StartseiteGesundheit fördernWarum bloß so streng mit uns selbst?
Warum bloß so streng mit uns selbst?
Was bringt uns dazu, Erfolge kleinzureden, Fehler zu überhöhen und ständig an uns zu zweifeln? Wir alle kennen diese innere Stimme, die uns klein macht und so gnadenlos urteilt. Doch wenn wir den inneren Kritiker verstehen, können wir ihm begegnen - und sofort mehr Ruhe gewinnen.
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TK
"Das war wieder typisch." "Das bekommst du eh nicht hin." "Wie blöd kann man sein?" Viele von uns feuern täglich Sätze raus, die wir niemals einer nahestehenden Person gegenüber verwenden würden. Und doch richten wir sie regelmäßig gegen uns selbst - oft so automatisch, dass wir es kaum bemerken.Selfcare bedeutet nicht nur schlafen, bewegen, pausieren, gesund essen. Es geht auch darum, wie wir mit uns selbst sprechen. Denn ob unser innerer Dialog uns verunsichert oder stärkt, spüren wir oft sofort: im Körper, in der Stimmung, in der Energie, mit der wir in den Tag gehen.Woher kommt die Selbstkritik?Die Neigung zur Selbstverurteilung ist keine Charaktereigenschaft, sondern meist erlernt. Kritische Stimmen aus der Kindheit, hohe Erwartungen, das Gefühl, vielen Rollen gerecht werden zu müssen: All das hinterlässt Spuren im inneren Monolog. Mit 40, 50 oder 60 hat man diese Muster oft jahrzehntelang geübt. Aber: Sie lassen sich verändern. Nicht über Nacht, aber Sie können heute damit anfangen.Was die inneren Stimmen wirklich wollenInteressanterweise meint es die innere Stimme meist nicht böse. Sie will schützen, warnen, verhindern, dass man sich blamiert oder scheitert. Das Problem ist nicht die Absicht, sondern der Ton. Wer das versteht, kann den Stimmen anders begegnen - sie nicht bekämpfen, sondern einordnen und antworten: "Danke für den Hinweis. Aber ich weiß schon, was ich tue."Sich selbst auf die Schulter klopfenStudien zeigen: Menschen, die sich selbst gegenüber nachsichtiger sind, sind belastbarer, entscheiden klarer und erholen sich schneller von Rückschlägen. Der einfachste Test: Würde ich so mit einer guten Freundin sprechen? Wenn nicht - wie würde ich es ihr gegenüber formulieren? Genau so darf man auch mit sich selbst reden.Kleine Verschiebungen wirken sofort. Einen Fehler nicht verurteilen, sondern einordnen. Eine Leistung nicht klein reden, sondern anerkennen. Den Tag nicht mit einer inneren Abrechnung beenden, sondern mit Selbstmitgefühl:Was ist heute gut gelaufen? Wofür bin ich heute dankbar? Worauf bin ich heute stolz?
3 x Selbstliebe-TrainingDer eigene Fanclub-MomentEinmal pro Tag bewusst eine Sache aufschreiben, auf die man stolz ist - nicht was man erledigt hat, sondern wie man sich dabei gefühlt hat. Geduldig, mutig, ehrlich, stark. Klingt kitschig, wirkt aber nachweislich: Das Gehirn lernt, positive Selbstwahrnehmung als normal zu registrieren.Body-Check statt SelbstkritikWenn die innere Stimme loslegt, kurz in den Körper einchecken: Wo spüre ich das gerade? Allein dieser Schritt unterbricht den automatischen Gedankenstrudel und bringt einen vom Urteilen ins Wahrnehmen.
Tipp: Mit dem Body Scan der TK sofort in die Entspannung kommen, als MP3-Datei zum Downloaden oder zum Online-Hören.Die 10-Jahres-PerspektiveKurz innehalten und fragen: Werde ich mich in zehn Jahren noch daran erinnern? Wenn nicht, wie viel Energie verdient es gerade wirklich? Das ist kein Kleinreden, sondern Einordnen.
Podcast Selbstliebe als MedizinUnsicherheiten gehören zum Leben dazu, doch es gibt Wege, wie wir mit Zweifeln umgehen und uns selbst wieder wohlwollend begegnen können. In der Podcastfolge "Selbstliebe als Medizin" aus dem TK-Podcast "Ist das noch gesund?" mit Dr. Yael Adler teilt Selfcare-Expertin Ulrike Scheuermann ganz konkrete Tipps. Jetzt reinhören!
Podcast Selbstliebe als MedizinSelbstliebe statt Selbstzweifel: Warum es so gesund ist, sich selbst zu lieben.
Stocker, C. et al, "Mitgefühl üben", Springer 2020; Neff, K. & Germer, C., "Selbstmitgefühl - das Übungsbuch", Freiburg 2021Berking, Matthias, "Training emotionaler Kompetenzen", Springer-Verlag, Berlin 2017Neff, Kristin, "Selbstmitgefühl", Kailish-Verlag 2012Sebastian Kirschner, "Teilen bringt Vorteile", Max-Planck-Gesellschaft Leipzig, https://www.mpg.de/7537349/teilenCharles Darwin, Descent of Man, 1871, Kapitel 4. MacBeth, A. & Gumley, A., Exploring Compassion: A meta-analysis of the association between self-compassion and psychopathology, Clinical Psychology Review 32/6, 2012Keltner, D., The Compassionate Instinct, The Greater Good, 2004Stefan Klein, "Der Sinn des Gebens", Fischer 2011
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