Herausnehmbarer Zahnersatz hat viele Vorteile: Er lässt sich erweitern, wenn einer der eigenen Zähne nicht mehr zu erhalten ist, er kann teilweise erheblich günstiger sein als festsitzender Zahnersatz oder Implantate und die eigenen Zähne müssen je nach Art des herausnehmbaren Ersatzes weniger oder überhaupt nicht beschliffen werden. Auch wenn nur noch wenige eigene Zähne vorhanden sind oder der Patient nicht zu einer ausreichenden Mundhygiene bereit oder in der Lage ist, ist ein herausnehmbarer Zahnersatz empfehlenswert. Er stellt auch bei einer unsicheren Langzeitprognose der eigenen Zähne eine Alternative dar.

Abhängig von der Konstruktion, der Anzahl der fehlenden Zähne und der Art der Verankerung des Zahnersatzes am Restgebiss unterscheidet der Zahnarzt drei verschiedene Formen des herausnehmbaren Zahnersatzes: den ausschließlich herausnehmbaren Ersatz (Teilprothese), den herausnehmbar-festsitzenden Zahnersatz (Kombinationsersatz) und die Vollprothese bei völliger Zahnlosigkeit (Gebiss).

Das Provisorium

Häufig kommt es vor, dass vor Eingliederung eines endgültigen Zahnersatzes einige nicht erhaltungswürdige Zähne gezogen werden müssen. Da aber die endgültige Prothetik wegen Knochenschwund-Vorgängen und Weichgewebsveränderungen nur auf einen abgeheilten Kiefer eingesetzt werden sollte, wird in der Regel für die Heilungsphase ein Provisorium getragen.

Kunststoffprothesen

Reine Kunststoffprothesen, meist hergestellt aus Kaltpolymerisat, gelten heute als sehr einfache Versorgungsform. Bis in die 1960er Jahre war eine solche Prothetik Standard, während sie heute überwiegend als provisorischer Ersatz (Interimsprothese) für den Zeitraum zwischen Zahnziehen bis zur Abheilung der Wunden zum Einsatz kommt.

Modellgussprothese

Als zahnmedizinisch sinnvolle Weiterentwicklung zur einfachen Kunststoffprothese existiert die abgestützte Modellgussprothese mit vermessenen Klammern (umgangssprachlich Stahlprothese).

Diese Halteelemente umfassen den Klammerzahn (auch Anker- oder Pfeilerzahn) sehr exakt und stützen sich auf ihm ab. Der Kaudruck wird im Gegensatz zur einfachen Kunststoffprothese von eigenen Zähnen und ihrem Zahnhalteapparat abgefangen. Die Schädigungsgefahr des Restgebisses wird dadurch minimiert.

Die Prothese selbst besteht meist aus einer Chrom-Kobalt-Molybdän-Legierung, worauf die zu ersetzenden Zähne befestigt sind. Der Einsatz von Edelmetall-Legierungen wird nicht nur aus Kostengründen, sondern wegen bedeutend schlechterer Materialeigenschaften weitgehend vermieden.

Im Oberkiefer sind die Kunstzähne durch einen Gaumenbügel (Transversalbügel), im Unterkiefer durch einen unter der vorderen Zunge verlaufenden Zungenbügel (Sublingualbügel) miteinander verbunden. Die im Unterkiefer früher gebräuchliche Kragenplatte als Verbindungsteil gilt heute als Kunstfehler.

Da auch bei exakt angepassten Klammern die Zähne durch Reibung der beweglichen Prothese angekratzt werden, können diese zusätzlich mit Schutzkronen (auch Anker-, Pfeiler-, Klammerkronen) überzogen werden. Dies verbessert zwar die Langzeitprognose für die Klammerzähne, bedeutet aber zugleich, dass zwei gesunde Zähne zusätzlich beschliffen werden müssen.

Vorteile

  • Mittelfristig gesehen eine akzeptable Lösung
  • Kein beziehungsweise nur geringfügiges Beschleifen eigener Zähne nötig
  • Der einfachen Kunststoff-Teilprothese weit überlegen
  • Nach Herausnehmen des Zahnersatzes sehr gute Mundhygiene möglich
  • Relativ preiswerte Versorgungsform
  • Stabil
  • Problemlose Erweiterung bei Verlust eines eigenen Zahnes in einem zahntechnischen Labor
  • Durch das Metall hindurch schnelle Temperaturleitung

Nachteile

  • Häufige Beschädigung der Klammerzähne, wenn diese nicht überkront sind, durch die Klammerarme und die Klammerauflage
  • Die Beweglichkeit des Prothesenkörpers kann den Zahnhalteapparat schädigen, da die Prothese im Gegensatz zur Brücke mit diesem nicht starr verbunden ist und es zu ungünstigen Belastungen und Auslenkungen der Zähne kommen kann
  • Metallfarbene Klammern im sichtbaren Bereich sind kosmetisch sehr störend
  • Wenig Komfort beim Tragen im Vergleich zu festsitzenden Lösungen

Die Vollprothese

Noch vor 50 bis 80 Jahren galt die Vollprothese - die "Dritten Zähne" - als der Zahnersatz schlechthin.

