You can also use our website in English - change to English version
Kontakt
Startseite Gesundheit fördern Stress & Entspannung Stress bewältigen Psychologin erklärt: Wie Stress die Libido beeinflusst
Psychologin erklärt: Wie Stress die Libido beeinflusst Stress wirkt sich auch auf die Sexualität aus. Warum keine Lust auf Sex oft eine normale Reaktion auf Überlastung ist und was helfen kann. – Wiebke Knoche
Das Wichtigste auf einen BlickSexuelle Unlust ist oft eine normale Stressreaktion - Dauerbelastung kann die Libido vorübergehend senken, ohne dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt.Stress belastet Nähe und Selbstwert - Fehlende Lust kann Schuldgefühle, Unsicherheit und Rückzug verstärken.Offene Kommunikation und Druck rausnehmen helfen - Verständnis, achtsame Nähe und kleine Entspannungsrituale können Intimität wieder Raum geben.
Stress wirkt sich nicht nur auf Schlaf, Stimmung und Gesundheit aus - sondern auch auf die Sexualität. Sexuelle Unlust gehört zu den häufigsten, aber am wenigsten besprochenen Folgen von Dauerstress. Hohe mentale Belastung, Erschöpfung und innere Anspannung können das sexuelle Verlangen deutlich reduzieren - unabhängig von Alter, Geschlecht oder Beziehungsstatus."Sexuelle Unlust ist kein Anzeichen dafür, dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt oder, dass man nicht mit der richtigen Person zusammen ist", sagt die Psychologische Psychotherapeutin Nele Sehrt.Keine Lust auf Sex: Körperliche und psychische Ursachen
Nele Sehrt ist Psychologin, Sexologin, Paar- und Sexualtherapeutin sowie Psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung und betreibt in Hamburg ihre eigene Praxis. © Claudia Timmann
Unser Stresslevel verändert sich im Laufe des Lebens. Während in jungen Jahren Leistungsdruck und berufliche Orientierung dominieren, kommen später familiäre Verantwortung sowie gesundheitliche Themen dazu. "Unser Leben bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich. In solchen Phasen ist es normal, wenn die Sexualität zeitweise in den Hintergrund rückt", erklärt Sehrt. Wer gedanklich permanent organisiert, plant und Verantwortung trägt, befindet sich selten in einem Zustand erotischer Offenheit.Sexualität braucht den richtigen Kontext. Wenn sie sich wie eine weitere Aufgabe anfühlt, ist das meist weder lust- noch beziehungsfördernd. Paar- und Sexualtherapeutin Nele Sehrt
Bei Stress schüttet der Körper unter anderem Cortisol aus, um ausreichend Energie für Kampf oder Flucht bereitzustellen. Das Fortpflanzungssystem und die Produktion von Sexualhormonen werden dabei herunterreguliert, da Überleben evolutionsbiologisch wichtiger ist als sich zu vermehren.
