Die Knie müssen bei  beim Fußball und Skifahren ständig schnelle, abrupte Richtungswechsel abfedern und enorme Stöße auffangen. Wird das Knie dabei zu sehr verdreht oder überdehnt, kann das Kreuzband reißen. Meist ist das vordere Kreuzband betroffen. Bei vielen Betroffenen nehmen auch der Meniskus (Knieknorpelscheibe) oder die Außenbänder Schaden. Das hintere Kreuzband reißt dagegen meist bei Verkehrsunfällen.

Manchmal hören und spüren Betroffene ganz deutlich, wenn das Kreuzband reißt. Danach schmerzt jede Bewegung und das Knie schwillt stark an. Beim Gehen gleitet das Knie möglicherweise weg. Viele Patienten erleben ihren Gang als unsicher.

Funktion des Knies: Stabilität versus Beweglichkeit

Das Kniegelenk verbindet Ober- und Unterschenkelknochen wie ein Scharnier. Anders als beim Schulter- oder Hüftgelenk passen der kugelige Kopf des Oberschenkelknochens und die Gelenkfläche des Unterschenkelknochens jedoch nicht exakt zusammen. Vier Bänder, das vordere und hintere Kreuzband sowie das innere und äußere Seitenband, verbinden die einzelnen Knochen. Als Stoßdämpfer dazwischen fungieren die zwei Menisken. Dadurch ist das Knie sehr stabil und es kann die enormen Kräfte abfangen, die bei Bewegungen darauf einwirken - bis zum Achtfachen des Körpergewichts. Doch diese Stabilität hat ihren Preis, denn sie begrenzt den Bewegungsradius. Dreht sich der Oberschenkel zu weit, während der Fuß dabei zum Beispiel auf dem Boden stehen bleibt, kann das Kreuzband reißen. 

Diagnose Kreuzbandriss: Was der Arzt macht

Der untersuchende Arzt bittet Sie, den Unfallhergang so genau wie möglich zu schildern, um zu beurteilen, welche Verletzungen dabei entstanden sein könnten. Auf Basis dieser Analyse des Unfallhergangs nimmt er dann eine körperliche Untersuchung vor. Dabei bewegt er zum Beispiel das Knie und prüft so die Stabilität in bestimmten Stellungen. Kann er beim sogenannten Schubladen- und dem Lachmann-Test den Unterschenkel verschieben, anders als es bei einem intakten Knie möglich ist, deutet das auf einen Riss des Kreuzbands hin. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann ein gerissenes Kreuzband sichtbar machen.

Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf Kreuzbandriss

Merken Sie sich die sogenannte PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung) für einen Knieunfall. 

  • Vermeiden Sie weitere Bewegungen und lagern Sie das verletzte Bein nach Möglichkeit sofort hoch.
  • Sorgen für Kühlung und legen Sie nach Möglichkeit einen Druckverband an, um zu verhindern, dass das Knie stark anschwillt. 
  • Suchen Sie sofort einen Arzt auf beziehungsweise alarmieren Sie den Rettungsdienst.

Therapie: So  werden Sie wieder mobil

Welche Therapieoptionen im Einzelfall infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wie schwer die Verletzung ist, welche Bereiche des Knies möglicherweise außerdem betroffen sind und wie instabil das Knie ist. Auch Ihr Alter und Ihr Mobilitätswunsch werden berücksichtigt. So wird zum Beispiel ein Kreuzbandriss bei jüngeren sportlich ambitionierten Patienten eher operiert als bei Senioren, die sich einfach schmerzfrei im Alltag bewegen wollen. 

Weiter Tipps für das Knie:

Schmerzen reduzieren, das Knie entlasten und langsam mobilisieren

Als Sofortmaßnahme können Schmerzen und Schwellungen durch Schonen, Kühlen und Hochlagern reduziert werden. Bei Bedarf kann der Arzt Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente empfehlen. Mit einer Schiene wird das Knie sofort nach dem Unfall stabilisiert und ruhiggestellt. In der Regel erhalten Sie Unterarmgehstützen, um das Kniegelenk beim Gehen zu entlasten. Zusätzlich können eine Kältetherapie oder eine Lymphdrainage das Abschwellen des Kniegelenks fördern. Intensive Physiotherapie  kann  dazu beitragen, dass Ihr Knie wieder beweglicher wird und Sie stützende Muskulatur vor allem an den Oberschenkeln aufbauen. Diese Therapiemaßnahmen können mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Wann wird operiert?

Ist Ihr vorderes Kreuzband gerissen und Sie möchten wieder sportlich aktiv werden, kann es operativ durch ein Transplantat ersetzt werden. Bei einem alleinigen hinteren Kreuzbandriss wird eine Operation in der Regel erst erwogen, wenn die konservative Behandlung versagt und das Knie instabil bleibt.

Die Operation wird in der Regel minimalinvasiv durchgeführt. Dabei wird das gerissene Kreuzband durch eine eigene Ober- oder Unterschenkelsehne oder ein Spender-Kreuzband ersetzt. Zwar kann eine Kreuzband-Operation direkt nach dem Unfall erfolgen, doch die meisten werden etwa vier bis sechs Wochen nach dem Unfall durchgeführt.

So stärken Sie Ihre Knie

Die Knie sind die am meisten beanspruchten Gelenke. Ungewohnte und extreme Bewegungen werden manchmal wortwörtlich zur Zerreißprobe für das vordere Kreuzband. Viele Risikofaktoren lassen sich aber aktiv durch gezieltes Training und umsichtiges Verhalten minimieren:

  • Gezielte Übungen: 
    • Gehen oder laufen Sie öfter bewusst auf unebenem Untergrund. Das fördert den Gleichgewichtssinn und die Koordinationsfähigkeit. 
    • Trainieren Sie regelmäßig Ihre Beinmuskulatur, besonders die rückseitige Oberschenkelmuskulatur (ischiocrurale Muskulatur). 
    • Wärmen Sie sich vor jedem Training gut auf, besonders bei Sportarten mit schnellen Bewegungsabläufen und Outdoor-Sportarten, die auch bei kaltem und nassem Wetter ausgeübt werden. Experten empfehlen, grundsätzlich Balance-, Kraft-, Sprung-, Lauf- und Beweglichkeitsübungen in die Aufwärmphase zu integrieren.
    • Üben Sie sogenannte Saisonsportarten wie Skifahren aus, hilft ein ganzjähriges Basistraining um die erforderliche Grundfitness aufzubauen. Sportvereine und Fitnessstudios bieten geeignete Kurse und Trainingsprogramme an.
  • Respektieren Sie Ihre Leistungsgrenzen, denn die meisten Verletzungen passieren,
    • wenn die Muskulatur ermüdet und die Konzentration nachlässt.
    • wenn das Leistungslevel zu schnell gesteigert wird. Geben Sie Ihrem Körper Zeit, die entsprechende Muskulatur und Kondition aufzubauen.
  • Sorgen Sie für eine adäquate Sportausrüstung. Lassen Sie zum Beispiel Sportschuhe oder Skibindungen immer fachgerecht anpassen und einstellen.
  • Meiden Sie nach Möglichkeit verletzungsträchtige Bodenbeläge beziehungsweise Gelände wie Kunstrasen, Stein oder auf der Skipiste schweren Nassschnee. Dieser wird nicht grundlos auch Knochenbrecher-Schnee genannt. 
  • Leistungssportlern hilft eine gezielte Bewegungsanalyse. Auf dieser Basis kann ein individueller Trainingsplan erstellt werden, der gezielt risikoträchtige Bewegungsmuster korrigiert und schwach ausgebildete Muskelgruppen aufbaut.