Geburtsstunde der Musikindustrie

MP3-Player, Flashspeicher, Tonchip. Knopfkopfhörer - Musikhören, wo wir gehen und stehen, das ist heute selbstverständlich. Früher wäre es unvorstellbar gewesen. Es gab schlichtweg keine Möglichkeit, Musik zu "speichern" - bis Thomas Edison eine geniale Idee hatte ...

 

Der Erfinder hatte als Erster den Einfall, Musik aufzuzeichnen und damit ein zweites, drittes oder gar viertes Mal hörbar zu machen. Der Wissenschaftler wurde 1847 in Ohio (USA) geboren. Schon als Junge begann er zu tüfteln und führte erste physikalische Experimente durch.

Thomas Alva EdisonThomas Alva Edison (1847-1931) © Wikimedia Commons  

Erstmals Musik aus der Konserve

Als Edison mit 30 Jahren bereits wissenschaftlicher Leiter eines berühmten Instituts in New Jersey war, erfand er 1877 den sogenannten Phonographen. Es war das erste Gerät, mit dem Menschen Geräusche oder Musik aufnehmen und später immer wieder abspielen konnten. Das Wort Phonograph kommt vom griechischen "Phon" - das heißt soviel wie Laut oder Ton. Das griechische "Graphein" steht für Schreiben.

 

Wie funktionierte ein Phonograph?

Edison baute einen großen Trichter. Daran war eine Membran - also so etwas wie eine dünne Folie - und eine kleine Nadel befestigt. Die Nadel berührte einen Zylinder, der mit Wachs überzogen war. Drehte man den Zylinder mit Hilfe einer Kurbel und sprach oder sang gleichzeitig in den Trichter, brachten die Schallwellen die Membran in Bewegung. Entsprechend der Bewegungen der Membran zeichnete die Nadel die Schwingungen aus dem Trichter in das Wachs. Das muss man sich als kurvige Rillen im Wachs vorstellen. So wurden die Töne auf den Zylinder übertragen.

Wollte man die Töne hören, musste man die Nadel wieder an den Anfang des Zylinders stellen und erneut die Kurbel drehen. Man darf sich die so aufgezeichneten Geräusche allerdings nicht annähernd so vorstellen wie die heute auf einem MP3-Player gespeicherte Musik! Im Vergleich dazu klangen die Töne aus dem Phonograph ziemlich kratzig, undeutlich und verrauscht.

 

Das Gerät hatte mehrere Schwachstellen:

  • Der Zylinder musste möglichst immer mit der gleichen Geschwindigkeit gedreht werden. Die Musik wurde sonst unregelmäßig aufgezeichnet und der Ton leierte.
  • Wenn der Wachszylinder zu Ende gedreht war, endete auch die Musikaufzeichnung - ganz gleich, ob das Konzert schon vorbei war.
  • Die Walze mit dem Wachs nutzte sich schnell ab.
  • Beim Anhören, also beim zweiten Drehen der Kurbel, nahm der Phonograph wieder alle Geräusche auf, denn der Phonograph ist zugleich Aufnahme- und Abspielgerät.
  • Von den Wachswalzen ließen sich keine Kopien herstellen. Wollte man also mehrere Aufnahmen haben, musste man gleichzeitig mehrere Geräte verwenden oder die Musik mehrmals hintereinander singen. Eine Zeitlang gab es dafür sogar einen eigenen Beruf, den so genannten Walzensänger.

 

PhonographSo sah der erste Phonograph aus. © Wikimedia Commons/ N.Bruderhofer Dennoch war die Erfindung ein großer Fortschritt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es keine Möglichkeit gegeben, Livemusik "haltbar" zu machen. Mit dem Phonographen wurde es erstmals möglich, Musik aufzunehmen und die Konserve später wieder abzuspielen.

1887 verbesserte Emil Berliner das Gerät und baute das erste Grammophon. Statt mit einer Walze wie beim Phonographen zeichnete man die Töne hier auf einer Schallplatte auf und konnte Kopien herstellen. Der Phonograph ging als Vorläufer der modernen Unterhaltungsindustrie mit Plattenspieler, CD- und MP3-Player in die Geschichte ein.

 

Übrigens: Thomas Edison ...

gehört zu den bedeutendsten Erfindern, die es je gegeben hat. Das Multitalent entwickelte das Telefon, die Filmkamera, die Glühbirne und weitere 2000 Apparaturen und elektrische Verfahren. Nach seinen Plänen wurde weltweit erstmals ein Elektrizitätswerk in Betrieb genommen, das in New York 5000 Straßenlampen gleichzeitig zum Leuchten brachte. Insgesamt hat der Erfinder in seinem Leben rund 1300 Patente angemeldet.