StartseiteGesundheit fördernSchwangerschaft & GeburtGesundheitswissenSchwangerschaftsdiabetes - der weibliche Stoffwechsel im Ausnahmezustand
Schwangerschaftsdiabetes - der weibliche Stoffwechsel im Ausnahmezustand
Mit der Schwangerschaft verändert sich nicht nur das tägliche Leben der werdenden Eltern: Um den Nachwuchs mit genügend Energie zu versorgen, stellt sich der weibliche Zuckerstoffwechsel vorübergehend um. Dabei kann ein sogenannter Gestations- oder Schwangerschaftsdiabetes entstehen.
–
Karoline Höß, Dres. Schlegel + Schmidt Medizinische Kommunikation GmbHWas ist ein Schwangerschaftsdiabetes?Während einer Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt einer Frau stark. Davon ist auch der Zuckerstoffwechsel betroffen: Die Zellen im Körper der Mutter nehmen Zucker aus dem Blut langsamer auf. Bei manchen Frauen bleiben die Blutzuckerwerte dadurch im Verlauf der Schwangerschaft zu hoch, dann sprechen Fachleute von einem Gestations- oder Schwangerschaftsdiabetes. Ähnlich wie bei Diabetes mellitus Typ 2 reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin, es liegt eine sogenannte Insulinresistenz vor.Bin ich jetzt für immer Diabetikerin?Ein Schwangerschaftsdiabetes bedeutet nicht, dass Sie an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 erkrankt sind. In den weitaus meisten Fällen normalisieren sich die Blutzuckerwerte nach dem Ende der Schwangerschaft sehr schnell wieder. Sollten Sie bereits vor Beginn der Schwangerschaft die Diagnose Diabetes mellitus erhalten haben, könnte dieser Artikel interessant für Sie sein: "Optimal eingestellt: Diabetes mellitus und Schwangerschaft" .Wie häufig ist Schwangerschaftsdiabetes?In Deutschland entwickelte im Jahr 2022 etwa eine von zwölf Schwangeren einen Gestationsdiabetes. Unter folgenden Umständen kann Ihr persönliches Risiko hierfür erhöht sein:Wenn bei Ihnen in einer früheren Schwangerschaft ein Schwangerschaftsdiabetes vorlagWenn Sie Übergewicht habenWenn Sie älter als 35 Jahre sindUnabhängig von ihrer individuellen Situation kann aber grundsätzlich jede Schwangere von einem Gestationsdiabetes betroffen sein.Wie wird Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?Normalerweise verursacht der erhöhte Blutzucker in der Schwangerschaft keine spürbaren Symptome. Starker Durst, häufiges Wasserlassen oder Müdigkeit werden meist erst durch sehr hohe Zuckerwerte im Blut verursacht und häufig mit normalen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft verwechselt. Screening für alle Schwangeren - der kleine ZuckertestUm einen möglichen Gestationsdiabetes zu erkennen, wird deshalb im Rahmen der Routine-Untersuchungen in der Schwangerschaft der sogenannte kleine Zuckertest angeboten. Bei diesem Vortest trinken Sie ein Glas Wasser mit 50 Gramm Traubenzucker, im Anschluss wird Blut aus der Armvene entnommen und der Blutzucker gemessen. Liegen Ihre Zuckerwerte in diesem Test über dem Normbereich, wird ein weiterer, etwas umfangreicherer Test durchgeführt. Die Teilnahme am Screeningtest ist freiwillig.Die Diagnose sichern - der große ZuckertestFür den Diagnosetest, auch oraler Glukosetoleranztest genannt, müssen Sie nüchtern sein. Das bedeutet, dass Sie in den acht Stunden vor dem Test nur stilles Wasser zu sich nehmen dürfen. Als Erstes wird Ihnen Blut aus der Armvene abgenommen, dann trinken Sie eine Flüssigkeit, die 75 Gramm Traubenzucker enthält - ähnlich wie beim kleinen Zuckertest. Nach einer und nach zwei Stunden wird Ihnen erneut Blut abgenommen. Liegt einer der gemessenen Blutzuckerwerte über der festgelegten Grenze, wird die Diagnose Gestationsdiabetes gestellt.Auf Wunsch