Auch Schlafmangel, Depressionen oder Angstzustände sind relevante Faktoren, die unsere Lust beeinflussen, jedoch häufig übersehen werden. "Kein Wunder, denn das gesellschaftliche Ideal, funktionieren zu müssen, macht auch vor dem Schlafzimmer nicht Halt", so Sehrt.Das gesellschaftliche Ideal, funktionieren zu müssen, macht auch vor dem Schlafzimmer nicht Halt. Nele SehrtViel Sex = gute Beziehung?Phasen verminderter Libido sind somit völlig normal. Viele Paare interpretieren sexuelle Unlust jedoch fälschlicherweise als Beziehungsproblem. "Wir unterliegen dem Narrativ, dass unsere sexuelle Aktivität ein Gradmesser für unser Beziehungsglück ist", sagt Sehrt. Dabei gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, Bindung zu erleben: durch regelmäßigen Austausch, gegenseitige Unterstützung oder körperliche Zuwendung ohne Erwartungsdruck.Auswirkung auf Selbstwert und PartnerschaftBleibt die Lust über längere Zeit aus, kann das Selbstwertgefühl erheblich leiden. In einer Kultur, in der hohe sexuelle Aktivität als Norm gilt, interpretieren viele Menschen fehlendes Verlangen als eigenes Versagen. Das führt nicht selten zu Schuldgefühlen, Selbstzweifeln und emotionalem Rückzug. "Es entsteht ein Teufelskreis: Rückzug bedeutet weniger Nähe, weniger Nähe sorgt für Unsicherheit - und damit weiteren Stress", sagt Nele Sehrt.Doch nicht nur die eigene, auch die fehlende Lust des Gegenübers kann verunsichern. Wer wiederholt Zurückweisung erlebt, deutet das schnell als mangelnde Attraktivität oder als Hinweis auf schwindende Gefühle. Enttäuschung, Kränkung oder Eifersucht können entstehen. Bleiben diese Gefühle unausgesprochen, verstärken sich Missverständnisse.Raus aus dem LeistungsdruckJetzt ist es wichtig, den Fokus zu verschieben: weg von Schuldzuweisungen, hin zu gemeinsamem Verständnis für die Belastung. Wenn sexuelle Unlust als Stressreaktion eingenordnet wird - statt als persönliches Defizit oder Liebesentzug - verändert sich die Gesprächsbasis grundlegend."Hilfreich ist eine Sprache, die das Problem im Kontext sieht", so Sehrt. Statt zu sagen: Du willst nie, kann es entlastend sein zu formulieren: Wir haben gerade sehr viel Stress, und ich merke, mein Körper schaltet herunter.Diese Perspektive schafft ein Wir-Gefühl. Paare können gemeinsam überlegen, welche Stressoren aktuell dominieren und wo Entlastung möglich ist. Manchmal geht es darum, Aufgaben gerechter zu verteilen oder Erwartungen an Spontaneität und Häufigkeit zu korrigieren.Die entscheidende Frage lautet: Was braucht es um lustvoll sein zu können und sein zu wollen?  Nele SehrtSexuelle Lust steigern - trotz StressEin weiterer Schlüssel liegt darin, Nähe vom Leistungsdruck zu entkoppeln. Berührung darf stattfinden, ohne automatisch in sexuelle Aktivität überzugehen. Wer weiß, dass eine Umarmung nicht zwangsläufig "mehr" bedeuten muss, kann wieder entspannter Nähe zulassen. Sicherheit entsteht, wenn beide wissen: Es geht nicht um Funktionieren, sondern um Verbindung. "Die entscheidende Frage lautet: Was braucht es um lustvoll sein zu können und sein zu wollen?", so Sehrt.Diese kleinen Rituale helfen, Stress zu reduzieren und wieder in Kontakt zu kommen:Ein gemeinsamer Spaziergang ohne AblenkungEin bewusstes Gespräch am AbendAchtsame Berührungen ohne ZielEntspannungverfahren wie die 5-Finger-Atmung oder Body-Scan-Techniken
Mehr Nähe trotz StressStress kann die mentale Gesundheit belasten und die Lust auf Sex beeinflussen. Ein Body-Scan hilft Ihnen, bewusst innezuhalten und Ihren Körper besser wahrzunehmen. So spüren Sie schneller, was Ihnen guttut - und schaffen Raum für Entspannung, Nähe und sexuelle Gesundheit.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll istWenn anhaltende sexuelle Unlust mit einem hohen Leidensdruck einhergeht, Gespräche nicht gelingen wollen oder keine Veränderung möglich scheint, kann eine professionelle Begleitung, z. B. in Form einer Sexualberatung oder Paartherapie, entlasten. "Viele Paare erleben es als hilfreich, wenn eine neutrale Person das Thema entdramatisiert und Wissen über Stress und Sexualität vermittelt", sagt Sehrt.
Wir nutzen Cookies Privatsphäre-Einstellungen
Ihre Eingaben werden zurückgesetzt in Minuten Sie haben länger keine Aktion durchgeführt. Zu Ihrer Sicherheit werden die von Ihnen eingegebenen Daten in Kürze gelöscht.