Warum gibt es Schaltjahre?

Alle vier Jahre – bis auf wenige Ausnahmen – wird der Februar um einen Tag verlängert. Dann haben wir ein Schaltjahr. Was da geschaltet wird? Man bringt die Zeitrechnung des Menschen wieder mit der Natur in Gleichtakt. Warum das nötig ist, erklärt Dir TK-Logo.

 

Kennst Du jemanden, der am 29. Februar Geburtstag hat? Wahrscheinlich würdest Du nicht so gerne mit ihm oder ihr tauschen wollen. Denn dieser Tag taucht nur alle vier Jahre im Kalender auf. Genau genommen kann also nur alle vier Jahre eine Geburtstagsparty gefeiert werden. Manche finden das vielleicht toll, weil das besonders ist und sie glauben, dann nicht so schnell alt zu werden. Aber ob das so stimmt? Die meisten werden ihren Geburtstag trotzdem jedes Jahr feiern, und zwar schon am 28. Februar. Ganz schön verwirrend, diese Sache mit der Zeit und dem Kalender.

 

Kalender für den Monat FebruarGeburtstag am 29. Februar - nur alle vier Jahre feiern? © icomedias

In der Natur geht nicht immer alles glatt

Das liegt daran, dass die Zeitrechnung des Menschen nicht ganz exakt mit dem Rhythmus der Natur zusammenpasst. Der Jahresrhythmus ist von der Sonne vorgegeben, und um das Jahr zu unterteilen, bieten sich eigentlich die Mondzyklen an, von denen es pro Jahr ungefähr 12 gibt. Leider nur ungefähr. Wenn die Welt einfach wäre, hätte das Jahr vielleicht 360 Tage und die Zeit zwischen zwei Vollmonden betrüge 30 Tage. Dann könnte man ein Jahr glatt in 12 Monate zu je 30 Tagen einteilen. Leider ist die Natur nicht so einfach.

 

Die Erde braucht 365 Tage, 5 Stunden und 49 Minuten, um die Sonne zu umrunden. Ein Sonnenjahr dauert also fünf und knapp einen Viertel Tag länger als 360 Tage. Von einem Vollmond zum nächsten vergehen 29 Tage, 12 Stunden und 43 Minuten. Ein idealer Mond-Monat (die beiden Worte sind übrigens genau deshalb verwandt) ist also fast einen halben Tag kürzer als 30 Tage. Wenn Ihr das mal vergleicht, stellt Ihr fest: in ein Sonnenjahr passen 12 Mond-Monate – und dann bleibt leider noch ein Rest von 10 Tagen, 23 Stunden und 13 Minuten.

 

Mit diesen unvollständigen Tagen und Resten plagen sich die Menschen schon seit vielen Tausend Jahren. Mit Kalendern wollen sie Ordnung in den Ablauf von Tag und Nacht und wiederkehrenden Jahreszeiten bringen, damit sie ihr Leben besser planen können. In einem Kalender kann es allerdings nur ganze Tage und ganze Monate geben.

 

Sonnenkalender und Mondkalender

Einige Kulturen haben sich mit ihren Kalendern an der Sonne, andere am Rhythmus des Mondes orientiert. Die alten Ägypter waren Anhänger der Sonne. Sie hatten schon um 4000 vor Christus einen Kalender entwickelt, mit einem Sonnenjahr von 365 Tagen. Sie teilten es in 12 Monate zu je 30 Tagen, 5 Zusatztage gab es pro Jahr. Sie wurden ans Ende verlegt und den Göttern geweiht.

 

Die Babylonier dagegen lebten um etwa 1600 vor Christus nach einem Mondkalender, ebenso die alten Römer. Bei einem reinen Mondkalender sind die Monate entweder 29 oder 30 Tage lang. Weil immer ein Rest zum Sonnenjahr bleibt, verschieben sich die Jahreszeiten und die Monate zueinander. Mit einem solchen Kalender könnte es uns also passieren, dass Weihnachten alle paar Jahre im Sommer liegt. Beim Islamischen Kalender, der für Muslime immer noch gilt, ist das übrigens so: der Fastenmonat Ramadan wandert quasi von Jahr zu Jahr langsam durch die Jahreszeiten.