kann auch nur der große Zuckertest durchgeführt werden. Ohne auffälligen Vortest müssen Sie die Kosten dafür allerdings selbst tragen. Beide Tests bergen keine Risiken für das ungeborene Kind.Kann Schwangerschaftsdiabetes meinem Kind schaden?Ein Gestationsdiabetes kann das Risiko für verschiedene Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt leicht erhöhen:Durch die höhere Zuckermenge, die im Körper des Kindes ankommt, kann sein Geburtsgewicht auf über 4.000 Gramm ansteigen. Das kann in manchen Fällen die Geburt erschweren oder einen Kaiserschnitt notwendig machen.Bei Kindern mit erhöhtem Geburtsgewicht kann es unter Umständen passieren, dass die Schulter im Geburtskanal hängenbleibt. Hierbei kann es zu leichten Verletzungen von Mutter oder Kind kommen, die aber in der Regel folgenlos abheilen.Nach der Geburt kann es sein, dass Ihr Kind für kurze Zeit Atemprobleme oder einen zu niedrigen Blutzucker hat. Wegen dieser möglichen Unterzuckerung ist es wichtig, das Baby innerhalb der ersten halben Stunde nach der Geburt zu füttern oder zu stillen .Die meisten Frauen mit leicht erhöhtem Blutzuckerspiegel in der Schwangerschaft bringen ein gesundes, normal großes Kind zur Welt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Ihre Blutzuckerwerte und darüber, welche Behandlung für Sie sinnvoll ist. Wie sieht die Behandlung aus?Der wichtigste Ansatz in der Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes sind Anpassungen im Alltag. Sie werden dabei unterstützt, sich ausgewogen zu ernähren und regelmäßig zu bewegen. Da die Versorgung des wachsenden Kindes mit Nährstoffen an erster Stelle steht, handelt es sich hierbei nicht um eine Diät. Um den Blutzuckerspiegel zu senken, werden vor allem Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und frisches Gemüse empfohlen. Obst und Fruchtsäfte enthalten viel Fruchtzucker und sollten nur mäßig verzehrt werden. Statt zu zuckerhaltigen Getränken wie Softdrinks oder Eistee greifen Sie lieber zu Wasser oder ungesüßtem Tee. Regelmäßige Bewegung - etwa in Form zügiger Spaziergänge - kann zu einem stabilen Blutzuckerspiegel beitragen und außerdem einer zu großen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft entgegenwirken. Welche Bewegungsart für Sie und Ihr Kind infrage kommt, können Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt besprechen.Bei etwa einem Viertel der Betroffenen reicht eine Lebensstiländerung nicht aus, um den Blutzucker ausreichend zu senken. Dann kann eine Insulintherapie erforderlich werden. Diese hat keinerlei Auswirkungen auf die Entwicklung Ihres Kindes. Welche Folgen kann Schwangerschaftsdiabetes für mich haben?Auch wenn sich die Blutzuckerwerte in aller Regel nach dem Ende der Schwangerschaft schnell wieder normalisieren, bleibt Ihr Risiko, innerhalb der nächsten Jahre einen Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln, erhöht. Sie sollten sich deshalb nach der Geburt ärztlich beraten lassen. Möglicherweise sind weitere Untersuchungen sinnvoll oder es ist ratsam, weiter auf eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung zu achten. Vielen Frauen wird empfohlen, etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt einen weiteren Zuckertest durchführen zu lassen, um einen möglichen behandlungsbedürftigen Diabetes zu entdecken. Kann ich Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung vor Beginn einer geplanten Schwangerschaft kann bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas die Wahrscheinlichkeit für einen Schwangerschaftsdiabetes senken. Bei normalgewichtigen Frauen wurde dieser vorbeugende Effekt nicht beobachtet.
