Kleine Panne mit großer Wirkung - die Erfindung des Penicillins

Es war der 28. September 1928, als Alexander Fleming eine der wichtigsten Entdeckungen der Medizingeschichte machte. Als der Forscher an diesem Morgen in sein Labor kam, sah er, dass bei einem seiner Versuche etwas schiefgegangen war. Schimmel hatte sich in einer der Glasschalen ausgebreitet, die zu einem Experiment gehörten. Fleming wollte den Inhalt der Schale eigentlich wegwerfen. Doch zum Glück warf er einen genaueren Blick darauf. So entdeckte Fleming das Penicillin. Warum dieser Zufallsfund so wichtig war, erklärt Dir TK-Logo.

 

Bestimmt hast Du schon mal Schimmel auf einer Scheibe Brot oder einem Stück Obst gesehen - sieht ganz schön eklig aus, oder? Auch Alexander Fleming war zuerst nicht begeistert, als er den Schimmel sah. In den Glasschalen hatte Fleming Staphylokokken gezüchtet. Diese Bakterien können gefährliche Krankheiten wie Lungenentzündung auslösen und Fleming wollte herausfinden, wie man die Erreger bekämpfen kann. Denn ein solches Mittel gab es bis dahin noch nicht.

 

Schimmeliges BrotAuf Lebensmitteln ist Schimmel schädlich! © iStockphoto.com/Arletta Cwalina

Was entdeckte Fleming?

Fleming schaute sich die Schale mit der verschimmelten Bakterienkultur genau an und bemerkte: Dort, wo sich der Schimmelpilz angesiedelt hatte, gab es keine Staphylokokken! Fleming schloss daraus, dass der Pilz einen Stoff produziert, der die Bakterien zerstört. Diesen Stoff nannte er Penicillin, in Anlehnung an den lateinischen Namen des Schimmelpilzes. Fleming hatte also ein Mittel gegen bakteriellen Erkrankungen gefunden. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis die ersten Patienten Penicillin einnehmen konnten.

 

Winzige Lebewesen: Schimmelpilze und Bakterien

Schimmelpilze sind ganz kleine Lebewesen, die Du einzeln nur unter dem Mikroskop erkennen kannst. Es gibt viele verschiedene Arten von Schimmelpilzen. Um sich zu vermehren, bilden sie so genannte Sporen, die sie in die Luft abgeben. Das kannst Du Dir so ähnlich vorstellen wie Blütenpollen, die im Frühling durch die Luft fliegen und Heuschnupfen auslösen können. Auch die Sporen von Schimmelpilzen schwirren durch die Luft, aber sie sind so winzig, dass wir sie nicht sehen können. Wenn sie zum Beispiel auf einer Orange landen, schlagen sie sozusagen Wurzeln: Schimmel-Fäden wachsen und dringen in das Lebensmittel ein. Nach und nach bildet sich ein ganzes Netz aus Fäden, das Du dann als Schimmelrasen auf der Orange sehen kannst.

Bakterien sind die kleinsten Lebewesen auf der Erde. Auf einem Stecknadelkopf hätten etwa eine Billion (1.000.000.000.000!) dieser Winzlinge Platz. Allein auf unserer Haut leben rund sechs Milliarden von ihnen. Fast so viele, wie die gesamte Weltbevölkerung. Außerdem tummeln sie sich im Mund, im Magen und im Darm und vielen anderen Stellen des Körpers. Es gibt viele verschiedene Arten von Bakterien. Die meisten sind für uns Menschen sehr nützlich, manche sogar lebenswichtig. Denn sie schützen uns zum Beispiel davor, dass krankmachende Erreger in den Körper eindringen oder sich dort ausbreiten. Auf andere Bakterien könnten wir allerdings gut und gern verzichten, denn sie lösen gefährliche Erkrankungen aus. So wie die Staphylokokken ...

Von der Entdeckung zum Medikament

Erst zwölf Jahre später, 1940, gelang es den Wissenschaftlern Howard Florey und Ernst Chain, reines Penicillin aus Schimmelpilzen zu gewinnen. Sie testeten das Penicillin an Tieren und Menschen und konnten beweisen, dass es bakterielle Erkrankungen stoppen kann. Das war eine Sensation, ein solches Medikament hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Viele Menschen waren deshalb an Krankheiten wie Tuberkulose gestorben. Heute können wir solche Krankheiten mit Antibiotika wie Penicillin bekämpfen. Weil das Penicillin so wichtig ist, erhielt Alexander Fleming zusammen mit Howard Florey und Ernst Chain im Jahr 1945 den Nobelpreis für Medizin.

 

Staphylokokken

Diese Bakterien leben auf und in unserem Körper. Wenn unser Immunsystem geschwächt ist, können sie zum Beispiel Hautinfektionen, Muskelerkrankungen oder noch gefährlichere Krankheiten wie Lungenentzündung auslösen.

Was ist ein Antibiotikum?

Ein Antibiotikum ist ein Medikament, das Bakterien abtötet oder ihr Wachstum aufhält. Penicillin gehört zu dieser Medikamentengruppe und war eines der ersten Antibiotika. Noch heute suchen Forscher immer weiter nach neuen Mitteln gegen krankmachende Bakterien. Der Grund: Die Erreger stellen sich nach und nach auf die bekannten Antibiotika ein, sodass diese nicht mehr richtig wirken können. Man spricht auch davon, dass die Bakterien resistent geworden sind. "Resistent" bedeutet widerstandsfähig.

 

Übrigens: Viele Menschen sagen: "Der Arzt hat mir ein Antibiotika verschrieben." Das ist falsch. Die Einzahl heißt nämlich "Antibiotikum", "Antibiotika" ist die Mehrzahl.