 

Büste von Gaius Julius Caesar Diese Büste zeigt Gaius Julius Caesar. © wikipedia.de/Louis le Grand (gemeinfrei)

Caesars "Anleihen"

Um ihre Kalender an das Sonnenjahr anzupassen, haben die Menschen sich einen Trick ausgedacht: sie führten Schaltjahre ein. Alle paar Jahre wurde ein Monat um einen oder mehrere Tage verlängert. Als der römische Herrscher Julius Caesar um das Jahr 50 vor Christus von seinen Kriegszügen aus Ägypten zurückkam, nahm er sich den ägyptischen Kalender zum Vorbild für einen neuen Sonnenkalender. Dieser wurde ihm zu Ehren Julianischer Kalender genannt, ebenso übrigens wie der Monat Juli.

 

Die 12 Monate waren entweder 30 oder 31 Tage lang, hatten also nicht mehr so viel mit dem Mond zu tun. Und Caesar verfügte, dass jedes vierte Jahr ein zusätzlicher Tag eingeführt werden sollte, und zwar im Februar. Das war damals der letzte Monat im römischen Jahr. Damit kam Caesar auf 365 Tage plus einen Tag alle vier Jahre. Das entspricht einem Viertel Tag pro Jahr. Diese 365 Tage und 6 Stunden waren schon eine ziemlich gute Annäherung an das Sonnenjahr.

 

Neue Regeln für Schaltjahre

Nun war es allerdings 11 Minuten zu lang. Auf die Dauer machte sich auch diese kleine Differenz bemerkbar. Im Verlauf von einigen Jahrhunderten verschob sich deshalb der Frühlingsanfang vom 21. März immer mehr in Richtung Februar. Im Jahr 1582 schließlich waren schon zehn Tage zusammengekommen. Da schritt Papst Gregor der XIII. ein. Er ließ einen neuen, den Gregorianischen Kalender berechnen, nach dem wir auch heute noch leben. Mit einem großen Ruck verschob er die Tage so, dass sie wieder zu den Jahreszeiten passten: Er ließ zehn Tage ausfallen. Und so folgte auf den 4. Oktober 1582 gleich der 15. Oktober 1582.

Damit eine solch ungewöhnliche Maßnahme nicht noch einmal nötig wurde, entwickelten Astronomen auch neue Regeln für die Schaltjahre. Sie waren etwas komplizierter, als die von Julius Caesar, dafür aber auch sehr viel genauer. Für ein Schaltjahr, das um einen Tag verlängert wurde, mussten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Jahreszahl muss durch 4 teilbar sein,
  • wenn sie zusätzlich durch 100 teilbar ist, ist es kein Schaltjahr,
  • es sei denn, sie ist durch 400 teilbar.

Mit Filzstift bemalter Zettel2008 war ein Schaltjahr, denn: 2008 ist durch 4 glatt teilbar, aber nicht durch 100. © icomedias

Gute Idee? Das fanden nicht alle

Mit dieser neuen Regel kommt es erst ungefähr alle 3300 Jahre zu einer Verschiebung von einem Tag gegenüber dem Sonnenjahr. Obwohl die Idee also gut war, fand der neue Kalender nur langsam Verbreitung. Denn Papst Gregor XIII. war katholisch, und in orthodoxen, jüdischen oder islamischen Ländern hatte er keine Autorität. So hat es bis ins letzte Jahrhundert gedauert, bis sich dieser Kalender überall durchsetzte.

Vom Julianischen Kalender ist übrigens noch das orthodoxe Weihnachtsfest übrig geblieben: Es findet derzeit am 7. Januar statt, rund 13 Tage nach dem 25. Dezember.

 

Zum Abschluss noch ein kleiner Test...

In welchem dieser Jahre konnten Menschen auch am 29. Februar ihren Geburtstag feiern? Kleiner Tipp: Mehrere Antworten sind richtig!

  • 1900
  • 1994
  • 2000
  • 2012

Hier erfährst Du, ob Du richtig gerechnet hast.

  • 1900 - ist durch 4 und 100 teilbar, aber nicht durch 400 - also kein Schaltjahr!
  • 1994 - ist nicht durch 4 teilbar - kein Schaltjahr!
  • 2000 - ist durch 4 und 100 und 400 teilbar - Schaltjahr!
  • 2012 - ist durch 4 teilbar, aber nicht durch 100 - ebenfalls ein Schaltjahr!