Offene Fragen: Schwangerschaftsdiabetes in der ForschungWie lässt sich Schwangerschaftsdiabetes vorhersagen? Welchen Einfluss hat das Mikrobiom und lassen sich bestimmte Stoffe im Blut - sogenannte Biomarker - für eine frühzeitige Diagnose nutzen? Auf diese und weitere Fragen suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zurzeit Antworten.Auch zur Behandlung und Unterstützung Betroffener wird geforscht: Dabei geht es besonders um die Frage, welche Lebensstilanpassungen umsetzbar sind und ob sie sich mithilfe von Gesundheits-Apps leichter erreichen lassen.
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Helmholtz Zentrum München - diabinfo: Was ist Schwangerschaftsdiabetes?, 28.12.2023. URL: https://www.diabinfo.de/leben/schwangerschaftsdiabetes/krankheitsbild-und-symptome.html (abgerufen am: 18.06.2026).Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Helmholtz Zentrum München - diabinfo: Was macht die Forschung bei Schwangerschaftsdiabetes?, 14.12.2022. URL: https://www.diabinfo.de/leben/schwangerschaftsdiabetes/forschung.html (abgerufen am: 18.06.2026).Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - gesundheitsinformation.de: Was hilft, Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen?, 27.03.2024. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/was-hilft-schwangerschaftsdiabetes-vorzubeugen.html (abgerufen am: 18.06.2026).Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - gesundheitsinformation.de: Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?, 27.03.2024. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wird-schwangerschaftsdiabetes-behandelt.html (abgerufen am: 18.06.2026).Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - gesundheitsinformation.de: Wie wird Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?, 27.03.2024. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wird-schwangerschaftsdiabetes-festgestellt.html (abgerufen am: 18.06.2026).Robert Koch-Institut - Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gestationsdiabetes mellitus: Prävalenz, 30.09.2025. URL: https://www.gbe.rki.de/DE/Themen/Gesundheitszustand/KoerperlicheErkrankungen/DiabetesMellitus/GestationsdiabetesPraevalenz/gestationsdiabetesPraevalenz_node.html?darstellung=1&kennzahl=1&zeit=2022&geschlecht=1&standardisierung=0 (abgerufen am: 18.06.2026).
Wir nutzen Cookies
Privatsphäre-Einstellungen
Um Ihnen eine sichere und benutzerfreundliche Website anzubieten, setzen wir Cookies ein. Einige dieser Cookies sind technisch erforderlich, damit unser Angebot funktioniert. Mit Ihrer Zustimmung nutzen wir zudem weitere Tools. Diese helfen uns unter anderem zu verstehen, wie unsere Website genutzt wird. Dabei können personenbezogene Daten wie Ihre IP-Adresse oder Ihr Nutzungsverhalten verarbeitet werden. Mit einem Klick auf die Schaltfläche "Nur erforderliche" lehnen Sie diese optionalen Cookies ab. Ihre Auswahl können Sie in den Privatsphäre-Einstellungen jederzeit anpassen. Weitere Informationen finden Sie im Impressum , der Datenschutzerklärung und unter Cookies auf tk.de .
Entscheiden Sie selbst, für welche Zwecke wir Ihre Daten speichern und verarbeiten dürfen. Ihre Zustimmung können Sie jederzeit anpassen. Weitere Informationen finden Sie unter Cookies auf tk.de .
Technisch erforderliche Cookies
Funktionale Cookies
Marketing-Cookies
Dienste
Individuelle Einstellungen
Nur erforderliche
Alle zulassen
Ausgewählte zulassen
Alle zulassen
Ihre Eingaben werden zurückgesetzt in MinutenSie haben länger keine Aktion durchgeführt. Zu Ihrer Sicherheit werden die von Ihnen eingegebenen Daten in Kürze gelöscht.