucken

Seite empfehlen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten.

Weitere Informationen