Auch heute geistern durch manche Patientenköpfe Vorstellungen wie "alle Zähne raus, dann habe ich endlich Ruhe". Denkweisen, die sich bald als trügerisch erweisen, denn mit einer Vollprothese lässt sich zwar auch beißen und sprechen, eigene Zähne kann sie aber keinesfalls gleichwertig ersetzen. Deshalb sollten die Erwartungen an eine Totalprothese auch entsprechend bescheiden sein.

Patienten reagieren ganz unterschiedlich auf das Leben mit einer Vollprothese: Manche sind glücklich, endlich makellose Zähne zu haben und gut damit beißen zu können, andere klagen über Sprechstörungen und Würgereiz.

Drei Problemkreise und deren Lösung bestimmen die Zufriedenheit, Ästhetik und Funktionstüchtigkeit einer Vollprothese:

  • Psychische Faktoren: Der totale Verlust der Zähne, besonders der Frontzähne, stellt einen tiefen Eingriff in die Persönlichkeit jedes Menschen dar. Eine Veränderung des Gesichtsausdrucks und die Charakteristik der sichtbaren Zähne sind nur schwer durch Ersatzmaßnahmen zu kompensieren.
  • Physikalische Faktoren: Vollprothesen liegen dem Kiefer nur auf. Sie können nicht wie Teil-Prothesen zum Abfangen von auf sie wirkenden Kräften an eigenen Zähnen verankert werden. Verschiedene Kräfte wirken auf den Kiefer und die Prothese ein. Ein Kompromiss zwischen Stabilität und Ästhetik muss gefunden werden.
  • Haftungs-Faktoren: Die Haftung, der Halt einer Vollprothese auf dem Zahnfleisch des betreffenden Kiefers hat ähnliche Prinzipien wie ein Gummi-Saugnapf auf einer glatten Unterlage. Je größer die Fläche (Prothesenbasis), desto besser ist auch der Halt. Je nach Zustand des Kiefers kann dies Probleme mit sich ziehen. Auch ist ein exakter Kiefer-Abdruck unbedingt erforderlich. Der Prothesenrand (Funktionsrand) muss genau angemessen werden, sodass sich zwischen Prothese und Unterlage keine Luftblasen befinden können und die Prothese beim Sprechen und Beißen nicht durch Bänder der Wangen- und Unterkiefermuskulatur abgehoben wird.

Kombinations-Prothese

Herausnehmbarer und festsitzender Zahnersatz werden hier kombiniert: Eine hohe Haltbarkeit und oft eine verbesserte Ästhetik sind zwei Vorteile der Kombinations-Prothese.

Herausnehmbarer Zahnersatz kann nicht nur mit Klammern an den eigenen Zähnen befestigt werden. Ästhetischer sind Befestigungen über Kronen, Brücken, Stege, und bei stark zerstörten Zähnen mittels Wurzelkappen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Befestigung sind gesunde und stabile eigene Zähne beziehungsweise fest im Knochen verankerte Implantate. Fällt einer der Pfeiler in diesem Verbund nicht mehr zu erhalten, wird häufig der gesamte Zahnersatz hinfällig.

Diese Teilprothesen-Art ist äußerst langlebig und stabil. Sie umfasst die Pfeilerzähne mittels des festsitzenden Zahnersatz-Teils und geeigneten Verbindungselementen so, dass eine ungünstige Belastung dieser Haltezähne nahezu ausgeschlossen werden kann.

Vorteile:

  • Optimale Lückenversorgung bei herausnehmbarem Ersatz; dadurch bedingte hohe Langzeitprognose.
  • Hoher Tragekomfort
  • Ästhetisch ansprechende Versorgung, keine Klammern sichtbar
  • Die Kombination von herausnehmbarem und festsitzendem Zahnersatz bewahrt die Restzähne optimal vor einer Lockerung und Überbelastung, weil die Prothese als eine Art Schiene wirkt.

Nachteile:

  • Gesunde, nicht kariöse Zähne müssen als Pfeiler konstruktionsbedingt beschliffen werden
  • Hoher Preis durch aufwendige Herstellung
  • Bei schwerer Erkrankung eines der Pfeilerzähne ist häufig die gesamte Konstruktion hinfällig.

Verankerung

Eine weit gebräuchliche und elegante Art der Verankerung im Restgebiss sind Doppel- oder Teleskopkronen, besonders, wenn nur noch wenige eigene Zähne vorhanden sind.

Als Unterbau wird über den beschliffenen Zahnstumpf ein Hütchen (Innenteleskop) fest einzementiert.

Im Labor wird darüber eine zweite Krone (Außenteleskop) exakt passend aufgearbeitet und mit dem herausnehmbaren Zahnersatzteil fest verbunden.

Beim Einsetzen des fertigen Zahnersatzes gleitet dieser mit den Außenkronen ähnlich einer Teleskop-Antenne über die Innenhütchen und saugt sich durch Adhäsionskräfte stabil daran fest.

Vorteile

  • Gute Reinigungsmöglichkeiten sowohl des festsitzenden als auch des herausnehmbaren Zahnersatzteils
  • Einfache, kostengünstige Erweiterungsmöglichkeit bei Verlust eines Teleskop-Zahnes

Nachteile

  • Konstruktionsbedingt ist ein stärkeres Beschleifen des Zahnstumpfes erforderlich, wenn die Teleskop-Kronen nicht plump wirken sollen
  • Zahnfarbene Verblendungen der Außenteleskope können nur aus Kunststoff gearbeitet werden, da eine Keramik den auftretenden Spannungskräften nicht standhält