Tierärztin/Tierarzt

Interview mit der Tierärztin Jana Rafael

Vielleicht musstest Du mit Deinem Haustier auch schon einmal zum Tierarzt? Für viele Kinder ist Tierarzt ein Traumberuf - denn sie lieben Tiere. Aber was machen Tierärzte eigentlich genau und wie kann man Tierarzt beziehungsweise Tierärztin werden? Diese und andere Fragen beantwortet Tierärztin Jana Rafael, die eine Tierarztpraxis in Berlin hat.

 

Tierärztin Jana Rafael mit Katze auf dem Arm.Tierärztin Jana Rafael mit Katze "Hinki", die in der Praxis wohnt. © icomedias

Viele Kinder wollen Tierarzt werden - wie wird man das?

Jana Rafael: Wer Tierärztin oder Tierarzt werden will, muss Veterinärmedizin, das heißt Tiermedizin, studieren und vorher ein gutes Abitur gemacht haben, denn das Studienfach ist sehr beliebt. Nur sehr gute Abiturienten bekommen direkt einen Studienplatz. Im Studium hat man am Anfang erst einmal grundlegende Fächer wie Chemie, Mathematik und Physik. Das ist das Grundstudium. Später geht es dann los mit Anatomie. Das heißt, man lernt, wie die Körper von Tieren aufgebaut sind. Man studiert, wie man verschiedene Tiere aufzieht, hält und ernährt, und natürlich auch, welche Krankheiten es gibt. Im Fach Chirurgie lernt man, wie man Tiere operiert. Vom Vogel übers Meerschweinchen bis zum Pferd stehen im Prinzip alle Tierarten auf dem Lehrplan.

 

Tierärztin untersucht Katze mit einem Stethoskop.Das Stethoskop ist ein wichtiges Instrument bei Untersuchungen. Damit wird die Lunge abgehört. © icomedias

Arbeiten alle Tierärzte in einer Praxis?

Nein, die Berufe, in denen Tierärzte arbeiten, sind breit gefächert. Viele Tierärzte arbeiten in der Landwirtschaft oder Tierzucht. Dieses Berufsfeld nennt man Großtiermedizin. Typische Patienten sind hier Kühe oder Pferde. Auch ich habe erst auf dem Land mit Großtieren gearbeitet. Das ist eine körperlich anstrengende Arbeit und man muss bei Wind und Wetter raus zu den Tieren. Das Schöne ist, dass man viel in der Natur und an der frischen Luft ist. In meiner jetzigen Kleintierpraxis behandele ich dagegen vor allem Haustiere. Zu solchen Kleintieren hat man eine andere Beziehung, da sie mit im Haus leben - im Gegensatz zu Schweinen und Pferden. Die meisten Menschen kommen mit ihren Hunden und Katzen zu mir, viele Kinder auch mit Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamstern. Tierärzte werden aber auch in Ämtern gebraucht, um zum Beispiel die Bedingungen in Tierpensionen oder Schlachthöfen zu kontrollieren. Andere arbeiten in der Forschung.

 

Tierärztin schaut Katze mit einem Otoskop ins Ohr. Otoskop heißt das Instrument, mit dem Ärzte Mensch und Tier gut in die Ohren schauen können. © icomedias

Wie sieht Ihre Arbeit als Tierärztin genau aus?

Einerseits berate ich Menschen, die Tiere haben oder anschaffen möchten. Das heißt, ich erkläre ihnen, wie man die Tiere am besten hält und ernährt sowie Krankheiten vorbeugt. Andererseits kommen Tierbesitzer natürlich, wenn ihr Tier ein Leiden hat. Neben speziellen Tiererkrankungen sind es solche Beschwerden, die auch Menschen haben. Zum Beispiel wenn ein Tier nicht mehr richtig laufen kann, wenn es hustet oder Durchfall hat. Die Schwierigkeit im Vergleich zu menschlichen Patienten ist, dass ein Tier selbst nicht sagen kann, was es hat. Als Tierärztin muss ich dann auf das Beobachtungsvermögen des Tierhalters zurückgreifen. Denn er kennt sein Tier und dessen Gewohnheiten in der Regel sehr gut und kommt in die Praxis, sobald er eine Veränderung merkt. Zudem helfe ich bei Geburten, also wenn Tiere Kinder kriegen. Neben der Behandlung von Tieren muss ich meine Praxis in Schuss halten, Abrechnungen machen und mich weiterbilden. Denn es gibt immer wieder neue gesetzliche Bestimmungen oder neue Forschungserkenntnisse über Erkrankungen, neue Medikamente und Operationsmethoden.


Tierärztin hält eine Spritze neben einer Katze.Auch Tiere kriegen nicht gerne eine Spritze. Wie Kinder müssen aber auch kleine Katzen geimpft werden. © icomedias

Müssen Sie häufig Tiere operieren?

Es gibt bestimmte Routineoperationen, also Operationen, die häufig durchgeführt werden. Dazu gehört die Kastration von Tieren, vor allem von Katzen und Katern oder auch männlichen Kaninchen- und Meerschweinchen. Denn da können sonst Probleme im Verhalten der Tiere untereinander auftreten. Damit es nicht zu Rangkämpfen oder schlimmen Beißereien kommt, werden den Tieren die männlichen Geschlechtsteile entfernt, damit die Hormone, die dort sonst produziert würden, sozusagen keinen schlechten Einfluss auf den Charakter des Tieres nehmen.

 

Was sollte jemand mitbringen, der Tierarzt werden will?

Als erstes Mal die Liebe zum Tier! Es ist auch wichtig, eine gute Beobachtungsgabe zu besitzen, um bei Tieren anhand von Farb- oder Geruchsveränderungen feststellen zu können, worunter sie leiden. Natürlich muss man Blut sehen und mal schlechte Gerüche vertragen können. Auch Mathematik spielt eine Rolle, weil man ja die Dosis-Einheiten für Medikamente und Spritzen ausrechnen muss. Wer Tierarzt werden will, muss zudem damit umgehen können, dass in diesem Beruf nicht alles schön ist. Zum Beispiel muss ein Tier bei manchen Untersuchungen Schmerzen erleiden. Außerdem gibt es Situationen, in denen ein Tier so schwer krank ist, dass man es in Absprache mit seinem Halter erlöst und für immer einschlafen lässt.

 

Besondere Patienten

Ab und zu behandelt Jana Rafael auch außergewöhnliche Tiere. "Ich habe schon einmal einen Zirkuslöwen operiert. Einmal war eine Grüne Meerkatze, das ist eine Affenart, in der Praxis. Auch Schlangen und Schildkröten lagen schon auf dem Behandlungstisch", erzählt die Tierärztin.

Tierliebe allein reicht also nicht aus, um ein guter Tierarzt zu sein?

Man muss natürlich liebevoll mit den Tieren umgehen, aber man muss bei den Tieren auch zupacken und durchgreifen können. Und man muss nicht nur mit Tieren, sondern auch mit Menschen gut umgehen können. Im Gespräch mit den Tierhaltern ist Einfühlungsvermögen gefragt, denn für viele ist das Haustier ihr Ein und Alles. Insgesamt ist der Tierarztberuf ein sehr schöner Beruf, auch wenn man nicht immer allen Tieren helfen kann.