"Die nächste medizinische Revolution findet im Internet statt"

Dr. Jens Baas auf dem TK-Zukunftskongress

Die Zukunft im Visier

Operationen ohne Skalpell, Arztbesuche via Internet und Apps, die Krankheiten therapieren - die Digitalisierung bietet schon heute im Gesundheitswesen Möglichkeiten, die noch vor drei Jahrzehnten als unvorstellbar galten und zu jener Zeit noch zum Bereich der Science Fiction gehörten. Und der Patient von heute findet sich in diesem Zuge zunehmend in einem Spannungsfeld von medizinischem Hightech, Monitoring und Selbstvermessung wieder. Um die Perspektiven, Chancen und Risiken einer digitalen Gesundheitswelt zu diskutieren, trafen sich rund 300 Experten aus Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft im September 2015 zum TK-Zukunftskongress in Berlin.

 TK-Zukunftskongress 2015

So war der #zukon15Herunterladen im Mediacenter

Digitale Versorgungsformen kommen im Alltag an

Der Weg in den medizinischen Alltag ist für neue digitale Versorgungsformen außerhalb des Labors oft steinig. Dennoch bahnen sie sich Stück für Stück ihren Weg: So gibt es bereits erste Praxiserprobungen mit Video-Sprechstunden unter Alltagsbedingungen, Mausklick-Operationen mit Ultraschall und telemedizinische Monitoringverfahren für chronisch kranke Menschen. Und auch die von den Krankenkassen finanzierten Hilfsmittel erleben regelmäßige Innovationsschübe, die für manchen nach wie vor wie Zukunftsmusik klingen: Ob bionische Handprothesen, die die Finger mit Muskelsignalen aus dem Oberarm ansteuern, oder intelligente Westen, die einen Herzstillstand erkennen können oder auch Bluetooth-fähige Blutzuckermessgeräte der neuesten Generation: Modernste elektronische Hilfsmittel gehören längst zum Versorgungsalltag. Und durch das Internet der Dinge erweitern sich die Möglichkeiten, indem sich Geräte und Gesundheitsdaten zum Nutzen der Patienten miteinander vernetzen. Damit kann nicht nur mehr Transparenz hergestellt und zum Beispiel eine drohende Verschlechterung einer Erkrankung vorhergesagt werden, bevor diese eintritt. Inzwischen können Ärzte sogar notwendige Einstellungen bei immer mehr medizintechnischen Geräten aus der Ferne vornehmen und Krankheiten auf diese Weise behandeln, ohne den Patienten vor sich zu haben.

"Remote care" - medizinische Betreuung via Internet

Ein solches Beispiel für die fernmedizinische Behandlung („remote care“) ist ein TK-Programm zur telemedizinischen Nachsorge von Cochlea-Implantaten bei Kindern. Dabei helfen remotefähige Hightech-Implantate gehörlosen Menschen, Sprache und Geräusche wieder wahrzunehmen. Das Besondere dabei: Da die speziell geschulten Spezialisten die Einstellungen online vornehmen, erspart das den sonst notwendigen Krankenhausaufenthalt. Ähnliche Möglichkeiten bieten andere implantierbare Devices - vom Herzschrittmacher über den Defibrillator bis zur Insulinpumpe. Hightech macht es inzwischen möglich.

Teilnehmer des Zukunftskongresses

Rund 300 Experten aus Politik, Gesundheitswesen und Wissenschaft trafen sich im September 2015 auf dem TK-Zukunftskongress in Berlin.

 

Akzeptanz für E-Healh ist hoch

Die Akzeptanz solcher Angebote ist bei den Versicherten hoch: Die Mehrzahl interessiert sich nicht nur für E-Health-Angebote, sondern greift auch aktiv zu, wenn der persönliche Nutzen nachvollziehbar ist. So haben rund 300.000 bei der TK versicherte insulinpflichtige Diabetiker Zugang zu einem elektronischen Diabetes-Tagebuch, bei dem der Blutzuckerwert via Bluetooth direkt auf das Smartphone übertragen wird. Und die Zahl der Nutzer steigt ständig.

Und auch das Internet nutzen immer mehr Menschen aller Altersgruppen, um ihre Gesundheit zu fördern: So haben allein im vergangenen Jahr mehr als 500.000 einen Internet-Gesundheitscoach der TK genutzt. Und Umfragen belegen, dass ein großer Bedarf nach mehr digitalen Angeboten auch im medizinischen Alltag besteht: So möchte jeder zweite Versicherte inzwischen online mit seinem Arzt kommunizieren. Zwei von drei Patienten wünschen sich eine digitale Plattform für den elektronischen Daten- und Informationsaustausch mit ihrer Arztpraxis. Und jeder Dritte will seinen Arzttermin online buchen können.

 TK-Zukunftskongress 2015

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Digitale Gesundheit ist mobil

Dabei ist nicht mehr der heimische Computer der gängige Zugangsweg - digitale Gesundheit ist längst mobil. Mit Apps der TK auf dem Smartphone lassen sich ICD-Verschlüsselungen decodieren, die persönliche Belastung durch den aktuellen Pollenflug prognostizieren und der virtuelle Gesundheitscoach aufrufen und bedienen. Und auch das Tracking von Gesundheitsdaten liegt im Trend. So motivieren sich immer mehr Menschen selbst, indem sie sich eigene kleine Gesundheitsziele setzen und ihren Fortschritt durch elektronische Helfer sichtbar machen - ein Mechanismus, der sich nicht nur für Fitness-Orientierte eignet, sondern auch bei kranken Menschen wirkt: Gesundheits-Apps unterstützen das Selbstmanagement und erhöhen die Adhärenz, so die Forscher des Universitätsklinikums Freiburg in einer App-Studie.

Big Data - die Daten der Welt für die persönliche Gesundheit

Als wesentliche Herausforderung diskutierten die Experten auf dem Zukunftskongress dann auch die Fragen des Datenschutzes und der Frage, wie der permanente Umgang mit digitalen Hilfsmitteln das Leben von Erwachsenen und Heranwachsenden prägt und wo es auch Schaden anrichten kann. Als eine große Chance diskutierten sie das Thema Big Data, also die Analyse und Verknüpfung großer Datenmengen. Auf diese Weise könnte mithilfe internationaler Daten und Studien die Therapie von Patienten individueller und zielgerichteter werden: "Die nächste medizinische Revolution findet im Internet statt", so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Den Mittelpunkt dieses digitalen Gesundheitswesens bildet dabei eine persönliche Gesundheitsakte. Darin hält der Patient seine eigenen Gesundheitsdaten fest und autorisiert Dritte für den Zugang. So wird es möglich, eine auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Antwort auf individuelle Therapiefragen mit Hilfe von international verfügbaren Studiendaten zu finden - Big Data macht es möglich, das Wissen der Welt für die individuelle Gesundheit zu nutzen.

Ein Highlight: Die Keynote von Prof. Dr. Gunter Dueck

Mit seinem kurzweiligen Vortrag "Gesund in der digitalen Welt" hatte der Mathematiker, Autor und Philosoph Prof. Dr. Gunter Dueck den Zukunftskongress der Techniker Krankenkasse in Berlin eröffnet. In seinem rund 45 minütigem warf er einen sehr intelligenten wie unterhaltsamen Blick auf die unterschiedlichsten Aspekte der Digitalisierung und sorgte nicht nur für viel zustimmendes Nicken sondern auch für den einen oder anderen Lacher. Die gesamte Keynote gibt es hier zu sehen: #zukon15: Keynote von Prof. Dr. Gunter Dueck.

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